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Österreichwahl: "Emokratie" statt Demokratie? | BR24

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Wahlberechtigt sind dieses Jahr rund 6,4 Millionen Menschen. Etwas mehr als eine Million Wähler haben sich zur Briefwahl entschieden - so viele wie noch nie zuvor in Österreich.

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Österreichwahl: "Emokratie" statt Demokratie?

Die Österreicher wählen ein neues Parlament: Menschen vor den Wahllokalen äußern sich sowohl verdrossen als auch mit ironischer Distanz über ihre Politiker. Allerdings: Bei der Briefwahl zeichnet sich eine Rekordbeteiligung ab.

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Die Maria Geburtskirche im 13 Bezirk in Wien liefert den passenden Soundtrack zum Tag der Entscheidung. Bereits am frühen Vormittag haben hier in einer Grundschule einige Wiener ihre Stimme schon abgegeben. Auch Rentnerin Eva Hünsch. Sie glaubt nicht an einen überraschenden Wahlausgang.

"Es wird sich nicht sehr viel änder. Der Kurz wird sicher der erste, das ist klar." Tatsächlich hat die konservative ÖVP mit Sebastian Kurz an der Spitze beste Chancen, die Wahl zu gewinnen. Die Meinungsforscher sehen sie mit 32 bis 35 Prozent klar auf Platz eins. Das Rennen um Platz zwei wird zwischen der rechten FPÖ und den Sozialdemokraten der SPÖ, das um Platz vier zwischen den Grünen und den Liberalen Neos entschieden.

"Jung, schön, gelernte Worthülsen" - die Formel für Kurz' prognostizierten Erfolg?

Thomas Friedel hat gerade seine Stimme abgegeben und die Sozialdemokraten gewählt. Dass Sebastian Kurz uneinholbar vorne liegt, erklärt der Mittfünfziger so: "Er ist jung, er ist schön, er hat gelernte Worthülsen. Das kommt gut an bei den Leuten. Die Leute sind frustriert von der Politik, gehen dann nicht mehr auf Inhalte, sondern hören am Liebsten auf jemanden, der das gefällig rüberbringt und einen guten Eindruck macht."

Nach nur zwei Jahren sind die Österreicher heute wieder aufgerufen, den Nationalrat zu wählen. Auslöser war die Ibiza-Affäre, an der die türkis-blaue Regierung aus Sebastian Kurz' ÖVP und der rechten FPÖ zerbrach. Und auch der Wahlkampf war von Skandalen, Enthüllungen und teilweise heftigen Vorwürfen der Spitzenkandidaten gegeneinander geprägt.

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Kein Ende des kometenhaften Aufstiegs in Sicht - Sebastian Kurz dürfte wieder österreichischer Regierungschef werden.

Eine Wahl der emotionalen Zuspitzungen - "Emokratie" statt Demokratie

Rentnerin Eva Hünsch spricht aus, was viele Österreicher denken: "Ich hab's schon über von dem Ganzen. Man hat genug irgendwann." Auch Politikberater Thomas Hofer attestiert Österreich im Wahlkampfmodus eine Tendenz zur "Emokratie", also zu einer Demokratie in der emotionale Zuspitzungen dominieren:

"Ich bin mit Superlativen sehr vorsichtig, was jetzt das Etikett anbetrifft, das war der schmutzigste Wahlkampf aller Zeiten, denn auch 2017 gab es einen und davor auch schon welche, die nicht super sauber waren. Aber es ist schon richtig: Die Art und Weise, wie agiert wird, wie Methoden eingesetzt werden ist etwas, was man sich auch nach dem Wahlkampf noch einmal genauer anschauen sollte."

Noch genauer wird sich Österreich nach Schließung der Wahllokale anschauen müssen, mit welchen Koalitionspartnern ÖVP-Chef Kurz das nächste Regierungsbündnis eingehen wird. Kurz selbst hat sich im Wahlkampf nicht festgelegt.

Er wird aber einige Optionen haben: Die Neuauflage der Koalition mit der rechten FPÖ, eine große Koalition mit den Sozialdemokraten oder ein Dreierbündnis der ÖVP mit den Grünen und den liberalen Neos werden laut Umfragen rechnerisch möglich sein. Sollten beide Parteien stark zulegen, ist auch eine schwarz-grüne Koalition möglich.

Wählerin Eva Jansch hat für den alten und möglicherweise neuen Bundeskanzler den folgenden Tipp, vor allem mit Blick auf die Ibiza-Affäre, die die Neuwahl ausgelöst hat: "Ich glaube, wenn der Kurz gewinnt und der wird wahrscheinlich gewinnen, dann muss er Lehren daraus ziehen. Dann ist halt Kompromissbereitschaft angesagt, man muss halt aufeinander zugehen."

Mehr als eine Million Österreicher haben per Briefwahl abgestimmt

Die erste Hochrechung gibt es nach Schließung der Wahllokale kurz nach 17.00 Uhr, das vorläufige Ergebnis wird bis 21.00 Uhr erwartet. Dieses könnte sich allerdings noch ändern – denn es gibt einen neuen Briefwahlrekord: Insgesamt wurden mehr als Eine Million Wahlkarten ausgestellt, so heißen in Österreich Stimmen, die per Briefwahl abgegeben werden.