Das Logo des Unternehmens Wien Energie an einer E-Tankstelle am Standort Wien Spittelau.
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Österreichs größter regionaler Energieversorger, Wien Energie, braucht Milliarden-Hilfen.

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Wiener Energieversorger braucht Milliarden-Hilfen vom Staat

Der größte regionale Energieanbieter Österreichs ruft nach Staatshilfe in Milliardenhöhe. Wien Energie müsse für den Stromkauf an Börsen Kautionen hinterlegen, die wie der Strompreis stark gestiegen sind. Doch auch über Spekulationen wird gemutmaßt.

Österreichs Regierung steht vor der Aufgabe, ein Schreckensszenario zu verhindern, bei dem zwei Millionen Menschen in Wien ohne Strom und Gas dastehen würden. Wegen der aktuelle Energiekrise muss Österreichs größter regionaler Energieversorger "Wien Energie" um staatliche Unterstützung bitten.

"Wien Energie" in finanzieller Schieflage

"Wir haben vor 48 Stunden die Mitteilung bekommen, dass die 'Wien Energie' in finanzielle Schieflage geraten ist", sagte Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) am Dienstag in einem Radio-Interview dem "ORF". Der Bund sei aufgefordert worden, zu helfen.

Die Verhandlungen würden am Dienstag fortgesetzt. "Wir stehen kurz vor einer Lösung, Details müssen aber noch geklärt werden", wird Brunner von "Der Standard" zitiert. Andere Energieversorger in Österreich hätten keine solchen Probleme, hieß es unter anderem von Seiten der Bundesregierung.

Österreichs Regierung will helfen

"Wien Energie", die im Eigentum der Stadt Wien steht, versorgt laut Webseite zwei Millionen Menschen sowie 230.000 Gewerbe- und Industrieanlagen. Wie viel Geld tatsächlich benötigt wird, ist Brunner zufolge noch nicht ganz klar.

"Wir sind gestern informiert worden, dass ein Bedarf von zwei Milliarden Euro kurzfristig besteht und sechs Milliarden Euro insgesamt", so der Minister. "Das ist kein Pappenstiel." Grundsätzlich sei der Bund bereit zu helfen, derzeit würden aber noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen.

Finanzminister: Spekulative Geschäfte bei der "Wien Energie"?

Unklar ist auch, wie so kurzfristig ein solch hoher Finanzbedarf entstehen kann. Experten zufolge hätte man eine solche Lücke schon früher bemerken müssen. Laut Brunner handelt es sich mutmaßlich um spekulative Geschäfte der "Wien Energie". "Deswegen müssen wir uns das ganz genau anschauen", kündigte er an.

Laut Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) gab es seitens der "Wien Energie" keine Spekulation: "Ich weise das absolut zurück", sagte er am Montagabend bei "Wien heute". Es sei nicht die Zeit, jetzt "politisches Kleingeld" zu wechseln.

Aufsichtsratschef verweist auf hohe Kautionen

"Wien Energie"-Aufsichtsratschef Peter Weinelt erkennt nach eigenen Worten kein Managementversagen. Er verwies am Montag in einem "ORF"-Interview auf die Verdoppelung des Strompreises innerhalb eines Tages. "Wien Energie" würde Geld benötigen, um zukünftige Lieferverträge, sogenannte Futures, für den Bezug von Strom an internationalen Energiebörsen zu sichern. Diese Kautionen seien mit dem Strompreis stark gestiegen.

"Im Zuge einer vorausschauenden Planung wurden erforderliche Kreditlinien für Sicherheitskautionen seitens Wien Energie, Wiener Stadtwerke und der Stadt Wien aufgestellt", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Montag. "Die notwendigen Sicherheiten dienen ausschließlich der Absicherung von bereits getätigten Geschäften an der Energiebörse und damit der langfristigen Sicherstellung der Energieversorgung in Wien und ganz Österreich."

  • Zum Artikel: "Hoher Strompreis an der Börse: Fatale Folgen für Verbraucher?"

Wien Energie nach eigener Aussage nicht pleite

"Eine Verdoppelung innerhalb eines Tages ist keine normale Marktentwicklung", so Weinelt. "Wien Energie" sei vorbereitet gewesen - aber wenn Zahlung in dieser Größenordnung innerhalb wenigen Stunden kämen, "kann das existenzgefährdend für alle Energieversorger werden". Das Unternehmen selbst dementierte über Twitter zuvor Medienberichte, wonach es insolvent oder pleite sei.

Branchenvertreter fordern nun einen Rettungsschirm für alle Energieversorger, wie ihn etwa Deutschland gespannt hat. So hat der in Finanznöte geratene Energiekonzern Uniper weitere staatliche Kredite im Umfang von vier Milliarden Euro beantragt. Laut Brunner würde dieses Instrument im Fall der Stadt Wien aber nichts bringen. "Der Vergleich hinkt", sagte der Minister, denn spekulative Geschäfte, sollte es sich darum handeln, wären auch in Deutschland nicht abgedeckt.

Mit Material von Reuters.

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