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Österreich wehrt sich gegen Ski-Lockdown | BR24

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In Deutschland und auch in Italien bleibt das Skifahren über die Weihnachtsfeiertage und Silvester verboten. Die Schweiz und auch der Nachbar Österreich allerdings verteidigen offene Pisten.

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Österreich wehrt sich gegen Ski-Lockdown

Söders Forderung nach einer europaweiten Schließung der Skigebiete wird in Österreich scharf kritisiert. Sollte die EU-Kommission wegen Corona europaweit zu einem Verzicht auf Skiurlaub aufrufen, fordert die Regierung in Wien Ausgleichszahlungen.

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  • BR24 Redaktion

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dringt darauf, bis zum 10. Januar alle europäischen Skigebiete geschlossen zu halten, um neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl im vergangenen Winter zu verhindern. Auch Italien befürwortet dies.

Österreich will den Skibetrieb dagegen aufrecht erhalten - und fordert im Fall einer europaweit angeordneten Schließung der Skigebiete eine Ausgleichzahlung von der EU. "Der aktuelle Vorschlag bedeutet für Österreich empfindliche wirtschaftliche Einbußen", sagte Finanzminister Gernot Blümel der Zeitung "Welt". Ausgehend vom Umsatzersatz gehe er von einer Kompensationsforderung in Höhe von zwei Milliarden Euro aus, wenn die EU die Vorgabe mache, dass Skigebiete geschlossen bleiben müssten. Die Kompensation für Österreich könne entweder darin bestehen, dass das Land "mehr Geld" aus dem Corona-Wiederaufbaufonds der EU erhalte oder seine EU-Mitgliedsbeiträge entsprechend senken dürfe.

Laut "Welt" warf der ÖVP-Politiker den großen EU-Ländern vor, es sich zu einfach zu machen, wenn sie auf ein Verbot oder eine Empfehlung aus Brüssel drängen. "Unsere Volkswirtschaft ist wesentlich stärker vom Wintertourismus abhängig als Italien, Frankreich oder auch Deutschland", sagte der Finanzminister. Zudem beginne der wichtigste Teil der Wintersaison in Italien und Frankreich erst im Februar. Diese Länder wären daher "von ihrem eigenen Vorschlag deutlich weniger stark getroffen" als Österreich.

"Wir werden uns das Skifahren auch von Bayern nicht nehmen lassen"

Söders Forderung nach der europaweiten Schließung von Skigebieten bis in den Januar löste auch im österreichischen Bundesland Tirol scharfe Kritik aus. "Wenn es die Infektionszahlen zulassen, werden wir uns das Skifahren auch von Bayern nicht nehmen lassen", sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Das müsse auch Söder zur Kenntnis nehmen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz betonte am Freitag noch einmal, das Land werde selbst entscheiden, ob es Skigebiete öffnet. "Wir treffen diese Entscheidungen verantwortungsbewusst", sagte Kurz bei einer Pressekonferenz. "Aber wir müssen sie selbst treffen, weil sie ja abhängen vom Infektionsgeschehen in unserem Land."

Die österreichische Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) sagte laut dem Bericht, dass sie von den "Vorstößen aus Italien, Frankreich oder Deutschland nichts" halte. Auf europäischer Ebene sehe sie "keine Rechtsgrundlage, auf der man die Schließung von Skigebieten verordnen könnte". Österreich gebe auch keine Ratschläge, wann "in Frankreich der Louvre wieder öffnen kann, in Italien Cafés aufsperren oder Deutschland Schulen offenhalten oder schließen soll".

Unterschiedliche Regeln in den Alpenländern

Deutschland und andere EU-Staaten verhandeln derzeit über eine gemeinsame Linie der Alpenländer. Bislang sind die Regeln unterschiedlich: Frankreichs Regierungschef Jean Castex etwa hatte am Donnerstag angekündigt, dass die französischen Skigebiete in den Weihnachtsferien öffnen dürfen - die Skilifte müssen allerdings geschlossen bleiben. Die französischen Liftbetreiber sprachen von einer "wahnwitzigen" Entscheidung. Die Restaurants und Bars in den französischen Skigebieten sollen den Corona-Auflagen der Regierung zufolge wie überall im Land bis mindestens zum 20. Januar geschlossen bleiben.

In Südosten Frankreichs haben am Samstag mehrere hundert Menschen für eine Öffnung der Skilifte und der Restaurants und Bars in den Wintersportorten demonstriert. In der Stadt Gap folgten nach Angaben der Veranstalter rund 2.000 Menschen einem Aufruf der Skigebiete im Département Hautes-Alpes. Die Polizei sprach von 400 Demonstranten.

Montgomery fordert fünftägige Quarantäne für alle Reiserückkehrer

Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes, mahnte derweil in der Debatte um Skiurlaube strenge Regeln an. "Alle Reiserückkehrer aus EU-Ländern und Drittstaaten sollten in jedem deutschen Bundesland zu einer mindestens fünftägigen Quarantäne verpflichtet werden", sagte der Weltärztepräsident der "Rheinischen Post". "Jetzt helfen nur noch allgemeine und harte Regeln, ohne Ausnahmen in einzelnen Ländern. Und natürlich muss man das auch kontrollieren und testen", so Montgomery.

Bayern schob bereits am Donnerstag dem Skifahren in Nachbarländern einen Riegel vor. Wer in ein Risikogebiet reist, als das gegenwärtig unter anderem die Alpenländer Österreich, Schweiz und Liechtenstein eingestuft sind, muss bei der Rückkehr nach Bayern zehn Tage in Quarantäne. Das gilt ab Dezember auch für Tagestouristen, eine bisher noch geltende Ausnahmegenehmigung soll ab Dezember entfallen.

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