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Österreich vor der Wahl: Wie ist die Stimmung bei der FPÖ-Basis? | BR24

© BR/Clemens Verenkotte

Die neue FPÖ-Parteiführung hat sich nach der Ibiza-Affäre zügig auf die veränderte Lage eingestellt. Angestrebt wird eine Neuauflage der Koalition mit Sebastian Kurz und seiner Volkspartei, obgleich viele in der FPÖ auf den Ex-Kanzler sauer sind.

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Österreich vor der Wahl: Wie ist die Stimmung bei der FPÖ-Basis?

Die neue FPÖ-Parteiführung hat sich nach der Ibiza-Affäre zügig auf die veränderte Lage eingestellt. Angestrebt wird eine Neuauflage der Koalition mit Sebastian Kurz und seiner Volkspartei, obgleich viele in der FPÖ auf den Ex-Kanzler sauer sind.

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Auf dem Kirchplatz in Feldbach stimmen die "Untersteierer", eine populäre Volksmusikgruppe aus dem benachbarten Slowenien, die FPÖ-Partei-Anhänger auf die Kundgebung ein: Das Wetter spielt an diesem Vormittag buchstäblich blendend mit.

Bandleader: "Haben FPÖ im Herz"

Ein strahlend blauer Himmel erstreckt sich über die südöstliche Steiermark, lokale FPÖ-Wahlkampfhelfer haben Tische und Bänke aufgestellt. Am Getränkestand wird bereits Freibier ausgeschenkt, der Duft von Grillhähnchen, die sich auf dem Rost drehen, liegt in der Luft. Der Bandleader der Untersteirer gibt vor den schätzungsweise 100 bis 150 Zuschauern die Parteilosung aus: "Eins ist sicher: Am 29. September, ganz wichtig: FPÖ und noch einmal FPÖ. Auch für uns Musiker ist es so: Wir haben FPÖ im Herz."

Die FPÖ war von der politischen Haltbarkeit ihrer Koalition mit Sebastian Kurz und seiner Volkspartei überzeugt, zumindest für eine längere Zeit als 17 gemeinsame Regierungsmonate. Doch Ibiza änderte alles, für allem für die FPÖ: Ihr langjähriger Parteivorsitzender Heinz Christian Strache musste nach der Veröffentlichung des Videos Mitte Mai seinen Posten als Vize-Kanzler und FPÖ-Chef umgehend räumen. FPÖ-Innenminister Herbert Kickl wurde auf Wunsch des damaligen Kanzlers Sebastian Kurz vom Bundespräsidenten entlassen. Der Kollaps des Regierungsprojekts folgte.

Der 'Kurzschluss' des Bundespräsidenten

Bei den Anhängern der Rechtspopulisten tragen viele dem ehemaligen Bundeskanzler den Rauswurf Kickls und der FPÖ nach. Friedrich Geiger aus Feldbach lässt für einen Augenblick sein Brathendl ruhen. "Warum wir in Österreich wieder wählen? Das ist ein Kurzschluss von Kurz und vom Herrn Bundespräsident", sagt Geiger.

Betroffen vom Ende der Koalition war unter anderem Mario Kunasek, der 43-jährige FPÖ-Chef in der Steiermark. Straches Ibiza-Video beendete seine Amtszeit als österreichischer Verteidigungsminister und die seiner engsten Parteifreunde Herbert Kickl und Norbert Hofer buchstäblich über Nacht. Das parteiinterne Vakuum soll nunmehr das neue Duo Herbert Kickl und Norbert Hofer füllen, wobei die Rollenverteilung eindeutig vergeben ist.

Neues FPÖ-Duo: Der Hardliner und der Moderate

Hofer ist das verbindlich, vermeintlich moderate Gesicht der Freiheitlichen. Zwei Wochen vor den Parlamentswahlen wurde er mit über 98 Prozent der Stimmen auf dem FPÖ-Parteitag zum neuen Vorsitzenden gewählt. Ex-Innenminister Kickl, bis Herbst 2017 Generalsekretär der FPÖ, ist der angeblich zu Unrecht geschasste Hardliner, der für die Abteilung Attacke zuständig ist. "Es gibt welche, die für die Heimat eintreten, das sind wir. Und dann andere, die auf die Heimat eintreten. Das sind die linken Vögel, die mich als Innenminister entfernt haben", sagte Kickl zuletzt bei einer FPÖ-Veranstaltung in Linz.

Bei Kickl ist klar – sein Hauptfeind heißt Sebastian Kurz und niemand im beißfesten FPÖ-Lager attackiert den ehemaligen Koalitionspartner so sehr wie der Ex-Innenminister. Bei Umfragewerten von konstant 20 Prozent für die Rechtspopulisten und einer unverändert starken politisch-programmatischen Übereinstimmung zwischen den vorerst geschiedenen Partei-Partnern strebt die FPÖ eine Neuauflage der alten schwarz-blauen Regierung an.

Keine Alternative zu Exkanzler Kurz trotz Abneigung

Walter Rauch, seit 2013 FPÖ-Abgeordneter im Nationalrat und in Feldbach geboren, benennt als Ziel seiner Partei: "den erfolgreichen Weg, den wir in den letzten Jahren mit der ehemaligen Bundesregierung gegangen sind, mit Hofer, mit Kickl, fortsetzen."

An der FPÖ-Basis sitzt die Abneigung gegenüber Ex-Kanzler Kurz tief – und den Rausschmiss "ihres" Innenministers aus dem Kabinett, was den Sturz der schwarz-blauen Regierung einleitete.

Doch bei aller Verärgerung über die Entlassung Kickls - ebenso fest verwurzelt ist bei der FPÖ der kollektive Wunsch, das schwarz-blaue Regierungsprogramm nach der Wahl wieder fortsetzen zu können. Sebastian Kurz könne nur mit der FPÖ eine neue Koalition bilden, meint Johann Schadler, der aus seinem heimatlichen Graz nach Feldbach zur Kundgebung gekommen ist: "Der Kurz kann mit SPÖ nicht, mit der will er nicht. Mit Grün und NEOS geht es nicht aus. Er kann nur mit den Freiheitlichen. Und sonst geht nichts. Aber mit Freiheitlichen geht etwas weiter."

Dieser Artikel ist einer Serie, die sich vor den Wahlen in Österreich am 29. September, mit den Parteien befasst.