BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Roland Schlager

"Vorhang auf" für die Kultur - und auch praktisch alle anderen Branchen. Österreich setzt trotz anhaltender Corona-Krise ab Mitte Mai auf einen Neustart und eine Perspektive für Menschen und Wirtschaft.

24
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Österreich: Praktisch alle Branchen dürfen ab 19. Mai öffnen

"Vorhang auf" für die Kultur - und auch praktisch alle anderen Branchen. Österreich setzt trotz anhaltender Corona-Krise ab Mitte Mai auf einen Neustart und eine Perspektive für Menschen und Wirtschaft.

24
Per Mail sharen
Von
  • Clemens Verenkotte
  • BR24 Redaktion

In Österreich dürfen ab 19. Mai praktisch alle wegen der Corona-Krise heruntergefahrenen Branchen einen Neustart wagen. Das kündigte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Freitag an. Zentrale Säule des Schritts ist ein umfassendes Schutzkonzept, bei dem Zutrittstests für Gastronomie, Hotellerie, Sport und Kultur im Mittelpunkt stehen. Das gilt auch für Kongresse und Messen.

Künftig könnten mit dem Nachweis eines frischen Corona-Tests, einer Impfung oder einer Genesung Hotels, Restaurants, Kultureinrichtungen und Sportstätten besucht werden, heißt es. Gastwirtschaften können ihre Innen- und Außenbereichen öffnen, mit jeweils vier bzw. zehn Personen pro Tisch. Indoor-Sport werde ebenfalls zugelassen, sofern für jede Person mindestens 20 Quadratmeter Platz sei. Auch die Sportanlagen draußen könnten unter Auflagen wieder benutzt werden. Als Obergrenzen für Kultur- und Sportveranstaltungen nannte Bundeskanzler Kurz maximal 1.500 Menschen bei geschlossenen Veranstaltungen und maximal 3.000 Menschen unter freiem Himmel.

Fortschritt bei Impfungen macht Hoffnung

"Diese Öffnungsschritte erfolgen mit strengen Sicherheitskonzepten, aber sie erfolgen", sagte Kurz. Er hoffe darauf, dass weitere Erleichterungen zum Beispiel für die Nachtgastronomie, für Hochzeitsfeiern und für Vereinsfeste ab 1. Juli folgen könnten. Die Schulen sollen bereits ab 17. Mai durchgehend wieder in den Präsenzunterricht übergehen.

Er sei angesichts dieser Pläne mit einer wieder steigenden Anzahl Corona-Infektionen zu rechnen, so der österreichische Regierungschef. Er gehe aber davon aus, dass dank der Impfungen die Lage beherrschbar bleibe und entscheidend sei die Impfung der älteren Menschen. Bis Ende Juni würde allen Impfwilligen eine Impfung angeboten werden. "Da liegt schon eine gewisse Vorfreude in der Luft", sagte Vize-Kanzler Werner Kogler (Grüne). Es sei der Regierung wichtig, eine positive Perspektive zu geben und für Planbarkeit zu sorgen.

Appell zur Vorsicht

"Ich habe gesehen, dass Kinder Depressionen haben", sagte der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. Der Mediziner legte - neben einem Appell zu weiterer Vorsicht - Wert auf einen Blick auf die Kollateralschäden der Lockdowns. "Wir haben gesehen, dass Homeschooling und Homeoffice nicht zusammenpassen."

Bei allem bisherigen Erfolg der Teststrategie mahnte der Vizerektor der Medizinischen Universität Wien, Oswald Wagner, ebenfalls zur Umsicht. "Auf den letzten Metern des Marathonlaufs kann noch ein Stolpern passieren." Die Bundesländer könnten Maßnahmen auch wieder verschärfen, sollte das nötig sein, sagte Kurz. Österreich hat ein auch im weltweiten Vergleich besonders breites Testangebot ausgerollt. Die wöchentlich millionenfachen Tests - ihre Zahl entspräche rund 20 Millionen Antigen- und PCR-Tests pro Woche in Deutschland - waren und sind ein Rückgrat der Corona-Strategie.

Sieben-Tage-Inzidenz dennoch über deutschem Wert

In der Corona-Krise war die Zahl der Neuinfektionen zuletzt - auch dank eines mehrwöchigen Lockdowns in drei östlichen Bundesländern - etwas gefallen. Auch der Druck auf die Intensivstationen nahm ab. Insgesamt liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit rund 180 aber immer noch über dem deutschen Wert von 164. Laut Experten ist eine Hauptquelle der Ansteckungen der private Bereich.

Druck durch Wirtschaft

Gerade die Wirtschaft hatte massiv auf das Öffnen auch der Gastronomie und der Hotellerie gedrängt. Der Handel und viele Dienstleister haben in sechs von neun Bundesländern bereits seit Anfang Februar durchgehend geöffnet. "Was wir brauchen, ist ein breiter Aufschwung für alle", sagte der Präsident der Wirtschaftskammer, Harald Mahrer, bereits vor der Sitzung.

Virologen warnen unterdessen wegen der nach wie vor nicht klaren Tendenz beim Infektionsgeschehen vor einem zu frühen Neustart. Der Komplexitätsforscher Peter Klimek sagte im ORF-Radio: "Es ist unklar, wo wir in welchem Bundesland Mitte Mai stehen. Man kann noch nicht seriös sagen, wie groß die Öffnungsschritte sein können." Den Experten bereitet auch eine in Tirol aufgetretene Virusmutante Sorgen, die mit der britischen Variante verwandt ist. Deshalb wurde auch die Pflicht für Tests bei Ausreisen aus dem Bundesland bis 5. Mai verlängert.

Urlaub in Österreich mit negativem Test oder grünem Pass

Die Deutschen, die Urlaub in Österreich machen wollen, können laut Regierung wieder planen. Die Quarantänepflicht gelte nur noch für Hochrisikogebiete. Für Einreisen aus Deutschland reichten ein negativer Test oder der grüne Pass.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!