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Schulkinder "erklären" den "Nasenbohrer-Test"

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SO:Österreich: Erfahrungen mit kostenlosen Corona-Test-Angeboten

Sie gehören in Österreich bereits zum Alltag – Gratis-Tests, die benötigt werden, um etwa in die Schule gehen oder einen Friseurtermin ausmachen zu können. Die Angebote werden sehr gut angenommen, denn so bekommt jeder ein Stückchen Freiheit zurück.

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Von
  • Ines Schneider
  • Clemens Verenkotte

Ohne Test geht fast nix: Wer in Österreich zum Friseur möchte, am Präsenzunterricht teilnehmen will oder wer als Pendler unterwegs ist, braucht einen negativen Coronatest. Deshalb haben in den vergangenen Tagen österreichische Städte und Bundesländer ihre kostenlosen Testmöglichkeiten massiv ausgebaut.

Österreich steht mit seinen Gratis-Angeboten auf dem "Stockerl"

Allein in Wien stehen acht städtische Teststraßen kostenlos zur Verfügung, wo jeder, der keine Symptome hat, nach vorheriger Online-Anmeldung einen Antigen-Test machen kann. Auch rund 930 Apotheken bieten Gratis-Antigen-Tests an. Es gilt: Vorher anmelden und die elektronische Gesundheitskarte mitbringen. Ab dem ersten März sollen die Apotheken dann landesweit kostenlos fünf Schnelltests an jeden Kunden aushändigen.

Was das Gratis-Testen angeht, steht Österreich auf dem "Stockerl": Mit 10.800 Tests pro 100.000 Einwohnern liegt Österreich in Europa auf Platz drei hinter Zypern und Dänemark und damit deutlich vor Deutschland, das mit rund 1.350 Tests pro 100.000 Einwohnern auf Platz 22 der 27 EU-Mitgliedsstaaten rangiert.

Der "Nasenbohrer-Test" ist für Schulkinder schon Alltag

Der Morgen beginnt an Österreichs Schulen für die Kleinen in der Grundschule genauso wie für die Älteren noch vor Unterrichtsbeginn mit einem Abstrich im vorderen Nasenbereich. Zweimal in der Woche machen die Schulkinder den sogenannten "Nasenbohrer Test".

Eltern müssen dafür nur einmal ihre schriftliche Zustimmung erteilen. Was, so heißt es etwa in den Wiener Bezirken, bei nahezu allen Eltern auch der Fall sei. Sonst müssten die Kinder im Distanzunterricht bleiben. Die Zuverlässigkeit dieser Tests liegt nach Worten von Bildungsminister Heinz Faßmann bei rund 40 Prozent. Doch das sei immer noch besser, als gar keine Tests in den Klassenzimmern durchzuführen.

Die Gratis-Tests werden sehr gut angenommen

Susanne Drapalik, Präsidentin des Samariter-Bundes in Wien und seit Beginn der Pandemie Leiterin der Covid19-Betreuungseinrichtungen Wiens, zieht eine erste, sehr positive Bilanz:

"Das Bewusstsein bei der Bevölkerung wächst: Wie wichtig es ist, einen Test zu machen, einfach, um sich selber auf einer sicheren Seite zu bewegen." Susanne Drapalik, Präsidentin des Samariter-Bundes in Wien

Seit Beginn des Jahres hat sich die Anzahl der landesweiten Corona-Tests verdreifacht, von vier auf derzeit über 13 Millionen Tests. Zahlen, mit denen Bundeskanzler Sebastian Kurz begründet, warum Österreich neben der FFP-2-Maskenpflicht und dem Abstandhalten vor allem auf eine hohe Frequenz der Testungen setzt, um die Pandemie angesichts ansteckenderer Corona-Mutationen kontrollieren zu können .

Neuinfektionen steigen

Die 7-Tage-Inzidenz steigt in Österreich wieder und liegt inzwischen bei 138 (Stand 25.02.) Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Die britische Variante B.1.1.7. sei auf dem Vormarsch, heißt es aus dem Corona-Krisenstab Wien. Der Anteil der britischen Mutation liege in der Hauptstadt bei rund 55 Prozent. Am gestrigen Mittwoch wurden 47.050 Tests vorgenommen.

Insgesamt wurden in Wien seit Beginn der Pandemie über drei Millionen Tests durchgeführt. Die steigende Zahl der Neuinfektionen sei allerdings nicht nur auf die hohe Test-Frequenz zurückzuführen: "Es ist so, dass sich Infektion wieder verstärkt verbreitet", sagte der Sprecher des Krisenstabes der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Deutschland will nachziehen

Deutschland hinkt laut oben genannter Statistik beim Gratis-Testen in Europa deutlich hinterher, will jetzt aber nachziehen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verspricht ab dem 1. März kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger. Ähnlich wie in Österreich sollen dann wahrscheinlich die Kommunen ihre Testzentren oder Apotheken mit der Durchführung der Tests beauftragen.

Aber auch "Laien-Selbsttests" sollen nach ihrer bald erwarteten Zulassung durch das Bundesamt für Arzneimittel für alle zugänglich sein. Die Selbsttests seien auch ein Mittel, "um damit schrittweise Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens wieder möglich zu machen", so Spahn.

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