BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Österreich: Drastische Maßnahmen gegen Coronavirus | BR24

© BR

Sicherheitskontrollen wegen des Coronavirus an der österreichisch-italienischen Grenze.

84
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Österreich: Drastische Maßnahmen gegen Coronavirus

Keine Flüge, keine Züge von und nach Italien, dafür verschärfte Grenzkontrollen: In Österreich gilt der Notfallplan der Regierung. Die Auswirkungen auf das öffentliche Leben sind erheblich.

84
Per Mail sharen
Teilen

Einreiseverbot von Italien nach Österreich

Die zunehmende Verbreitung des Coronavirus hat in Österreich zum Notfallplan geführt. Die Grenzen nach Italien sind weitestgehend geschlossen. Punktuelle Gesundheitschecks in Richtung Südtirol am Brenner, am Reschenpass und in Sillian wurden am Mittwochmittag durch Grenzkontrollen abgelöst. Zuvor hatte die österreichische Bundesregierung eine Reisewarnung für Italien ausgerufen und alle Österreicher aufgefordert, das Land zu verlassen. Auch der Flug- und Personenzugverkehr zwischen Österreich und Italien wurden komplett eingestellt.

Ärztliches Attest notwendig – Durchreise möglich

Die Einreise von Italien nach Österreich ist nur noch mit ärztlichem Attest möglich. Ohne Gesundheitsnachweis muss bei einer Einreise eine schriftliche Verpflichtung erfolgen, sich in eine vierzehntägige selbstüberwachte "Heimquarantäne" zu begeben. Die unverzügliche Durchreise nach Deutschland ist weiterhin möglich. Pässe werden allerdings kontrolliert und fotografiert, um den Reiseverlauf nachvollziehen zu können. Der Güterverkehr läuft ungehindert, damit die Versorgung sichergestellt ist.

Massive Einschränkung des öffentlichen Lebens

Freiluft-Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern und Hallen-Events mit über 100 Gästen werden bis Anfang April untersagt. Von der Einschränkung sind auch Theater, Kinos und Konzerte betroffen. Sportveranstaltungen finden ohne Zuschauer statt. Kanzler Sebastian Kurz forderte die Bevölkerung auch auf, an Familienfeiern oder andere Zusammenkünfte zu denken.

Schließung von Bildungseinrichtungen

Spätestens ab Montag kommender Woche werden an den Hochschulen und Universitäten alle Lehrveranstaltungen von Präsenz- auf Fernlehre umgestellt. An Schulen findet für die Oberstufe kein Unterricht mehr statt; ab Mittwoch gilt dies auch für alle anderen Schüler bis 14 Jahre. Eine Betreuung in den Schulen soll möglich sein. Kindergartenkinder sollen am besten zuhause bleiben. Die Maßnahmen gelten vorerst bis Ostern.

Verschiebung der Zentralmatura

Bildungsminister Heinz Faßmann hat am Mittwochabend in den Fernsehnachrichten angekündigt, dass wegen des Coronavirus auch eine Verschiebung des Schulabschlusses, der sogenannten Zentralmatura erfolgen wird. Dies erfordert wiederum eine Abstimmung mit den sich anschließenden Universitäts-Aufnahmeprüfungen.

Skibetrieb im Tiroler Wintersportort Ischgl wird eingestellt

Ab Samstag wird für zwei Wochen der Skibetrieb im beliebten Tiroler Winterskiort Ischgl untersagt. Zuletzt hatten sich hier mehrere Personen bei einem Barbesuch infiziert. Damit trifft es den ersten Skiort in Österreich.

Besuchseinschränkungen an Tirols Spitälern

Als erstes Bundesland Österreichs hat Tirol am Mittwochabend ein generelles Besuchsverbot in Krankenhäusern ausgesprochen, um Patienten und das Krankenhauspersonal zu schützen. Ausnahmen soll es nur etwa für Besuche bei Kindern und in der Palliativbetreuung geben. Ein Transfer des Virus soll dadurch verhindert werden.

Sozialverhalten überdenken

"Wir müssen unser Leben für ein paar Monate verändern", appelliert Österreichs Gesundheitsminister Rudi Anschober. Die Regierung setze zwar die richtigen Maßnahmen, die Bürger müssten aber mithelfen. "Wir brauchen Zusammenhalt, aber wir brauchen auch eine gewisse Distanz." Aufpassen müsse man vor allem auf die besonders Schutzbedürftigen, also Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Kanzler Kurz appelliert an die Bevölkerung

"Viele Menschen sind der Meinung, die Zahl der Infizierten sei gering und dass das Coronavirus mit einer Grippe zu vergleichen sei. Wir wissen, dass die Zahl der Infizierten niedrig ist – aber die Zuwachsraten sind enorm. Auch die Zuwächse bei den Todeszahlen sind enorm, insbesondere in unserem Nachbarland Italien. Die Sterblichkeit ist um ein Zehn- bis Dreißigfaches höher als bei der regulären Grippe", so Bundeskanzler Sebastian Kurz gegenüber der Presse.

© BR

Die WHO erklärte Corona zur Pandemie. Bundeskanzlerin Merkel ist gegen eine Schließung der Grenzen. Österreich schottet sich ab. Deutsche auf der Durchreise müssen versichern, dass sie keinen Stop in Österreich planen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!