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Österreich: Abfahren verboten - Anrainer erfreut | BR24

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Abfahrverbote in Österreich

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Österreich: Abfahren verboten - Anrainer erfreut

Die Fahrverbote in Tirol werden an diesem Wochenende ausgeweitet. Neben der Region um Innsbruck will das österreichische Bundesland auch in den Bezirken Kufstein und Reutte Autofahrer auf die Autobahn zurückschicken, die Landstraßen nutzen wollen.

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Tirol weitet die Abfahrverbote an diesem Wochenende aus: Auch bei Reutte und Kufstein dürfen ausländische Autofahrer ab Samstag, 7 Uhr, bis Sonntag, 19 Uhr, nicht mehr auf Nebenstraßen ausweichen. Die Maßnahmen Tirols, die bereits schon für die Abfahrten um Innsbruck und vor dem Brenner gelten, sollen die Belastung in den kleinen Dörfern entlang der großen Reiserouten erleichtern.

Kaum Verkehr in Kufstein

In Kufstein sind Anwohner und Polizei überrascht, dass die Straßen am Samstag leer sind, berichtet BR-Reporterin Ilanit Spinner. An den letzten Wochenenden sei noch viel Verkehr gewesen. Obwohl am Freitag in einigen Bundesländern Österreichs die Sommerferien begonnen haben, seien viele Autofahrer vorausschauend unterwegs gewesen und hätten bereits noch vor dem Wochenende ihre Reise begonnen.

Anwohner begrüßen die neue Regelung

Bislang kommt das Rentner-Ehepaar Günter und Klara an den Wochenenden in der Hauptreise-Saison nur noch mit den Fahrrädern in die Innenstadt von Kufstein. Die beiden wohnen in direkter Nähe zur Abfahrt Kufstein Süd an der A12, der Inntalautobahn.

Fahrverbote nun auch in Reutte und Kufstein

Das Fahrverbot, das jetzt nicht nur um Innsbruck, sondern jetzt auch in den Bezirken Reutte und Kufstein gilt, sei das einzig Richtige, sagt Günter: "Ich finde das sehr gut so was, wir wohnen nämlich direkt an der Einfahrt da draußen und so wie es in der Hauptsaison ist bei uns, also da kommt das Ganze über das Krankenhaus dort herein und dann sind alle Zufahrtstraßen verstopft, ganz egal welche."

Jahrelang sei darüber geredet worden, aber das habe nichts genützt, schüttelt seine Ehefrau Klara den Kopf. Selbst vor ihrem Haus hätten sich oftmals Staus gebildet, Stoßstange an Stoßstange. Nicht einmal aus der Garageneinfahrt könne sie ohne Behinderung ausfahren. Das sei eine echte Belastung, die nur jemand nachvollziehen könne, der wirklich vor Ort lebt.

Zustimmung aus Kufstein

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel ist zufrieden, dass Tirols Landeshauptmann Günther Platter vor zwei Wochen mit der Verhängung der ersten Fahrverbote um Innsbruck ein Zeichen gesetzt habe.

"Bisher hat man immer verhandelt und nicht gehandelt. Wenn kein Druck von der Bevölkerung da ist, verhandeln wir in zehn Jahren noch. Und das ist jetzt, glaube ich, unterbrochen." Martin Krumschnabel, Bürgermeister Kufstein

Die harschen Reaktionen aus Deutschland und vor allem aus Bayern lassen den erfahrenen Kommunalpolitiker und Juristen nicht unberührt. Allerdings, so Kufsteins Bürgermeister Krumschnabel, kann er auch die deutsche Seite verstehen. Schließlich arbeite man mit Kufstein auf bayerischer Seite zusammen.

"Und ich glaube, letztlich sind alle froh, dass hier im Bereich der Bewusstseinsbildung jetzt wirklich Nägel mit Köpfen gemacht wird." Martin Krumschnabel, Bürgermeister Kufstein

Inntalautobahn Richtung Innsbruck: auf dem Rastplatz machen die Münchner Hanna und Chris auf ihrem Weg nach Italien halt. Also, ob das mit dem EU-Recht übereinstimme - die Fahrverbote - das bezweifelt er. Doch seine Frau sieht das ganz anders. Sie kann die Belastung der Anwohner nachvollziehen und versteht auch die Autofahrer nicht, die gen Süden kleine Landstraßen nehmen und nicht die Autobahn. Schließlich sei dies keine Zeitersparnis.

Auf beliebter Ausweichroute kehrt Ruhe ein

In Hall, rund zwölf Kilometer von Innsbruck entfernt, waren die beiden letzten Wochenenden ruhiger. Hier galt schon das Fahrverbot, denn ansonsten ist die parallel zur Inntalautobahn verlaufende B171 die beliebteste Ausweichroute.

Benno und Helmut, zwei Pensionäre, sitzen im Schatten auf einer Bank an der Ausweichroute, finden die Äußerungen ihres Landeshauptmanns Platter gut. Er habe vollkommen recht. Hier sei kein Durchkommen mehr gewesen, auch nicht für Einsatzfahrzeuge. Das Fahrverbot sei damit der richtige Weg.

Was Bayern und Tirol angeht, so sind die Fronten weiterhin verhärtet - dennoch sei man an einer gemeinsamen Lösung interessiert, so BR-Reporterin Ilanit Spinner. Der Freistaat habe Tirol zu Gesprächen Mitte Juli eingeladen, um den Streit um die Fahrverbote endlich beizulegen.

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Sowohl die Polizei als auch die Anwohner in Österreich sind überrascht über den ruhigen Reiseverkehr, so BR-Reporterin Illanit Spinner. Vorausschauend, so die Vermutung, haben viele Urlauber anscheinend vor dem Wochenende ihren Urlaub begonnen.