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Ocean Viking ruft nach Suizidversuchen Notstand aus

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Ocean Viking ruft nach Suizidversuchen Notstand aus

Nach mehreren Suizidversuchen von Migranten an Bord hat das Rettungsschiff Ocean Viking den Notstand ausgerufen. Wie die Organisation SOS Méditerranée mitteilte, haben weitere Passagiere damit gedroht, sich etwas anzutun.

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Das Rettungsschiff "Ocean Viking" auf dem Mittelmeer hat nach sechs Suizidversuchen von Migranten an Bord den Notstand ausgerufen. Weitere Passagiere hätten gedroht, anderen etwas anzutun und manche hätten Streitereien untereinander angefangen, teilte der Betreiber des Schiffes mit, die Organisation SOS Méditerranée. Sieben Mal sei ein Antrag zum Einlaufen in einen Hafen gestellt worden, aber Italien und Malta hätten abgelehnt. Die Regierungen reagierten zunächst nicht auf den Vorwurf.

"Auf dem Schiff warten mehr als die Hälfte der Geretteten seit über einer Woche verzweifelt auf einen sicheren Ort." Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland

25 Minderjährige an Bord

An Bord der "Ocean Viking" befinden sich den Angaben nach 180 Migranten, die in vier Einsätzen zwischen dem 25. und 30. Juni von seeuntüchtigen Schmugglerbooten gerettet wurden. Unter den Geretteten seien 25 Minderjährige, erklärte SOS Méditerranée. Die Ausrufung des Notstands an Bord sei "beispiellos in der fünfjährigen Geschichte von SOS Méditerranée". Die Organisation sehe sich aber "durch die rapide Verschlechterung des psychischen Zustands einiger der Überlebenden an Bord dazu gezwungen".

Migranten sprangen über Bord

Zwei Migranten seien über Bord ins Meer gesprungen und hätten aus dem Wasser geholt werden müssen. Ein weiterer sei vom Springen abgehalten worden und noch ein anderer habe versucht, sich zu erhängen. Insgesamt sechs hätten Suizidgedanken geäußert. Der schlimme psychische Zustand vieler Überlebender an Bord sei eine "direkte Folge der unnötig langen Verzögerung und der fehlenden Lösung für ihre Ausschiffung an einen sicheren Ort".

Hilfe-Appell an EU-Staaten

Die Organisation appellierte an alle EU-Staaten, eine Lösung für die 180 Überlebenden an Bord der "Ocean Viking" zu finden. Besonders die Bundesregierung sei jetzt in der Verantwortung, im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft auf eine Lösung hinzuwirken. Die "Ocean Viking" hatte erst Mitte Juni ihre Seenotrettungseinsätze im Mittelmeer wieder aufgenommen, nachdem die Schiffscrew drei Monate wegen der Corona-Pandemie pausiert hatte.

Mehr als 19.000 Tote in fünf Jahren

Jeden Monat versuchen zahlreiche Menschen, in seeuntüchtigen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im vergangenen Jahr ertranken dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 1.283 Menschen. In den vergangenen fünf Jahren gab es insgesamt mehr als 19.000 Tote.

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Nach mehreren Suizidversuchen von Migranten an Bord hat das Rettungsschiff Ocean Viking den Notstand ausgerufen. Auf dem Seenotrettungss befinden sich 180 Migranten, die Ende Juni von seeuntüchigen Booten gerettet worden waren.

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