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Bildrechte: dpa-Bildfunk

Impfen an ungewöhnlichen Orten (USA, Russland, Großbritannien)

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Ob Oper oder Westminster Abbey: Wo weltweit überall geimpft wird

In Bayern tun sie es seit 1. April, bundesweit starten sie heute: Hausärzte impfen gegen Corona. Andere Länder in Europa sind da schon weiter - und schneller. Das liegt auch daran, dass jede Möglichkeit und auch jeder Ort zum Impfen genutzt wird.

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Von
  • Nicole Markwald
  • Christina Nagel
  • Imke Köhler
  • Jörn Sawatzki

"Deutschland krempelt die Ärmel hoch". Mit dieser Kampagne auf Plakaten und in Werbespots will die Bundesregierung die Impfbereitschaft in der Bevölkerung erhöhen. Doch einfach Arm frei und impfen ist nicht - zumindest nicht bei den Hausärzten, die seit Anfang April eine Corona-Impfung anbieten dürfen.

So wünscht sich der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes Ulrich Weigeldt für die Hausarztpraxen weniger Bürokratie beim Impfen gegen das Coronavirus. "Wir müssen diese Bürokratie, die das begleitet, runterschrauben", fordert Weigelt in einem Interview auf dem Fernsehsender Phoenix.

Die Covid-19-Impfung sei eine wie jede andere auch. Dabei sei die begleitende Dokumentation selbstverständlich, aber "es werden nicht neun oder zehn Seiten Papier ausgefüllt", so Weigeldts Appell. Ist Deutschland also zu bürokratisch, wenn es um das schnelle Impfen geht? Dieser Eindruck könnte entstehen, wenn man sieht, an welchen - außergewöhnlichen - Orten im Ausland geimpft wird:

So impfen die USA

Wenn es darum geht, möglichst viele Menschen möglichst schnell zu impfen, werden die Behörden in den USA kreativ: Krankenhäuser, Apotheken, medizinische Einrichtungen kann ja jeder. Aber wer kann schon von sich behaupten, eine Impfung in einer Käsefabrik erhalten zu haben? Ein Familienunternehmen in der Kleinstadt Fonds du Lac im US-Bundesstaat Wisconsin bietet das an.

In der texanischen Hauptstadt Austin wurde kurzerhand die Formel-1-Strecke für eine Drive-Through-Impfung geöffnet. Reinfahren, Autofenster runter, Spritze rein, weiterfahren. An einem Wochenende lassen sich so bis zu 10.000 Menschen impfen. Der Disney-Konzern hat seine riesigen Parkplätze bei Disneyland bereitgestellt. Auch an Sportarenen wie dem Dodger Stadium in Los Angeles oder dem Coors Field Baseball-Stadium in Denver/ Colorado wurden Impfstellen eingerichtet.

Impfmöglichkeiten wurden aber auch kurzerhand in Kirchen, auf einem Flugzeugträger oder auf Festwiesen aufgebaut. Alles frei nach dem Motto: je einfacher zu erreichen, desto besser. Damit sind nach Angaben der US-Seuchenbehörde CDC bislang gut 18 Prozent der US-Bevölkerung komplett geimpft worden. 32 Prozent der Amerikaner haben immerhin schon die erste ihrer zwei Impfdosen erhalten.

So impft Russland

Erst im Einkaufszentrum um die Ecke stöbern und shoppen, dann schnell die Impfung abholen. In Moskau kein Problem. Mit der Rolltreppe einfach runter ins Untergeschoss der Mall, Formular ausfüllen, Pass vorlegen, Fieber messen lassen, ein paar Fragen beantworten. Und schon gibt es die erste und drei Wochen später dann die zweite Dosis.

Das Ganze findet in leergeräumten Ladenlokalen statt, die mit dem Nötigsten ausgestattet sind. Schlicht, unkompliziert und entspannt, weil in der Regel wenig los ist. Gespritzt wird nicht von irgendwem, sondern von medizinischem Personal der umliegenden Polikliniken. Wer es lieber etwas stilvoll hätte, der kann sich in Moskau auch in der Oper impfen lassen, bei passender Musikbeschallung und mit Garderobenservice auch direkt vor der Vorstellung.

Es geht darum, es den Leuten so einfach wie möglich zu machen, um möglichst viele möglichst schnell zu impfen. Und trotzdem winken viele ab, weil sie, wie sie sagen, schon geimpft sind. Knapp die Hälfte der Moskauer war offiziellen Schätzungen zufolge bereits einmal infiziert. Rund sieben Prozent sollen inzwischen geimpft sein.

So impft Großbritannien

In Großbritannien macht das Impf-Programm auch vor sehr alten und sehr ehrwürdigen Gebäuden und Gemäuern nicht halt. Und so wird auch in der weltberühmten, fast tausend Jahre alten Westminster Abbey geimpft. Der englische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) hat sein Impfzentrum dort im südlichen Querschiff eingerichtet, wo sich Poets Corner befindet, die Dichter-Ecke, in der ein Denkmal für William Shakespeare steht und wo neben vielen anderen Berühmtheiten auch Charles Dickens beigesetzt wurde.

Wer einen Impftermin am 23. März hatte, konnte zudem auch lebenden Berühmtheiten nah sein. Denn an dem Tag waren Prinz William und Kate zu Besuch. Genau ein Jahr nach Beginn des ersten Lockdowns waren sie in der Westminster Abbey, um dem Gesundheitspersonal und allen Helfern für ihren Einsatz zu danken. Landesweit haben auch andere Kirchen ihre Tore für Impfwillige geöffnet. Hoch im Kurs stehen auch Sportstätten: vor allem Fußball, aber auch Rugby und Pferderennen-Stadien werden derzeit vom NHS genutzt.

Und in Deutschland?

Ob auch in Deutschland in der Oper, in der Kirche oder in einem Drive-In geimpft werden kann, wird sich erst noch zeigen. Jetzt dürfen erst einmal die Hausärzte ran - allerdings in begrenztem Maße: Die Hausärzte seien zwar startklar und es hätten sich 35.000 Praxen gemeldet, die impfen wollen, sagt Verbandschef Ulrich Weigeldt.

Es gebe aber anfangs nur wenige Impfdosen: im Schnitt ungefähr 20 Dosen pro Praxis und pro Woche und damit viel weniger Impfstoff als die Impfzentren. "Das ist ein bisschen wenig", konstatiert der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes. Und so könnten die Corona-Impfungen in Arztpraxen aus Sicht des Hausärzteverbands eher schleppend anlaufen.

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