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Corona-Pandemie: Warum ein normales Weihnachten gefährlich wäre | BR24

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Bildrechte: BR/Julia Müller

Für viele Familien fällt Weihnachten heuer kleiner aus als sonst - in ganz Deutschland gelten Kontaktbeschränkungen (Symbolbild).

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    Corona-Pandemie: Warum ein normales Weihnachten gefährlich wäre

    Rund 374.000 Menschen sind derzeit in Deutschland mit dem Coronavirus infiziert. Die Bundesregierung setzt auf Kontaktbeschränkungen, um die Fallzahlen wieder zu drücken. Doch was wäre, wenn wir in diesem Jahr Weihnachten wie immer feiern würden?

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    Von
    • Katharina Pfadenhauer

    Ich komme aus einer Großfamilie, wenn wir im kleinen Kreis feiern, sitzen an Weihnachten bei uns zwölf Erwachsene um den Esstisch. Hinzu kommt der Nachwuchs: Zwölf Kinder im Alter von neun Jahren bis wenige Wochen besetzen inzwischen einen weiteren Tisch.

    Wir nehmen uns in die Arme, bei uns wird viel gelacht und Weihnachtslieder singen wir auch – für das Coronavirus also ideale Bedingungen. In diesem Jahr feiern wir aber getrennt. Doch was wäre, wenn wir es nicht täten, wenn wir genauso feiern würden wie sonst auch?

    Weihnachten wirkt sich auf Corona-Pandemie aus

    Wegen Corona darf sich in diesem Jahr an Weihnachten nur der engste Familienkreis treffen – der eigene Haushalt plus vier weitere Personen, so die grobe Vorgabe. Denn die Kontaktbeschränkung ist laut Bundesregierung eine der effektivsten Maßnahmen, um Infektionen zu senken.

    Das Verhalten der Menschen an den Weihnachtstagen habe erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Corona-Pandemie. Diese Einschätzung veröffentlichten Mitarbeiter des Forschungszentrums "Jülich" und des "Frankfurt Institut for Advanced Studies". Die Wissenschaftler haben in Modellberechnungen simuliert, was die Kontaktbeschränkungen bisher gebracht haben und was auf uns zukäme, wenn wir uns an Weihnachten nicht daran hielten.

    Forscher warnen vor dem "Ausreizen" an den Feiertagen

    Im "Worst Case" hätten die Weihnachtsfeiertage einen Effekt, wie es ihn beispielsweise durch Reiserückkehrer in den Sommerferien gab, so die Forscher. Hierbei gehen sie davon aus, dass durch Besuche und Reisen um Weihnachten die Zahlen im Januar wieder exponentiell ansteigen könnten.

    Auch der Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin hat anhand von Mobilfunkdaten errechnet, dass die Infektionszahlen deutlich steigen würden, sollten die Feiertagsregeln "so ausgereizt werden, dass sich über mehrere Tage immer wieder fünf Personen aus zwei Haushalten treffen".

    "Wellenbrecher-Lockdown" hat exponentielles Wachstum gestoppt

    Dann könnte es Nagel zufolge "mindestens bis zum Frühjahr dauern, bis die Kontaktnachverfolgung wieder in vollem Umfang greift". Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Dirk Brockmann von der Berliner Humboldt-Universität. Der Physiker erstellt Modellrechnungen, wie Pandemien sich entwickeln.

    Demnach habe der erste "Wellenbrecher-Lockdown" im November dabei geholfen, aus dem exponentiellen Wachstum herauszukommen. Vierzig Prozent der Kontakte seien dadurch reduziert worden. Im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, seien es hingegen sechzig Prozent gewesen.

    Schließung von Schulen und Versammlungsverbot

    Die Studie einer internationalen Forschergruppe um Jan Brauner von der University of Oxford zeigt, dass im Frühjahr vor allem die Schließung von Schulen und Hochschulen sowie die Versammlungsverbote für mehr als zehn Personen die effektivsten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren.

    Gesungen wird in meiner Großfamilie übrigens trotzdem – und diesmal sogar für die Ewigkeit: In diesem Jahr nehmen wir unsere "Gesangskünste" per Video auf.

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