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Nur Strack-Zimmermann setzt auf Sieg: Die FDP im Niedergang | BR24

© picture alliance / Sven Simon

FDP-Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann tritt an, Oberbürgermeisterin von Düsseldorf zu werden

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    Nur Strack-Zimmermann setzt auf Sieg: Die FDP im Niedergang

    In einer Woche finden in Nordrhein-Westfalen Kommunalwahlen statt. Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP hat gute Chancen, Oberbürgermeisterin von Düsseldorf zu werden. Doch sonst sind Zustand und Aussichten der Liberalen sehr mäßig.

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    In den Umfragen sind die Liberalen seit ihrem 10,7 Prozent-Bundestagswahlergebnis von 2017 ins Bodenlose gestürzt. Parteichef Lindner hat sich viele Sympathien verscherzt, als er sich einer Jamaika-Koalition verweigerte. Vor allem aber hat es der FDP geschadet, dass sich Thomas Kemmerich Anfang des Jahres mit AfD Stimmen zum Ministerpräsident von Thüringen wählen lassen wollte. Derzeit dümpelt die FDP in den Umfragen knapp über der Fünf-Marke.

    Bald neue Oberbürgermeisterin in Düsseldorf?

    Umso mehr dürften die Liberalen auf Düsseldorf schauen. Auf Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

    Sie ist in ihrer Heimatstadt Düsseldorf bekannt und beliebt. Deshalb setzt Strack-Zimmermann für die Oberbürgermeister-Wahl auch auf Sieg. Die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen am 13. September ist der erste und einzig wirkliche politische Stimmungstest im Krisenjahr 2020. Alle Parteien werden versuchen, die Ergebnisse für sich günstig zu interpretieren. Strack-Zimmermann aber brennt vor allem für zwei Themen: Freiheit und Motorräder.

    Sie brennt für Freiheit und Motorräder

    Eine Demo von um die 10.000 Bikerinnen und Bikern gegen eine Bundesratsinitiative für Fahrverbote an Sonn-und Feiertagen Anfang Juli auf dem Düsseldorfer Messegelände ist deshalb ein Heimspiel für die 62-Jährige Strack-Zimmermann:

    "Wo kommen wir eigentlich hin, wenn wir sagen, Donnerstag Veggie essen und am Sonntag fährst du kein Motorrad." Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Bundestagsabgeordnete

    Die liberale Bundestagsabgeordnete, silberner Haarschopf, gern schwarze Lederjacke, ist eine der wenigen bekannten Frauen in der FDP.

    Wenige weibliche Gesichter in der FDP

    Erst vor kurzem hat Parteichef Lindner entschieden, demnächst auf dem Parteitag am 19. September die amtierende Generalsekretärin Linda Teuteberg durch Volker Wissing, den Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz, auszutauschen. Wohl wegen der schlechten Umfragewerte. So konzentriert sich Strack-Zimmermann im nordrhein-westfälischen Kommunalwahlkampf dann auch ganz gezielt auf Probleme vor Ort: abgeschaffte Parkplätze entlang des Rheins zum Beispiel. Verkehrspolitik, so sagt sie, liege den meisten Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. Rückenwind von der Bundespartei hilft kaum.

    Die FDP wieder sozialer ausrichten?

    Ähnlich denkt auch Rudolph Haux. Verkehrspolitik hat nämlich viel mit Freiheit zu tun, dem ureigenen Thema der Liberalen. Der hochaufgeschossene Mann mit Hornbrille ist Bürgermeister im oberbayerischen Krailling mit knapp 8.000 Einwohnern. Einer von nur acht FDP-Bürgermeistern in Bayern.

    Haux' Verständnis von Freiheit geht allerdings mehr in die Richtung, dass Freiheit da aufhört, wo sie andere einschränkt. Deshalb ist er im Gegensatz zu seiner Parteispitze auch für ein allgemeines Tempolimit von 130 auf deutschen Autobahnen. Überhaupt sieht sich Haux nicht als Anhänger einer neoliberalen Linie.

    Das Debakel von Erfurt im Nacken

    In seinem FDP-Ortsverband möchte man gern einen gewissen Kurswechsel der Partei, sagt Haux: "Dass wir zu den urliberalen Werten zurückkehren, die eher in die sozialliberale Richtung eigentlich gehen."

    Katja Suding in Hamburg macht es nichts aus, wenn sie bei dem Interview mit dem BR im strömenden Regen sitzt. Die Bundestagsabgeordnete, Chefin der Hamburger FDP und stellvertretende Parteivorsitzende ist hart im Nehmen. "Das war eine toughe Zeit", sagt sie, wenn sie daran zurückdenkt, dass sich Anfang des Jahres der FDP-Kandidat Thomas Kemmerich in Erfurt mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten Thüringens wählen ließ.

    Wird eine liberale Partei in der Krise gebraucht?

    Ein Debakel, das der FDP viele Sympathien kostete. Jetzt hofft Suding, dass bald wieder die Stunde der FDP schlägt:

    "Wir werden einen Herbst erleben, wo die Folgen der Coronakrise spürbar werden, wo wir eine liberale Partei brauchen, die weiß, wie Wirtschaft funktioniert." Katja Suding, Bundestagsabgeordnete, Chefin der Hamburger FDP und stellvertretende Parteivorsitzende

    Am gestrigen Samstag erklärte Suding selbst übrigens überraschend ihren Rückzug aus der Politik. "Für mich ist im nächsten Jahr Schluss", sagte die 44-jährige Bundestagsabgeordnete. Sie werde weder bei der Bundestagswahl antreten noch erneut für den Landesvorsitz kandidieren. Auch für den Bundesvorstand wolle sie sich nicht mehr bewerben. Die Entscheidung sei aus persönlichen Gründen gefallen, sagte sie.

    Der FDP dürfte das kaum helfen in der jetzigen Phase.

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