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Auch die Weihnachtsfeiern im Heiligen Land stehen ganz im Zeichen von Corona. Die Straßen in der Geburtsstadt Jesu sind fast menschenleer.

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Nur stille Nacht – Bethlehem an Weihnachten 2020

In Bethlehem hatte man sich zu Weihnachten auf eine Rekordzahl an Touristen aus aller Welt eingestellt. Wegen Corona wird es dort aber keine normalen Weihnachtsfeiern geben. Für die stark vom Tourismus abhängige Stadt war 2020 ein furchtbares Jahr.

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Von
  • Tim Aßmann

Amal al Bandak öffnet die Tür zu ihrem Zuhause in der Bethlehemer Altstadt. Von ihrem Dach kann sie die Geburtskirche sehen, die vor Corona quasi ihr Arbeitsplatz war. Amal ist Fremdenführerin. Fast täglich ging sie mit Pilgergruppen in die Kirche und die Grotte darunter, in der, der Überlieferung nach, die Krippe stand in der Jesus zur Welt kam.

Voller Wehmut erinnert sich Amal an Weihnachten vor einem Jahr, als sehr viele Touristen kamen.

"2019 hatten wir die meisten Besucher in Bethlehem seit 1982. In der Geburtskirche musste ich vier Stunden in der Schlange stehen, wenn ich katholische Gruppen führte, denn Katholiken wollen in Bethlehem immer auch an den Ort, an dem Jesus zur Welt kam – selbst wenn sie nur eine Sekunde dort sein können." Amal al Bandak, Fremdenführerin aus Bethlehem

Gut zwei Drittel der Bevölkerung leben vom Tourismus

Nun ist die Kirche menschenleer. Der Tourismus ist weggebrochen und das trifft Bethlehem, wo rund 70 Prozent der Bevölkerung direkt oder indirekt vom Fremdenverkehr profitieren, sehr hart. Gerade weil 2019 ein sehr gutes Jahr war, haben viele investiert. Hotels und Restaurants wurden vergrößert, Altbauten saniert – häufig finanziert mit Krediten.

Die Familie al Bandak eröffnete ein Restaurant, in dem der Sohn hungrige Pilgergruppen versorgte. Nun ist der Laden seit rund zehn Monaten geschlossen. Genauso solange sitzt Vater Saleh al Bandak zuhause, weil der Souvenirladen in dem er Schnitzereien aus Olivenholz, wie z.B. Krippen verkaufte, auch zu ist. Der Onlinehandel ist kein Ersatz, sagt Saleh.

"Es ist nicht dasselbe. Viele Freunde haben mir erzählt, wie die Geschäfte laufen, dass sie nur 100, 200 Dollar verdienen. Es ist einfach was anderes, wenn die Touristen hier sind. Jeder hat es online versucht aber alle sind gescheitert." Saleh al Bandak, Einzelhändler aus Bethlehem

Gedrückte Stimmung in der ganzen Stadt

Dieses Weihnachtsfest wird in Bethlehem ein sehr stilles. Die eigentlich so laute und fröhliche Prozession am Nachmittag vor dem Heiligen Abend wird es in diesem Jahr so nicht geben. Bei Fremdenführerin Amal kommen wieder die Erinnerungen hoch: "Ich arbeitete am 24. Dezember tagsüber. Die Touristen waren verrückt nach der Stimmung hier. Jeder lachte und war fröhlich. Die Atmosphäre hier ist besonders. Alle feiern in den Straßen. Bethlehem ist einfach anders."

Nun liegt eine Schwere über der Stadt, in der viele Einwohner in Existenznot geraten sind. Auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche, nur ein paar Fußminuten vom Haus der al Bandaks entfernt, steht zwar auch in diesem Jahr ein großer Weihnachtsbaum aber die Stimmung ist gedrückt: "Ich finde das so traurig. Als der Weihnachtsbaum beleuchtet wurde, blieb ich diesmal zuhause, stieg dort hinauf und sah das Licht herüber scheinen. Ich musste weinen. So traurig."

Hoffnungen liegen auf 2021

Natürlich hoffen die al Bandaks, dass die wirtschaftliche Lage sich im nächsten Jahr verbessert. Amal will endlich wieder arbeiten, auch wenn das bedeutet in der Geburtskirche in der Schlange zu stehen.

"Als Fremdenführerin und als Einwohnerin von Bethlehem hoffe ich, dass die Pandemie verschwindet, wieder mehr Besucher kommen und die Kirche voll ist mit Touristen aus aller Welt. Und von Bethlehem aus wünsche ich allen Frieden." Amal al Bandak, Fremdenführerin aus Bethlehem
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Für die Einwohner von Bethlehem wird Weihnachten in diesem Jahr sehr ruhig. Wegen der Corona-Pandemie kommen nur wenige Touristen.

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