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Notrufsäulen - antiquierte, aber bewährte Lebensretter | BR24

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Seit Jahrzehnten sind die orangen Notrufsäulen unverändert. Obwohl mittlerweile fast jeder ein Handy hat, hält die Bundesregierung an ihnen fest. Im Notfall können sie Leben retten. Und so werden sie auch auf der neuen A94 im Isental installiert.

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Notrufsäulen - antiquierte, aber bewährte Lebensretter

Seit Jahrzehnten sind die orangen Notrufsäulen unverändert. Obwohl mittlerweile fast jeder ein Handy hat, hält die Bundesregierung an ihnen fest. Im Notfall können sie Leben retten. Und so werden sie auch auf der neuen A94 im Isental installiert.

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Die Isentalautobahn bei Dorfen – noch wird daran gearbeitet. Peter Schuster schleppt eine orangefarbene Haube an den Straßenrand zu einer Säule. Er ist Servicemonteur im Auftrag der Autobahndirektion Südbayern.

"Jetzt muss nur noch die Haube drauf und dann ist das fertig. Dann passt's. Kleinere Leute bräuchten eine Leiter, aber für mich reicht's." Peter Schuster, Servicemonteur der Autobahndirektion Südbayern

Ende Oktober soll der neue Streckenabschnitt der A94 zwischen München und Mühldorf fertig sein. Dazu gehört auch, neue Notrufsäulen aufzustellen, erklärt Thomas Kirn von der Autobahndirektion Südbayern, der für den Aufbau und die Wartung der Säulen verantwortlich ist.

"Jeder Neubauabschnitt, den wir umsetzen, bekommt alle zwei Kilometer eine neue Notrufsäule." Thomas Kirn, Autobahndirektion Südbayern

Fast 3.500 Notrufsäulen in Bayern

Bundesweit stehen fast 17.000 Säulen an Autobahnen. In Bayern gibt es knapp 3.450 von ihnen. Bei einer Panne oder einem Unfall können Autofahrer schnell und unkompliziert Hilfe rufen. Dafür ist es wichtig, dass die Notrufsäulen immer paarweise aufgestellt werden, gegenüber voneinander, in jeder Fahrtrichtung eine.

"Damit der Verkehrsteilnehmer, wenn er ein Problem hat, eine Panne oder einen Unfall, dann nicht denkt: 'Ah, ich sehe da eine Notrufsäule und ich spring da mal schnell rüber.' Die müssen immer paarweise sichtbar sein." Thomas Kirn

So sorgt die Notrufsäule nicht nur für Hilfe, sondern auch für Sicherheit auf Bundesstraßen und Autobahnen. Aber werden sie überhaupt noch gebraucht? Heute hat doch eigentlich jeder ein Handy, mit dem er Feuerwehr oder Polizei rufen kann. Johannes Boos vom ADAC sagt klar: Ja!

"Denken Sie dran, das Smartphone, das können Sie zuhause liegen lassen, da ist mal der Akku leer. Bei der Notrufsäule kann so was natürlich nicht passieren. Und denken Sie auch an die Leute, die beispielsweise aus dem Ausland bei uns unterwegs sind, nicht mit der europäischen Notrufnummer 112 vertraut sind - für die ist die Notrufsäule natürlich auch wichtig. Also, summa summarum kann man sagen: Jede Panne, jeder Unfall, der ohne Notrufsäule ins Leere laufen würde, der wäre natürlich einer zu viel." Johannes Boos, ADAC

Über 52.000 Anrufe jährlich

Für Siegfried Steiger war ein solcher Unfall einer zu viel. 1969 starb sein achtjähriger Sohn Björn nach einem Autounfall, weil der Rettungswagen erst nach einer Stunde – und damit zu spät – kam. Siegfried Steiger gründete eine Stiftung und setzte sich unter anderem dafür ein, dass auch an allen Bundes- und Landesstraßen Notrufsäulen aufgestellt werden. In den 1990-er Jahren wurden sie im Schnitt fast anderthalb Millionen mal pro Jahr genutzt. Im Jahr 2018 waren es noch 52.400 Anrufe. Das meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Verein sitzt zwar in Hamburg, nimmt aber im Auftrag der Bundesregierung alle Anrufe bundesweit entgegen. Das geht dank GPS in den Notrufsäulen, erklärt Kirn.

"Da wird die Autobahn, die Fahrtrichtung und die Information auch für den Pannendienst oder für die Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst [übermittelt], auf welche Einfahrt müssen sie denn fahren, damit sie dann auch zu dem Hilfesuchenden kommen.“ Thomas Kirn

Für ganz verschiedene Notsituationen einsetzbar

Die Notrufsäule kann man immer nutzen, wenn man ein Problem hat auf der Autobahn, auf Landes- oder Bundesstraßen. Nicht nur bei einer Panne oder einem Unfall, sondern auch, wenn man Gegenstände auf der Fahrbahn oder einen Böschungsbrand sieht. Wenn Menschen auf der Autobahn laufen oder Falschfahrer unterwegs sind. Das System funktioniert seit Jahrzehnten. Die Säulen laufen sogar noch mit alter, zum Teil analoger Technik.

"Wir sind da immer sehr erstaunt und freuen uns immer sehr, dass die alte Technik uns noch so treue Dienste macht und, dass sie so zuverlässig dient." Thomas Kirn

Notrufsäulen wird es noch viele Jahre geben

Zwar ist es seit 2018 in der EU Pflicht, in einem Neuwagen ein sogenanntes E-Call-System zu haben. Das ist ein fest verbautes, automatisches Notrufsystem. Trotzdem wird es die alten, zuverlässigen Notrufsäulen noch einige Jahre bis Jahrzehnte geben, da ist sich Kirn sicher.

"Solange wir nicht 100-prozentig sicher sind, dass alle Fahrzeuge das haben und auch jeder LKW und jeder Oldtimer das drin hat, sehen wir das schon als notwendig, dass die Notrufsäulen weiter betrieben werden, denn wenn man nur ein Menschenleben retten kann, hat sich das schon gelohnt, dieser Aufwand." Thomas Kirn

Techniker Peter Schuster ist fertig mit der Montage der beiden Notrufsäulen. Er testet noch die Klappe, hebt sie hoch und spricht rein.

"Wenn auch keiner hingeht nach zehn Sekunden, dann kommt die Polizei, die war gestern bei mir auch. Da hat irgendwas nicht gestimmt. Halbe Stunde später waren sie schon dagestanden. Und das ist ja auch okay, wenn was ist." Thomas Kirn