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Wiederaufbau von Notre-Dame - Auch Bayern will helfen | BR24

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Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame erhält Frankreich von allen Seiten Unterstützung für den Wiederaufbau. Das "heftige Feuer" hatte sich auf 1.000 Quadratmetern über das gesamte Dach ausgebreitet.

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Wiederaufbau von Notre-Dame - Auch Bayern will helfen

Nach dem Inferno von Notre-Dame bieten viele Menschen ihre Hilfe an. In Form von Fachwissen und Geld - viel Geld: Hunderte Millionen Euro an Spenden haben mehrere Firmen und Milliardäre angekündigt. Auch Bayern will sich am Wiederaufbau beteiligen.

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Nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale hat der französische Präsident Emmanuel Macron am Abend den zügigen Wiederaufbau von Notre-Dame angekündigt. "Ich möchte, dass dies in fünf Jahren abgeschlossen sein wird", sagte er in einer Fernsehansprache an die Nation.

Macron würdigte die Zeichen von Solidarität aus dem In- und Ausland. In der Tat sind es viele, die nach dem Inferno von Notre-Dame angeboten haben, dabei mitzuhelfen, die Wunde zu schließen, die das Feuer in das Herz der französischen Hauptstadt gerissen hat.

Söder bietet Hilfe beim Wiederaufbau von Notre-Dame an

Die Dombauhütten in Regensburg, Passau und Bamberg könnten mit ihrem Wissen helfen, wie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärte. "Dort wird die mittelalterliche Steinmetz-Tradition bis heute gepflegt und kommt bei der Restaurierung der Sakralgebäude nach wie vor zum Einsatz", sagte er. Außerdem bot Söder die Hilfe von Experten aus dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege mit seinen Abteilungen für Bau- und Kunstdenkmalpflege sowie für Denkmalforschung an.

Auch an den bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften gebe es umfassende wissenschaftliche Expertisen im Umgang mit materiellem Kulturerbe. So gebe es etwa an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg einen Lehrstuhl für Denkmalpflege/Heritage Sciences, an dem zu Baugeschichte, zum Bauerhalt, zu neuesten Sanierungstechnologien und zur Restaurierung geforscht werde. Die Universität verfüge auch über digitale Modelle von Notre-Dame in Paris.

Zuvor hatte Söder sich bestürzt über den Brand von Notre-Dame geäußert. Auf Twitter schrieb er, die Bilder seien "schockierend und traurig". Er nannte die Kathedrale ein "Wahrzeichen französischer und europäischer Geschichte und Kultur". Er hoffe, dass es gelinge, die Kirche schnell wiederaufzubauen.

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Bayerns Regierungschef spricht angesichts des Brands von Notre Dame von schockierenden Bildern. Es stellte Frankreich Hilfe bei der Rekonstruktion der Kathedrale in Aussicht. Bayerns Dombauhütten hätten darin große Erfahrung.

Merkel: Notre-Dame gemeinsames europäisches Erbe

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Frankreich Hilfe beim Wiederaufbau zu. "Diese herrliche Kirche, das Herz von Paris in Flammen zu sehen, hat uns alle tief berührt", sagte sie. Sie habe mit Präsident Macron telefoniert und die Anteilnahme der Menschen in Deutschland übermittelt. Deutschland sei "gerne bereit", mit seiner Expertise und Erfahrung beim Wiederaufbau mitzuwirken.

"Notre-Dame ist ja nicht nur das Symbol des Christentums in Frankreich, sondern Notre-Dame ist auch unser gemeinsames europäisches Erbe, das wir miteinander teilen", so die Kanzlerin. Bundespräsident Steinmeier hat zu Spenden für die Kathedrale aufgerufen.

USA bieten Unterstützung an

"Frankreich ist der älteste Verbündete der Vereinigten Staaten", teilte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, mit. Man erinnere sich "mit dankbarem Herzen" daran, wie die Glocken der Kathedrale in Paris am Tag nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 in den USA geläutet hätten. "Diese Glocken werden wieder erklingen. Wir stehen heute zusammen mit Frankreich und bieten unsere Unterstützung beim Wiederaufbau dieses unersetzlichen Symbols westlicher Zivilisation an. Vive la France!"

Macron entschlossen zum Wiederaufbau

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron kündigte eine nationale Spendensammlung an, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo stellte eine internationale Geberkonferenz in Aussicht. Frankreichs Regierung hat den Wiederaufbau zur Chefsache erklärt. Am Mittwoch wird es eine eigene Kabinettssitzung dafür geben.

© dpa-Bildfunk / Oleg Cetinic

Pariser Kathedrale Notre-Dame in Flammen

Milliardäre spenden Hunderte Millionen

Keine 24 Stunden nach dem verheerenden Feuer in der Kathedrale Notre-Dame haben Spender bereits Hunderte Millionen Euro für den Wiederaufbau des Wahrzeichens zugesagt. Allein die drei französischen Milliardärsfamilien Arnault, Pinault und Bettencourt-Meyers wollen insgesamt 600 Millionen Euro geben.

Als die Flammen noch lichterloh aus dem Dachstuhl der Kathedrale von Notre-Dame loderten, teilte Henri Pinault bereits mit, sein Vater und er würden "mit sofortiger Wirkung 100 Millionen Euro" bereitstellen, "um an dem nötigen Aufwand für den vollständigen Wiederaufbau von Notre-Dame teilzunehmen". Die Familie Pinault besitzt große Anteile an Marken wie Gucci, Yves-Saint-Laurent und auch Puma. Die Arnaults, ihrerseits großer Anteilseigner von Unternehmen wie Christian Dior, Louis Vuitton oder der Champagnermarke Moet, zogen nach der Spendenzusage der Konkurrenz nach und verdoppelten sogar: Sie wollen 200 Millionen Euro spenden.

Spenden aus aller Welt

Zu diesen Großspendern kommen zahlreiche weitere: Zehn Millionen will der Milliardär Marc Ladreit geben, weitere zehn Millionen kommen vom Bauriesen Bouygues. Die Stadt Paris sagte 50 Millionen zu, weitere Millionen werden auch aus französischen Regionen kommen. Viele Firmen haben spontan angekündigt, Gelder beizusteuern. Spenden kommen aus aller Welt - Brasilien, Ungarn, Griechenland, Russland, Italien. Die UN-Kulturorganisation Unesco versprach, bei der Restaurierung von Notre-Dame "an Frankreichs Seite" zu stehen.

Auch andere Kirchen konnten nach ihrer Zerstörung wieder in vollem Glanz erstrahlen - der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche etwa hat 183 Millionen Euro gekostet.

© REUTERS

Innenansicht von Notre-Dame nach dem Brand

Hilfe von Europas Dombauhütten

Der Chef einer französischen Holzfirma sagte der Agentur AFP, er wolle rund 1.300 Eichenbalken auftreiben, die nach seiner Einschätzung für die Erneuerung des Dachstuhls der weltberühmten Kirche nötig sind.

Europas Dombauhütten haben ebenfalls angeboten, bei der Bewältigung der Brandfolgen mitzuhelfen. Für die Rekonstruktion der schwer in Mitleidenschaft gezogenen Kirche seien "Geld und Können" erforderlich, sagte Wolfgang Zehetner, der Dombaumeister am Wiener Stephansdom und Vorsitzende der Europäischen Vereinigung der Dombaumeister der Wiener Presseagentur Kathpress. Nach Rücksprache mit Kollegen in Deutschland könne er sich gut vorstellen, der Dombauhütte in Paris Fachleute zur Verfügung zu stellen. Es werde aber Jahre dauern, bis die Schäden behoben seien.

Schäden werden begutachtet

Am Tag nach dem Brand machten sich Experten in der Kathedrale ein erstes Bild vom Grad der Zerstörung. Sie stufen die verbliebene Struktur des acht Jahrhunderte alten Gebäudes als stabil ein. Wie das Innenministerium mitteilte, wurden Schwachpunkte lediglich am Gewölbe und an einem Giebel im nördlichen Querschiff festgestellt. Die Sicherungsarbeiten sollen etwa zwei Tage dauern. Danach soll versucht werden, weitere Kunstschätze aus der Kirche zu holen.