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Notre-Dame in Flammen
© REUTERS/Philippe Wojazer
© REUTERS/Philippe Wojazer

Notre-Dame in Flammen

Victor Hugo hat der Pariser Kathedrale Notre-Dame ein Denkmal gesetzt: "Der Glöckner von Notre-Dame" heißt der Roman mit Quasimodo, der schönen Esmeralda und dem faustischen Priester. "Eines Tages wird die Kirche vielleicht verschwinden", schrieb der französische Nationaldichter 1832 - gestern Nacht wäre es fast soweit gewesen.

Macron: Notre-Dame ist "Epizentrum unseres Lebens"

Der Stoßseufzer des Rektors und obersten Priesters von Notre-Dame - "Warum, Herr?" - spricht der Welt aus der Seele. Notre-Dame de Paris ist schließlich nicht nur eine Kirche, sondern Weltkulturerbe, ein historisches Monument von größtem Rang und größter Bedeutung.

"Das Epizentrum unseres Lebens" nannte sie der französische Präsident Emmanuel Macron: in den Wirren der Französischen Revolution verwüstet, aber nicht angezündet, Schauplatz der Krönung von Napoleon, die er an sich selbst vornahm, Ort, an dem das Ende der Besatzung der Stadt durch die Nazis gefeiert wurde.

"Notre-Dame de Paris ist unsere Geschichte, unsere Literatur, unsere Fantasie. Hier haben wir alle großen Momente erlebt." Präsident Emmanuel Macron

Unschätzbar wertvolle Gegenstände aus der brennenden Notre-Dame geholt

Und hier lagern auch größte Schätze, für die Christen- und die Menschheit. "Für uns extrem symbolische und wertvolle Objekte", beschreibt es der Erzbischof von Paris, Monseigneur Michel Aupetit, "sind die Dornenkrone Jesu, die der Heilige Ludwig mitgebracht hat, und das Büßergewand des Heiligen Ludwig, und natürlich viele andere wertvolle Objekte der Goldschmiedekunst."

Kelche, Kronleuchter, kleinere Gemälde, vieles davon war noch in der Nacht aus der brennenden Kathedrale heraus- und ins naheliegende Rathaus geschafft worden. "Die Schatzkammer konnte gerettet werden, dank der Teamarbeit zwischen Feuerwehrleuten und Mitarbeitern des Erzbistums", sagt Kulturminister Frank Riester. Die Pariser Kathedrale ist eine einzige Schatzkammer. Das Altarkreuz, das Goldgewand König Ludwigs des Heiligen, Gemälde und liturgische Geräte konnten gerettet werden. In sozialen Medien hatte Riester Bilder gepostet, auf denen Menschen Kunstwerke in Lastwagen luden.

Die große Orgel steht noch, sei aber in Mitleidenschaft gezogen worden, so Riester.

Feuerwehr und Roboter retten Kunstschätze

Die Sicherung der Kunstschätze sei eine große Herausforderung für die Lösch-Arbeiten gewesen, erklärte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, seien die Löschkräfte aus dem Inneren der Kirche zurückgezogen worden. Dort musste dann ein Roboter eingesetzt werden.

Feuer in Notre-Dame gelöscht

Feuer in Notre-Dame gelöscht

Feuerwehr: Was nicht weggebracht werden kann, wird bewacht

Problematisch sieht es mit den großformatigen Gemälden aus dem 17. und 18. Jahrhundert aus. Sie konnten nicht in Sicherheit gebracht werden. "Im Inneren der Kirche hängen diese großen Formate, sie sind zwar vom Rauch und auch vom Wasser beschädigt, können aber restauriert werden, erklärte der Feuerwehrmann Jose vaz de Motas nach einer ersten Besichtigung, "wir müssen sie leider noch dort lassen, und bewachen sie vor Ort."

Noch ist nämlich die Einsturzgefahr der Gewölbe nicht zu einhundert Prozent gebannt: Im Kirchen-Schiff, über der Stelle, an der der Spitzturm verbrannt ist, klafft ein Loch in der Decke der Kathedrale.

Glasfenster nur wenig beschädigt

Relativ gute Nachrichten brachte Kulturminister Riester von der Glasfenster-Front: "Es gibt die großen Fenster-Rosen, die nördlichen und die südlichen scheinen keine katastrophalen Schäden davongetragen zu haben, auch die westliche Rose nicht."

Großes Glück hatten die Statuen der zwölf Apostel und vier Evangelikare, die sich eigentlich auf dem Dach befunden hätten, hätte man sie nicht wegen der Restaurierungsarbeiten vergangene Woche in ein Atelier außerhalb von Paris gebracht.

Die ersten Aufnahmen aus dem Kirchenschiff

Die ersten Aufnahmen aus dem Kirchenschiff

Schmerzhafter Verlust: Spitzturm und Dach

Unwiederbringlich verloren sind hingegen der filigrane Spitzturm aus Holz, im 19. Jahrhundert auf die Kathedrale aufgesattelt, das Kreuz über dem Dach und zwei Drittel von Dach und Dachstuhl, darunter der sogenannte Wald aus uralten Eichenbalken, die zum Teil noch aus dem zwölften Jahrhundert stammen.

Es wird Jahre, vielleicht ein Jahrzehnt dauern, bis das Dach wiederhergestellt ist, trotz großzügiger Spenden und dem festen Willen, die Kirche wiederaufzubauen.

Emmanuel Macron kündigte indes am Abend in einer Fernsehansprache an, dass Notre-Dame innerhalb der kommenden fünf Jahre wieder aufgebaut werden solle.

Dach und Spitzturm von Notre-Dame in Flammen

Dach und Spitzturm von Notre-Dame in Flammen