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Notre-Dame: Brand komplett gelöscht | BR24

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Nach dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame gibt die Feuerwehr Entwarnung: Das Feuer sei komplett gelöscht. Weite Teile des Dachstuhls sind jedoch zerstört. Nun müssten Experten das Ausmaß der Schäden und die Brandursache prüfen.

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Notre-Dame: Brand komplett gelöscht

Nach dem Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame gibt die Feuerwehr Entwarnung: Das Feuer sei komplett gelöscht. Weite Teile des Dachstuhls sind jedoch zerstört. Nun müssten Experten das Ausmaß der Schäden und die Brandursache prüfen.

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Alle Flammen in der Pariser Kathedrale Notre-Dame sind nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. Nun müsse man schauen, wie die Struktur des Gebäudes dem schweren Brand standhalten werde, sagte der Staatssekretär im Innenministerium, Laurent Nuñez, am frühen Dienstagmorgen dem Sender BFM TV.

Wie geht es jetzt weiter?

Experten und Architekten beraten, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale stabil ist, so Nuñez. Rund hundert Feuerwehrleute seien noch im Einsatz. Bei dem Brand waren ein Feuerwehrmann und drei Polizisten leicht verletzt worden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte in der Nacht erklärt, das Schlimmste sei verhindert worden. Eine Einschätzung, die der Feuerwehrchef am Morgen bestätigte - ohne den Einbruch einzelner Bauteile ausschließen zu wollen.

"Man kann annehmen, dass die Struktur von Notre-Dame gerettet und in ihrer Gesamtheit bewahrt ist." Feuerwehrchef Jean-Claude Gallet

Zum Problem könnte werden, dass sich die Deckengewölbe mit Löschwasser vollgesaugt haben. Doch auch wenn sie weiter standhalten: mit einer schnellen Wiedereröffnung der Kathedrale ist nicht zu rechnen.

"Allein wenn man die Fernsehbilder gesehen hat, weiß man, dass es nicht nur Jahre sein werden, bis der letzte Schaden beseitigt ist, sondern dass es da um Jahrzehnte geht." Peter Füssenich, Kölner Dombaumeister

Löscharbeiten unter Extrembedingungen

Der verheerende Brand in dem jahrhundertealten, weitläufigen Gebäudekomplex hatte die Feuerwehr in der Nacht an ihre Grenzen gebracht. Löscharbeiten im Innenraum waren aufgrund der höllischen Hitzeentwicklung nicht möglich. Man solle doch ein Löschflugzeug über der Kirche fliegen lassen, twitterte US-Präsident Donald Trump. Doch auch das war für die Feuerwehr keine Option: Unter dem Druck der Wassermassen hätte das Gebäude völlig einstürzen können, erläuterte der Zivilschutz.

Gerade das wollte man verhindern. Nachdem sich das Feuer im Dachstuhl der Kirche, der aus teils baumstammdicken Holzbalken besteht, rasant ausbreitete, Glutbälle in die Luft schleuderte und den zentralen Spitzturm zum Einsturz brachte, ging es vor allem um Schadensbegrenzung.

Sorge um Türme und Glocken

Priorität der Arbeiten sei es gewesen, die Struktur der beiden Türme zu schützen, sagte der Sprecher der Pariser Feuerwehr, Gabriel Plus, der französischen Nachrichtenagentur AFP. Die Befürchtung sei gewesen, dass die Konstruktion der Türme geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten.

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Der Verheerende Brand gestern hat das Wahrzeichen von Paris schwer beschädigt. Es sei fraglich, ob das Gewölbe und die Fensterrosen noch zu retten seien, so die frühere Dombaumeisterin in Köln im ARD-Morgenmagazin.

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Der Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist seit der Nacht unter Kontrolle. Laut Feuerwehr gab es zunächst noch einige Brandherde, die gelöscht werden müssen. Die Struktur des historischen Gebäudes wurde aber gerettet.

Roboter für die Rettung der Kunstschätze

Eine große Herausforderung für die Arbeiten sei die Sicherung der Kunstschätze gewesen. Nach dem Einsturz des Spitzturms, der sich im Zentrum des Mittelschiffs befand, sei im Innenraum ein Roboter eingesetzt worden.

Eine der wichtigsten Reliquien wurde aus der brennenden Kathedrale gerettet. Es handele sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, der Direktor des Gotteshauses. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht. Am Vormittag stellt sich heraus, dass auch die 8000 Pfeifen der Orgel das Feuer ohne größeren Schaden überstanden haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Als Brandursache wird bisher ein Unfall angenommen. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen "unbeabsichtigter Zerstörung durch Feuer" ein, von Brandstiftung ist nicht die Rede. Der Brand könnte mit Bauarbeiten auf dem Dach der Kirche zusammenhängen, für die ein Gerüst erricht worden war. Noch in der Nacht haben die Ermittler begonnen, die Arbeiter der Baustelle zu befragen.

Macron verspricht Wiederaufbau

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sicherte noch in der Nach zu, die Kathedrale wieder aufzubauen. Zwei französische Milliardärsfamilien sagten 300 Millionen Euro für den Wiederaufbau zu. Von der Familie von Bernard Arnault, der die LVMH-Gruppe gehört, sollen 200 Millionen Euro kommen. Die Familie Pinault, die hinter dem Luxuskonzern Kering mit Marken wie Gucci steht, will 100 Millionen Euro spenden. Die Stadt Paris werde sich mit 50 Millionen Euro am Wiederaufbau beteiligen. Die Region Ile-de-France, die größtenteils dem Großraum Paris entspricht, kündigte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an.

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Die Geschichte der Kethedrale

💡 Die Kathedrale von Notre-Dame

Die "Cathédrale Notre-Dame de Paris" zählt zu den frühesten und genialsten Zeugnissen des gotischen Kirchenbaus. Ihre Geschichte reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück. Fast 200 Jahre vergingen bis zur Fertigstellung. Nicht nur ihre Größe beeindruckt: 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch. Ihr an den seitlichen Außenfassaden angebrachtes Strebewerk ist ein statischer Kunstgriff, ohne den die immer weiter in die Höhe strebenden Innenräume späterer Dombauten nicht möglich gewesen wäre.

Obwohl sich die französischen Könige traditionell in der gleichnamigen Kathedrale in Reims krönen ließen, gilt die Kirche auf der Seine-Insel Île de la Cité als eine Art Nationalkirche Frankreichs - wozu auch Victor Hugos Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" von 1831 beigetragen hat. Er gab auch den Anstoß zur letzten grundlegenden Sanierung des Baus, der in der Französischen Revolution schwer beschädigt worden war. Zuletzt war die Kirche, die pro Jahr an die 13 Millionen Touristen anzog, auch Schauplatz mehrerer Messen für die Opfer von Terroranschlägen. (Erklärt von Michael Kubitza, BR24)

"Die Zerstörung ist entsetzlich, weil die Notre Dame nicht nur eine Kirche für die Franzosen ist sondern […] eine Verkörperung Frankreichs selbst." Ulrich Wickert, langjähriger ARD-Korrespondent in Paris