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Nordsyrien: Merkel und Macron fordern Ende der Offensive | BR24

© BR/Björn Blaschke

Während Deutschland und Frankreich die Türkei auffordern, die Militäroffensive in Nordsyrien zu beenden, schickt die syrische Regierung eigene Truppen in die Region. Durch die Offensive konnten hunderte Angehörige des IS aus einem Lager fliehen.

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Nordsyrien: Merkel und Macron fordern Ende der Offensive

Während Deutschland und Frankreich die Türkei auffordern, die Militäroffensive in Nordsyrien zu beenden, schickt die syrische Regierung eigene Truppen in die Region. Indessen konnten hunderte Angehörige von IS-Kämpfern aus einem Lager fliehen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron haben von der Türkei ein Ende der Militäroffensive in Syrien gefordert. Merkel sagte in Paris, die humanitären Folgen der Offensive seien gravierend. Außerdem sieht sie die Gefahr, dass die Terrormiliz Islamischer Staat wieder stärker wird. Bereits vor ihrer Abreise nach Paris hatte sie mit dem türkischen Präsidenten Erdogan telefoniert und ihn persönlich aufgefordert, die Angriffe auf kurdische Stellungen in Syrien zu stoppen.

130.000 Menschen auf der Flucht

Auch der französiche Präsident Emmanuel Macron kritisierte die türkische Offensive: Sie schaffe eine "unhaltbare humanitäre Situation". Wegen der kriegerischen Handlungen, bei der bisher mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen sind, befinden sich nach UN-Angaben bereits mehr als 130.000 Menschen auf der Flucht. Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten warnt davor, dass bis zu 400.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben werden könnten.

Syrien schickt Truppen in die Region

Als Reaktion auf die türkische Militäroffensive in Nordsyrien schickt die Regierung in Damaskus unterdessen eigene Truppen in die Region. Die syrische Armee werde im Norden der "türkischen Aggression auf syrischem Boden entgegentreten", berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag, ohne Details zu nennen.

Der libanesische TV-Sender Al-Mayadeen berichtete von einer Vereinbarung der Regierung in Damaskus mit den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Diese werden von der Kurdenmiliz YPG angeführt, gegen die Ankara am Mittwoch die Offensive begonnen hatte. Als Teil der Vereinbarung würden syrische Regierungstruppen ab Montagmorgen zur türkischen Grenze entsandt.

IS profitiert von türkischem Einmarsch

Nach kurdischen Angaben bestätigen sich die deutsch-französischen Befürchtungen, dass die IS-Miliz von der Lage profitiert: Die kurdische Autonomieverwaltung teilte mit, die türkische Offensive habe zur Flucht von fast 800 Angehörigen von Kämpfern der Dschihadistenmiliz geführt. 785 Frauen und Kinder flohen demnach am Sonntag aus einem Lager bei Ain Issa, nachdem es in der Nähe türkische Luftangriffe gegeben hatte. Der größte Teil des Wachpersonal in dem Lager sei ebenfalls geflohen.

Die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) sagen, wegen des türkischen Angriffs könnten sie sich nicht mehr so sehr um die Bewachung tausender inhaftierter IS-Kämpfer kümmern. Wer verhindern wolle, dass sie ebenfalls entkommen, der solle sich für ein Ende der Offensive einsetzen.

Maas will EU-weite Beschränkung von Rüstungslieferungen

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will dafür werben, dass die von Deutschland und Frankreich verkündeten Beschränkungen der Rüstungslieferungen an die Türkei EU-weit gelten. In der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" sagte er, er sei sich "ziemlich sicher, dass es dazu eine geschlossene Sprache" in der EU am Montag in Luxemburg geben werde.

"Und darüber hinaus wird man sich sicherlich auch weitere Optionen offenhalten, je nachdem, wie die Türkei sich in der kommenden Zeit verhält." Heiko Maas, Bundesaußenminister

Die Außenminister der EU-Staaten beraten an diesem Montag (8.30 Uhr) bei einem Treffen in Luxemburg über mögliche Reaktionen auf die türkische Militärintervention in Nordsyrien. Maas hatte am Wochenende bekanntgegeben, dass keine Lieferungen von Waffen mehr genehmigt würden, die in Syrien eingesetzt werden könnten. Ähnlich reagierte Frankreich.

© BR

In Syrien droht eine gefährliche Eskalation. Damaskus hat am Abend angekündigt, den Kurden zu Hilfe zu kommen. Unterdessen haben Deutschland und Frankreich von der Türkei ein sofortiges Ende der Militäroffensive verlangt.