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Nordkorea kündigt neue strategische Waffe an | BR24

© BR/Martin Fritz

Die Abmachung mit den USA, wonach Nordkorea auf Atomtests verzichtet, sei hinfällig - diese Drohung von Machthaber Kim ist in Washington gelassen aufgenommen worden. Denn ein Hintertürchen bleibt.

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Nordkorea kündigt neue strategische Waffe an

Die Abmachung mit den USA, wonach Nordkorea auf Atomtests verzichtet, sei hinfällig - diese Drohung von Machthaber Kim Jong Un ist in Washington gelassen aufgenommen worden. Denn ein Hintertürchen bleibt.

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Auf der koreanischen Halbinsel beginnt das neue Jahr so, wie es Nordkorea angedroht hat und die USA es befürchtet haben: Machthaber Kim Jong Un will sein Moratorium für Atom- und Raketentests beenden, das er im April 2018 überraschend verkündet hatte. Die Schuld dafür gab Kim der anderen Seite.

Die USA hätten die Atomgespräche verschleppt und auf "gangstermäßige Sanktionen und Druckmittel" gesetzt, sagte Kim vor dem Zentralkomitee der Arbeiterpartei. Damit meinte er die wirtschaftlichen Sanktionen von USA und Vereinten Nationen sowie die gemeinsamen Militärmanöver von Südkorea und dem Bündnispartner USA. Unter diesen Umständen fühle er sich an seine einseitige Verpflichtung nicht mehr gebunden, erklärte Kim. Zugleich kündigte der nordkoreanische Führer an, sein nukleares Abschreckungspotenzial zu stärken. Die Welt werde demnächst eine "neue strategische Waffe" erleben.

Neue Waffe könnte die ganzen USA bedrohen

Auf seinem Startgelände Sohae für Langstreckenraketen hatte Nordkorea in den vergangenen Wochen bereits zwei Mal einen neuen Raketenmotor getestet. Daher erwarten Analysten in naher Zukunft den Start einer Interkontinentalrakete entweder mit einem stärkeren Antrieb oder einem anderen Treibstoff.

In beiden Fällen würde sich das nordkoreanische Militär einen Vorteil verschaffen. Ein stärkerer Antrieb soll die Reichweite vergrößern. Bisher bedrohen die nordkoreanischen Raketen nur die Westküste der USA, künftig womöglich die ganzen Vereinigten Staaten. Und eine Umstellung von Flüssig- auf Festtreibstoff würde die Raketen mobiler machen. Dadurch lassen sie sich vor einem Start nicht mehr so leicht orten und angreifen. Jedoch gibt es bisher keine Anzeichen für einen bevorstehenden Raketentest.

USA reagieren zurückhaltend

In ihren Reaktionen verzichteten die USA auf scharfe Worte. Präsident Donald Trump sagte in Florida, er habe eine gute Beziehung zu Kim und gehe davon aus, dass er sein Wort halte. US-Außenminister Mike Pompeo bezeichnete die nordkoreanische Kehrtwende als "tief enttäuschend". Er hoffe, Kim werde seine Entscheidung überdenken. "Wir wollen Frieden, keine Konfrontation", erklärte Pompeo in einem Fernsehinterview.

Immerhin kam aus Pjöngjang ein kleines Signal für eine Fortsetzung der Atomgespräche. Er werde die Tür für einen Dialog offen lassen, sagte Kim auf dem Treffen der Arbeiterpartei. Der Umfang der nuklearen Abschreckung hänge von der zukünftigen Haltung der USA ab.

Verhandlungsversuch im Oktober scheiterte

Pjöngjang hatte Washington eine einseitige Frist bis zum Jahresende für einen neuen Verhandlungsvorschlag bei der Atomabrüstung gesetzt. Seit dem ergebnislosen Gipfeltreffen von Trump und Kim in Hanoi im Februar hatte es nur einen einzigen ernsthaften Verhandlungsversuch gegeben, nämlich im Oktober in Stockholm. Doch Nordkorea brach die Gespräche nach einem Tag ab.

Konkret wünscht sich das isolierte Land, dass die harten Wirtschaftssanktionen bereits vor einer völligen atomaren Abrüstung gelockert werden. Doch genau dies lehnen die USA bisher ab.