Austretendes Gas an Nord Stream 1
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Austretendes Gas an Nord Stream 1

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Nord-Stream-Anschlag: Ermittler prüfen offenbar neue Spur

Neue Erkenntnisse zu den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines: Deutschen Behörden ist es offenbar gelungen, einen Verdächtigen aus der Ukraine zu identifizieren. Wer hinter der Tat steckt, ist aber weiterhin unklar.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Bei den deutschen Ermittlungen zu den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines gibt es offenbar eine neue Spur. Sie führt nach Recherchen von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung und internationalen Medienpartnern in ukrainische Militärkreise.

Segelyacht "Andromeda" im Fokus

Im Mittelpunkt der Ermittlungen des Generalbundesanwaltes steht demnach weiterhin die Segelyacht "Andromeda": Mehrere Personen sollen mit ihr im September 2022 in Rostock gestartet sein und könnten an den Explosionen am Boden der Ostsee beteiligt sein. Bei einer der Personen könnte es sich nach Recherchen von NDR, WDR, SZ und den Medienpartnern um einen ukrainischen Staatsangehörigen gehandelt haben. Sein Name ist den Recherchepartnern bekannt.

Der Mann soll Mitte 20 sein und aus einer Stadt südöstlich von Kiew stammen. Fotos in sozialen Netzwerken zeigen einen jungen Mann, manchmal in Militäruniform mit Helm - und mit auffälligen Tätowierungen. Er soll früher in einer Infanterieeinheit des ukrainischen Militärs gedient haben. Der Mann selbst war nicht erreichbar. Eine Verwandte erklärte am Telefon, er diene derzeit im Militär. Ihrer Auskunft zufolge habe der Mann im vergangenen Herbst, als die Explosionen vorbereitet worden sein sollen, die Ukraine nicht verlassen. Ukrainische Regierungsstellen antworten bislang nicht auf eine Anfrage.

Weitere Spur in die Ukraine

Von der Segelyacht "Andromeda" führt offenbar noch eine weitere Spur in die Ukraine: Die polnische Firma, die die Yacht angemietet hatte, nennt in offiziellen Dokumenten als "Präsidentin" eine Frau, die der Recherche zufolge in der Ukraine lebt. Bei dem als Reisebüro registrierten Unternehmen handelt es sich laut Ermittlungskreisen offenbar um eine Briefkastenfirma und bei der Präsidentin wohl um eine Strohfrau, die über die tatsächlichen Vorgänge der Firma nichts weiß. Das Reisebüro besitzt keine Website und hat jahrelang keine nennenswerten Umsätze verzeichnet - im Jahr 2020 dann aber plötzlich 2,8 Millionen Euro, womit bleibt unklar. Am Telefon bestätigte die Frau, Präsidentin der Firma zu sein. Weitere mündliche und auch schriftliche Fragen ließ sie unbeantwortet.

False-Flag-Aktion nicht ausgeschlossen

Explosionen hatten im September 2022 in den Wirtschaftszonen Schwedens und Dänemarks in der Ostsee mehrere Lecks in die Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 gerissen, die für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden waren. Die Pipelines waren zum Zeitpunkt der Explosionen nicht in Betrieb, enthielten aber Gas. Schon kurz nach den Explosionen übernahm der Generalbundesanwalt (GBA) die Ermittlungen.

Im März berichteten ARD und "Die Zeit" erstmals über die Segeljacht "Andromeda" und eine mutmaßliche Verbindung in die Ukraine: Fünf Männer und eine Frau seien Anfang September 2022 mit dem Boot von Rostock aus in See gestochen. Eine Firma aus Polen habe das Boot angemietet. Diese Firma wiederum gehöre Ukrainern, hieß es.

Aus Sicherheitskreisen verlautete damals, es werde nicht ausgeschlossen, dass bewusst falsche Spuren gelegt worden sein könnten, um die Ukraine als Urheber der Explosionen hinzustellen. Hinweise auf eine solche sogenannte False-Flag-Aktion lägen den Ermittlern aber nicht vor.

Offizielle Stellen wollen Recherchen nicht kommentieren

Zu den neuen Recherchen wollten sich weder offizielle Stellen in Polen, Schweden, Dänemark oder in Deutschland äußern. Staaten wie die Ukraine, die USA oder Russland haben stets jede Verantwortung für die Zerstörung der Pipelines zurückgewiesen. Zu den neuesten Recherchen blieb eine Anfrage bei der ukrainischen Botschaft zunächst unbeantwortet. Wer letztlich hinter den Anschlägen steckt, bleibt weiter unklar.

An der Recherche waren neben NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung auch Expressen aus Schweden, frontstory aus Polen und Berlingske aus Dänemark beteiligt.

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