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Nach Anfeindungen: Niederländischer Fernsehsender entfernt Logos | BR24

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Bespuckt, bedroht und eingeschüchtert – aus Angst vor Übergriffen entfernt der niederländische Sender NOS alle Logos und Schriftzüge von seinen Übertragungswagen. Die Techniker und Journalisten gehen ab sofort "anonym" auf die Straße.

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Nach Anfeindungen: Niederländischer Fernsehsender entfernt Logos

Bespuckt, bedroht und eingeschüchtert – aus Angst vor Übergriffen entfernt der niederländische Sender NOS alle Logos und Schriftzüge von seinen Übertragungswagen. Die Techniker und Journalisten gehen ab sofort "anonym" auf die Straße.

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Problemlos lässt sich das rote "O" aus dem NOS-Logo von der Karosserie abziehen. "Immer überall" stand gerade noch auf der Motorhaube des Übertragungswagens. Jetzt ist der Peugeot-Kleintransporter des niederländischen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks völlig weiß und frei von Aufklebern. Nur die ausfahrbare Satellitenschüssel auf dem Dach verrät noch, dass in diesem Fahrzeug Radio- oder Fernsehtechniker unterwegs sind.

Beleidigungen und Drohungen an der Tagesordnung

Die Menschen, die hier drin arbeiten, die erleben jeden Tag, dass Autos vor ihnen scharf bremsen, erzählt Kysia Hekster, Nachrichtenreporterin bei NOS. Auf der Autobahn gebe es lebensgefährliche Manöver, der Wagen werde angepinkelt, Leute zeigten ihnen den Mittelfinger. Da, so Hekster, sei eine Grenze erreicht. Sie könne verstehen, dass die Aufkleber deswegen entfernt würden.

Auch Hekster kennt die Anfeindungen persönlich. Sie ist mittendrin, wenn wütende Bauern mit ihren Treckern in Den Haag protestieren oder Demonstranten der Viruswahnsinn-Bewegung lautstark das Ende der Corona-Maßnahmen fordern.

Während sie versucht, objektiv zu berichten, werfen ihr viele Aktivisten vor, Fake-News zu verbreiten und der Regierung nach dem Mund zu reden. Man werde bespuckt, beleidigt, als Verräterin beschimpft, als Lügnerin. Und einem ihrer Kollegen sei gedroht worden, man wisse, wo seine Kinder zur Schule gingen.

"Das ist einschüchternd und bedrohlich, aber leider normal geworden. Und es wird akzeptiert, wenn auch nur von einer sehr kleinen Gruppe." Kysia Hekster, Reporterin des Niederländischen Rundfunks NOS

NOS-Chef: "Rechte Parteien mitverantwortlich"

Diese kleine Gruppe bestehe aber keinesfalls nur aus Wutbürgern und Verschwörungstheoretikern, sagt NOS-Chef Marcel Gelauff. Sie repräsentiere vielmehr breite Schichten der Bevölkerung. Und ihr Verhalten gegenüber Journalisten werde immer aggressiver.

Gelauff macht rechte politische Parteien für diese Entwicklung mitverantwortlich. Populisten, wie Geert Wilders oder Thierry Baudet vom Forum für Demokratie, würden mit ihren Frontalangriffen auf das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem, Teile der Bevölkerung ermutigen, sich zu radikalisieren, sagt der NOS-Chefredakteur.

In Amerika mache das Trump, in den Niederlanden machten das die PVV von Wilders oder das Forum für Demokratie, so Gelauff. Die schürten das Misstrauen gegenüber dem Journalismus. Und, so Gelauff, er erwarte von der Politik, dass sie den Journalismus unterstütze, "weil das ein Fundament für unsere Demokratie ist".

Rechte weisen Kritik zurück

Thierry Baudet, der sich gerne als intellektueller Feingeist gibt, weist die Anschuldigungen von sich. Wenn er sich über die Berichterstattung in verschiedenen Medien äußere, dann sei das Kulturkritik und kein Aufruf zur Gewalt.

Natürlich gehe es manchmal auch hart auf hart, so Baudet, aber die Idee, dass das in physische Bedrohung ausartet, sei schrecklich, absurd und erbärmlich und müsse auf das entschiedenste bestritten werden.

NOS-Reporter brauchen Personenschützer

Schon seit geraumer Zeit begleiten Personenschützer die NOS-Reporter zu Demonstrationen und anderen brenzligen Einsätzen. Jetzt die Sache mit den Sender-Logos. "Entfernen wir dann auch den NOS-Windschutz auf unseren Mikrofonen", fragt sich Hekster. Es gebe Kollegen, die das tatsächlich bereits ab und zu machten.

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