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Das Einkaufen mit Termin und Corona-Test sei bei den Kunden so beliebt wie Zahnschmerzen, heißt es vom Handelsverband Bayern.

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Nichts Konkretes: Große Enttäuschung nach dem Impfgipfel

Gastronomievertreter und Handelsverband beklagen nach dem Impfgipfel fehlenden Mut und vermissen konkrete Ergebnisse. Dabei habe man einiges beschlossen, findet Gesundheitsminister Spahn.

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Von
  • Christine Kerler
  • BR24 Redaktion

Nach dem Ende des Impfgipfels in Berlin zeigt sich der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bayern) enttäuscht über die Ergebnisse der Beratungen. "Einerseits begrüßen wir, dass das Impfen mittlerweile so weit fortgeschritten ist, dass die ersten Weichen hin zu Konzeptöffnungen gestellt wurden, andererseits hätten wir uns mehr Mut hinsichtlich konkreter Öffnungsperspektiven gewünscht", sagte Landesgeschäftsführer Thomas Geppert.

Gaststättenverband: Verlieren wertvolle Zeit

Für Genesene, Geimpfte und Getestete sollte Geppert zufolge "ein möglichst schnelles Zurück zu einer weitestgehenden Normalität möglich sein". Es gehe hier nicht um Privilegien, sondern um die Aufhebung nicht mehr gerechtfertigter Grundrechtseingriffe.

Die begonnene Diskussion bilde zwar die Voraussetzung für spätere Konzeptöffnungen, also die Öffnung gastgewerblicher Betriebe für Geimpfte, Getestete sowie Genesene, lasse jedoch noch viele Fragen offen. "Wir verlieren wertvolle Zeit, wir brauchen jetzt konkrete Vorgaben für kontrollierte Öffnungen."

Andere Länder wie Österreich machten es vor, wie es gehen könne, betonte Geppert: "Eine Notbremse kann nicht ewig dauern, auch wir brauchen jetzt verbindliche Aussagen, wie es in drei, vier Wochen weitergeht."

Schlechte Aussichten für den Einzelhandel?

Ähnlich äußerte sich auch der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Das Einkaufen mit Termin und Corona-Test sei bei den Kunden so beliebt wie Zahnschmerzen. Daher sei er eigentlich optimistisch gewesen, habe auf ein konkretes Ergebnis gehofft, "dass es eben Erleichterungen beim Einkaufen etwa für Geimpfte oder Genesene gibt - aber leider Fehlanzeige". Für den Einzelhandel sei nichts herausgekommen: "Die Leute brauchen weiterhin – auch die, die zweifach geimpft sind oder Genesene – bei Klick&Meet einen negativen Corona-Test. Das ist eine riesengroße Hürde." Vielen sei das zu aufwändig, sagte Ohlmann. Sie blieben daher lieber zu Hause.

Reiseverband vermisst schlüssiges Testkonzept

Der Deutsche Reiseverband sieht positiv, dass sich die Bundesregierung und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder schon heute mit möglichen Freiheiten für Geimpfte und von Corona-Genesen beschäftigen. "Es ist allerdings enttäuschend, dass es kein konkretes Ergebnis gab. Weder wurde ein schlüssiges Testkonzept beschlossen, noch gab es konkrete Zeitangaben, wann Geimpfte ihre Grundrechte zurückerlangen", teilte der Verband mit und forderte: "Wichtig ist, dass schnellstmöglich eine Übergangsphase definiert wird, während der auch negative Covid-Tests Freiheiten – und damit auch Reisefreiheit – ermöglichen."

Spahn verteidigt Vorgehen der Bundesregierung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verteidigte im ARD extra das Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs. Es sei nicht korrekt, dass man nichts Konkretes vereinbart habe.

So habe man etwa beschlossen, vollständig Geimpfte und tagesaktuell negativ Getestete gleichzustellen – zum Beispiel in der Einreiseverordnung des Bundes: "Das gilt ja auch im Einzelhandel, wenn wir Restaurants testgestützt öffnen werden, dass dann Geimpfte gleichstehen." Spahn verwies zudem auf das Robert Koch Institut: "Das hat auch gesagt, dass jemand, der geimpft ist, als Kontaktperson nicht wieder in Quarantäne muss. Auch das ist ja eine wichtige Änderung."

Zum anderen sei diskutiert worden, ob Geimpfte tatsächlich noch mit Beschränkungen belegt werden sollen bzw. dürfen, etwa Ausgangsbeschränkungen. Hierzu werde die Bundesregierung nächste Woche einen Vorschlag machen. Und der Bundesrat werde dazu am 28. Mai final entscheiden, kündigte Spahn an.

Wann fällt die Impfpriorisierung?

Der Gesundheitsminister verteidigte, die Impfpriorisierung erst im Juni aufzuheben. Im Mai müsse erst einmal die Prio-Gruppe 3 geimpft werden, die über 60-Jährigen sowie alle, die im Berufsalltag nicht Homeoffice machen könnten, sondern vielen Menschen begegneten - Verkäufer im Supermarkt, Justizbeamte, Lehrer und Busfahrer, sagte Spahn.

Anders sieht das ifo-Präsident Clemens Fuest. Er fordert eine baldige Lockerung der Priorisierung - "wahrscheinlich schon in den nächsten Wochen". Und die Bundesregierung müsse für Nachschub sorgen bei den Impfungen. Außerdem sprach sich Fuest dafür aus, dass Geimpfte anders behandelt werden müssten als diejenigen, die nicht geimpft seien: "Dass die Geimpften also wieder in Geschäfte und Restaurants gehen dürfen. Das würde die wirtschaftliche Erholung gerade in diesen Bereichen, die so hart betroffen sind, stützen."

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Vor Juni könne man die Impfpriorisierung nicht aufheben, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn.

Sozialverband: Bestimmte Personengruppen nicht benachteiligen

Derweil fordert der Sozialverband VdK für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen einen Öffnungsstufenplan mit qualifizierten Aussagen zu den AHA-Regeln, zur Maskenpflicht und zur Testungsstrategie. "Dem Flickenteppich von unterschiedlichsten Regelungen zu Kontaktbeschränkungen, Besuchsverboten oder Ausgehverboten in Pflege- und Behinderteneinrichtungen muss ein Ende gesetzt werden. Keiner weiß mehr, wo was gilt", sagte die VdK-Präsidentin Verena Bentele. Auch warnt der VdK davor, bestimmte Personengruppen zu benachteiligen. Einige Erwachsene könnten sich aufgrund medizinischer Ausschlussgründe nicht impfen lassen. Außerdem gebe es für Kinder bisher keinen Impfstoff.

Für Kinder selbst gehe ein geringes Risiko aus, an Corona zu erkranken. Das betonte die Münchner Virologin Ulrike Protzer im ARD extra. Sie bemerkte aber auch: "Sie bringen es natürlich nach Hause. Und dort können die Eltern oder Großeltern erkranken."

Indische Mutation: Protzer glaubt nicht an erneuten Lockdown

Die Virologin geht indes nicht davon aus, dass die in Deutschland bereits nachgewiesene indische Corona-Mutation zu einem erneuten Lockdown führen wird. Es gebe keinen Hinweis, dass die Variante infektiöser sei oder sich schneller ausbreite als die britische. Derzeit gehe man davon aus, dass die in Deutschland bisher zugelassenen Impfstoffe gegen die indische Variante Schutz bieten. "Es gibt erste Publikationen, die zeigen, dass sogar die Totimpfstoffe schützen, die nicht so gut sind wie die hauptsächlich bei uns verwendeten mRNA-Impfstoffe und auch die Vektor-Impfstoffe", sagte die Münchner Virologin.

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Im ARD extra zeigte sich die Virologin Ulrike Protzer optimistisch, dass die indische Corona-Variante keinen neuen Lockdown auslösen wird.

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