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Nicht nur die Tiere: Wer leidet alles unter Billigfleisch? | BR24

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Große Schlachthöfe sind zu neuen Brennpunkten in der Corona-Krise geworden: Bei den Mitarbeitern häufen sich die Infektionen. Sozialminister Heil dringt deshalb auf bessere Arbeitsbedingungen und auf effektive Kontrollen durch die Länder.

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Nicht nur die Tiere: Wer leidet alles unter Billigfleisch?

Wenn das Schnitzel 1 Euro kostet, greifen viele gerne zu. Mit diesem Preis ist aber keine artgerechte Tierhaltung zu machen. Die vielen Covid-19-Fälle in Schlachthöfen zeigen jetzt, dass die Dumpingpreise auch zu schlechten Arbeitsbedingungen führen.

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Glückliche Kühe, gut verdienende Bauern – das passt nicht mit Billigfleisch an der Supermarkttheke zusammen. Dennoch unterbieten sich Supermärkte und Discounter bei den Preisen. Denn bei aller gesellschaftlichen Diskussion über das Tierwohl wird am Ende dann doch meist das gekauft, was nicht viel kostet.

Die Nachfrage regelt also das Angebot. Oder, wie es der CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" formuliert: "Der unanständige Preiskampf beim Fleisch ist die Wurzel vieler Übel".

Prekäre Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie

Ein anderer Aspekt hat in dieser Diskussion bisher kaum eine Rolle gespielt: die Arbeitsbedingungen der Menschen, die in Fleischfabriken arbeiten. Die sich häufenden Covid19-Fälle in Schlachthöfen ändern das gerade – weil die massenhaften Krankheitsfälle zu einem Gesundheitsrisiko für alle werden können.

In Bayern sind derzeit besonders der Landkreis Straubing-Bogen und die Stadt Straubing betroffen. Dort liegt die Zahl der Neu-Infektionen über der Obergrenze von 50 Fällen je 100.000 Einwohnern. Ein Sicherheitskonzept soll verhindern, dass wieder strengere Regeln für alle eingeführt werden müssen.

Besserer Schutz für Arbeitnehmer

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil spricht von "Aufräumarbeiten", die die Politik leisten müsse gegen die Ausbeutung in der Fleischindustrie. Die Umsetzung der bestehenden Gesetzesvorgaben kranken seiner Ansicht nach oft daran, dass nicht genug kontrolliert wird.

Heil sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, der Bereich Arbeitsschutz sei in den vergangenen Jahren mancherorts "kaputt gespart worden". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht Handlungsbedarf, sie sprach unlängst von "erschreckenden Nachrichten", gerade bei der Unterbringung der Arbeitnehmer gebe es Mängel.

Heils Konzept für die Fleischbranche

Der Minister hat ein Konzept ausgearbeitet, das Abhilfe schaffen soll: Unter anderem will er mehr Kontrollen und strengere Strafen bei Verstößen. Außerdem bessere Hygiene und mehr Abstand in den Unterkünften, beim Transport und am Arbeitsplatz.

Der ursprüngliche Plan, das Konzept heute vom "Corona-Bundeskabinett" beschließen zu lassen, ist allerdings gescheitert. Es geht dabei um einen Punkt: die Werkverträge. Heil will sie für die Branche abschaffen. Bei der CSU heißt es, man wolle vorher noch die Auswirkungen auf kleine und mittlere Betriebe prüfen.

Das Problem mit den Werkverträgen

In der Fleischindustrie arbeiten viele nicht als angestellte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Bundesarbeitsminister Heil spricht von einem System an "Sub-Sub-Sub-Unternehmern". Die Produktion ist oft über Werkverträge ausgegliedert, auch wenn die Arbeit, also etwa das Schlachten oder das Zerteilen, im Betrieb stattfindet.

Der Vorteil für den Betrieb: Für die Arbeitsbedingungen sind die Subunternehmen verantwortlich. Dass sie die Vorgaben korrekt umsetzen - etwa beim Mindestlohn oder dem Gesundheitsschutz – ist in der Praxis oft schwer zu kontrollieren. Die betroffenen Arbeitnehmer stammen meist aus Osteuropa, wissen manchmal gar nicht um ihre Rechte oder es fehlt an Sprachkenntnissen, um sie einzufordern.

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