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Neuseeland gedenkt der Todesopfer des Christchurch-Anschlages | BR24

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Im neuseeländischen Christchurch haben 25.000 Menschen der Opfer der Anschläge auf zwei Moscheen gedacht. Aus rassistischen Motiven hatte ein Attentäter vor zwei Wochen 50 Menschen erschossen.

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Neuseeland gedenkt der Todesopfer des Christchurch-Anschlages

Mit einer großen Trauerfeier hat Neuseeland der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen gedacht. Premierministerin Jacinda Ardern sprach in einem Park in Christchurch vor mehr als 20.000 Menschen - darunter Vertreter aus fast 60 Ländern.

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Zwei Wochen nach dem Anschlag auf zwei Moscheen gedachten tausende Menschen bei der nationalen Trauerfeier der Opfer. Neuseelands Premierministerin Ardern rief dazu auf, dem Extremismus Menschlichkeit entgegenzusetzen. Die Feier wurde auf Großbildschirmen ins ganze Land übertragen. Dabei wurden auch die Namen aller Toten verlesen.

Premierministerin Ardern bedankt sich bei Muslimen

Ardern trug dieses Mal kein Kopftuch, wie sie dies bei früheren Gelegenheiten zu Ehren der muslimischen Gemeinde getan hatte. Sie trat mit einem Umhang auf, wie ihn Neuseelands Maori-Ureinwohner benutzen, und sprach auch einige Sätze auf Arabisch. Den Muslimen dankte sie dafür, "im Angesicht von Hass und Gewalt ihre Türen für uns alle geöffnet zu haben, damit wir mit ihnen trauern können - obwohl sie jedes Recht gehabt hätten, ihre Wut auszudrücken".

"Welt ist in Teufelskreis aus Extremismus gefangen"

Weiter sagte die Premierministerin: "Die Welt ist in einem Teufelskreis aus Extremismus gefangen, der noch mehr Extremismus hervorbringt. Das muss enden. Wir können das nicht allein. Die Antwort liegt in unserer Menschlichkeit."

Viele Menschen standen auf, um Beifall zu spenden. Auch im Ausland hatte Ardern viel Lob für ihr Auftreten in den vergangenen Tagen bekommen. Vor einer Woche hatte Neuseeland bereits mit zwei Schweigeminuten der Opfer gedacht.

Überlebender des Anschlags vergibt Attentäter

Vor der Menschenmenge in Christchurch sprach auch einer der Überlebenden, Farid Ahmed, dessen Frau bei dem Anschlag ermordet worden war. Der Muslim sagte, er habe dem Attentäter vergeben.

"Die Leute fragen mich: Wie kannst Du jemandem vergeben, der deine geliebte Frau getötet hat? Die Antwort ist: Ich glaube. Ich glaube an Allah. Und Allah sagt, dass wir einander vergeben sollen." Farid Ahmed, Überlebender des Anschlags von Christchurch

Yusuf Islam singt "Peace Train"

Bei der Trauerfeier trat auch der britische Sänger Yusuf Islam, auch bekannt als Cat Stevens, auf, der schon in den 1970er Jahren zum Islam übergetreten war. Er sang "Peace Train", eines seiner bekanntesten Lieder von früher.

Die Gedenkveranstaltung fand unter freiem Himmel im einem Park von Christchurch statt, in unmittelbarer Nähe der Al-Nur-Moschee, wo der Anschlag vor zwei Wochen begonnen hatte.

Die neuseeländische Polizei demonstrierte dabei Stärke, schloss Straßen und patrouillierte im Park mit halbautomatischen Waffen. Die Atmosphäre war während des 90-minütigen Gedenkens jedoch entspannt.

Attentäter kommt nächste Woche vor den Untersuchungsrichter

Bei dem Anschlag am 15. März waren in Christchurch 50 Menschen durch Schüsse getötet und mehrere Dutzend verletzt worden. Als mutmaßlicher Täter sitzt ein 28 Jahre alter Rassist und Rechtsextremist aus Australien in Untersuchungshaft. Dem Mann, der schon seit mehreren Jahren in Neuseeland lebte, droht lebenslange Haft. Kommende Woche wird er einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Für den Prozess gibt es noch keinen Termin.

© Lena Bodewein/ARD

Mit einer großen Trauerfeier hat Neuseeland der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen gedacht. Premierministerin Jacinda Ardern sprach in einem Park in Christchurch vor mehr als 20.000 Menschen - darunter Vertreter aus fast 60 Ländern.