Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Neuneinhalb Jahre Haft in Prozess um Messerattacke in Chemnitz | BR24

© BR

Ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff in Chemnitz ist das Urteil gefallen: Das Landgericht sprach den 24-jährigen Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu neun Jahren und sechs Monaten Haft.

17
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Neuneinhalb Jahre Haft in Prozess um Messerattacke in Chemnitz

Ein Jahr nach dem tödlichen Messerangriff in Chemnitz ist das Urteil gefallen: Das Landgericht sprach den 24-jährigen Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu neun Jahren und sechs Monaten Haft.

17
Per Mail sharen
Teilen

Vor knapp einem Jahr wurde der 35-jährige Daniel H. am Rande des Chemnitzer Stadtfestes erstochen - der 24-jährigen Syrer Alaa S. musste sich deswegen vor dem Landgericht Chemnitz verantworten. Nun wurde das Urteil gesprochen: Der Angeklagte muss wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung neun Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann vor dem Bundesgerichtshof angefochten werden.

Angeklagter schwieg zu Vorwürfen

Nach 19 Verhandlungstagen war die Kammer davon überzeugt, dass Alaa S. am 26. August 2018 in Chemnitz gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker den 35-jährigen Daniel H. erstochen hat. Der mutmaßliche Mittäter ist weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

In der gesamten Verhandlung hatte der 24-Jährige zu den Vorwürfen gegen ihn geschwiegen. In einem am Dienstag ausgestrahlten Telefoninterview des ZDF-Magazins "Frontal21" hatte er zwar seine Unschuld beteuert - diese Aussagen hatten nach Gerichtsangaben aber keinen Einfluss auf die Urteilsfindung. Dafür seien laut Strafprozessordnung allein die im Laufe der Verhandlung durch die Kammer gewonnenen Erkenntnisse entscheidend, hieß es.

In seinem Schlusswort vor Gericht hatte sich Alaa S. für ein faires Urteil ausgesprochen: "Ich kann nur hoffen, dass hier die Wahrheit ans Licht gebracht wird und ein gerechtes Urteil gesprochen wird", ließ der Syrer durch einen Dolmetscher übersetzen.

Verteidigung hatte Freispruch gefordert

Die Verteidigung hatte kurz vor dem Urteil auf Freispruch plädiert. Verteidiger Frank Wilhelm Drücke rückte in seinem Plädoyer die Geschehnisse nach der Tat in den Blickpunkt. "Für uns ist das mitnichten ein normales Verfahren", sagte er. Er appellierte an das Gericht, sich bei der Urteilsfindung nicht von Forderungen aus Politik, Gesellschaft oder von einem "marodierenden Mob" beeinflussen zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Jahren für den Angeklagten wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gefordert. Die drei Vertreter der Nebenklage gingen in ihren Plädoyers über diesen Antrag hinaus und forderten eine Gesamtfreiheitsstrafe von elf Jahren.

Rassistisch motivierte Übergriffe nach Messerattacke

In der Folge der Messerattacke war es im vergangenen Jahr in Chemnitz zu rassistisch motivierten Übergriffen gekommen. Bilder von rechten Demonstrationen, Aufmärschen von Neonazis und Fußball-Hooligans, von Übergriffen sowie dem Zeigen des Hitlergrußes in zahlreichen Fällen gingen um die Welt.

Der Streit um die Frage, ob es "Hetzjagden" gegeben habe, wurde auf Bundesebene zur Zerreißprobe für die Große Koalition - und führte letztlich dazu, dass der damalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, seinen Posten verlor.