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Israel hat wegen stark steigender Corona-Infektionen mit der Drittimpfung begonnen. Impfen lassen können sich alle ab 60 – wenn die letzte Impfung länger als fünf Monate zurückliegt. Klar ist auch: Die Drittimpfung ist für alle Beteiligten Neuland.

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Wegen Delta unverzichtbar? Israel startet Corona-Drittimpfungen

Israel hat wegen stark steigender Corona-Infektionen mit der Drittimpfung begonnen. Impfen lassen können sich alle ab 60 – wenn die letzte Impfung länger als fünf Monate zurückliegt. Die dritte Dosis jedoch bedeutet für alle Beteiligten Neuland.

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  • Tim Aßmann
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Blitzlichtgewitter in einem Impfzentrum in Jerusalem. Hier haben Versicherte der Clalit-Krankenkasse, einer der vier gesetzlichen Pflichtkassen Israels, die Möglichkeit sich ein drittes Mal impfen zu lassen.

Als vor wenigen Tagen grünes Licht für die Auffrischungsimpfungen gegeben wurde, hat diese 73-Jährige nicht gezögert, gleich einen Termin auszumachen, und ist nun eine der ersten bei Impfung Nummer Drei mit dem Biontech-Pfizer-Vakzin.

"Ich fühle mich sehr gut. So war es auch nach den ersten zwei Impfungen und so wäre es auch nach einer vierten. Das ist doch nur eine kleine Sache und das wir die Impfung überhaupt bekommen können, eine große Errungenschaft, die wir nutzen sollten." 73-jährige Frau aus Jerusalem, die sich impfen lässt

Keine Daten über mögliche Risiken

Von zehntausenden Anmeldungen berichten die Kassen schon zu Beginn der Drittimpfungs-Kampagne. 1,5 Millionen Impfungen in acht Tagen. Dieses Ziel hat Regierungschef Bennett den Krankenkassen vorgegeben.

Impfen lassen können sich alle ab 60 – vorausgesetzt die letzte Impfung liegt schon mindestens fünf Monate zurück. Israel ist das erste Land weltweit, das auf die Drittimpfung setzt. Belastbare Daten über Erfolgsaussichten und Risiken liegen kaum vor. Dieser 63 Jahre alte, pensionierte Polizist hat sich trotzdem impfen lassen: "Ich habe mich für die Impfung entschieden, denn mögliche Nebenwirkungen sind nicht so schlimm wie die Gefahren durch die Krankheit. Das hat den Ausschlag für die Impfung gegeben", sagt er.

Infektionen steigen rasant an

Die steigenden Infektionszahlen haben die Regierung zunehmend unter Handlungsdruck gesetzt. Die Zahl der Neuinfektionen in Israel lag in den vergangenen Tagen deutlich über 2.000 und nur etwas niedriger als in Deutschland, das aber mehr als neunmal so viele Einwohner hat.

Die Zahl der schweren Krankheitsverläufe nimmt zu und hat den höchsten Stand seit April erreicht. Experten des israelischen Militärs rechneten vor, dass sich die Infiziertenzahl alle sieben bis zehn Tage verdoppeln könnte.

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Angesichts steigender Zahlen von Corona-Schwerkranken ruft die Regierung in Israel ältere Menschen über 60 zu einer Auffrischungsimpfung auf. Israel ist das erste Land, das im Kampf gegen das Corona-Virus so verfährt.

Überlastung der Intensivstationen droht

Wenn es nicht mindestens gelingt den Anstieg bei schweren Krankheitsverläufen zu bremsen, droht eine Überlastung der Intensivstationen. Gerade die älteren Altersgruppen sind besonders gefährdet und ihr Impfschutz soll nun mit der Drittimpfung verbessert werden. Galia Rahav leitet die Abteilung für Infektionskrankheiten am Sheba-Krankenhaus nahe Tel Aviv. Sie sagt, man habe keine andere Wahl: "Mag sein, dass wir nicht viel über die Effektivität dieser dritten Impfung wissen, aber angesichts der steigenden Infektionszahlen ist es halt so: In Zeiten einer Pandemie müssen auch Entscheidungen getroffen werden, die nicht zu 100 Prozent auf Fakten basieren, sondern auf logischen Erwägungen."

Regierung will Lockdown unbedingt vermeiden

Israels neuer Premierminister Naftali Bennett will den Anstieg der Infektionszahlen bremsen, einen weiteren Lockdown aber unbedingt vermeiden. "Man kann die Bedeutung der dritten Impfung gar nicht groß genug einschätzen", so Bennett. Die Ansteckungsgefahr durch Infizierte sei bei der Delta-Variante wesentlich größer. "Bei dem, was wir nun tun, geht es darum Leben zu retten."

Parallel ruft der Regierungschef unermüdlich diejenigen zur Impfung auf, die bislang zögern. Rund 58 Prozent der Bevölkerung haben schon zwei Impfungen erhalten, aber gerade viele jüngere Israelis sind weiterhin skeptisch.

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