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Zehn Jahre war Ludwig Müller Bischof von Regensburg, bis er 2012 Chef der Glaubenskongregation wurde. Doch Papst Franziskus ließ ihn nicht im Amt. Jetzt hat er eine neue Aufgabe – in fachfremdem Gebiet, kritisiert der Kirchenrechtler Thomas Schüller.

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Neues Vatikan-Amt für einst geschassten Kardinal Müller

Zehn Jahre war Ludwig Müller Bischof von Regensburg, bis er 2012 Chef der Glaubenskongregation wurde. Doch Papst Franziskus ließ ihn nicht im Amt. Jetzt hat er eine neue Aufgabe – in fachfremdem Gebiet, kritisiert der Kirchenrechtler Thomas Schüller.

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Von
  • Simon Berninger
  • Lisa Weiß

Kardinal Ludwig Müller machte in den letzten Jahren vor allem mit einem von sich reden: Mit Kritik an Papst Franziskus, der ihn 2017 nicht länger im Amt des Präfekten der mächtigen Glaubenskongregation belassen wollte – wie überhaupt mit Kritik an allen, die in der katholischen Kirche Reformwillen erkennen lassen. Vor allem im Visier dabei: Seine Heimatkirche in Deutschland, die spätestens auf dem Synodalen Weg mehrheitlich für Reformen in der Kirche einsteht – auch gegenüber Rom.

Entsprechend fraglich war daher auch für Beobachter, ob Papst Franziskus dem amtslosen Kardinal noch einmal eine exponierte Stellung zuweisen würde.

Müller wird Mitarbeiter, nicht Leiter im Vatikan

Nach vier Jahren in der Schwebe gab der Vatikan nun bekannt: Kardinal Müller wird in die Apostolische Signatur berufen. Allerdings nicht als Leiter des höchsten Kirchengerichts der römischen Kurie, sondern als einer von mehreren neu ernannten Mitgliedern unter dem französischen Kardinal Dominique Mamberti.

"Es wirkt wie eine Beschäftigungsmaßnahme für einen Kardinal, der von Papst Franziskus aufs Abstellgleis gestellt wurde", kommentiert der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller auf BR-Anfrage. Müller habe keine kirchenrechtlichen Fachabschlüsse und keine offenkundige Expertise im Kirchenrecht.

"Zudem hat er schon als Bischof von Regensburg im Umgang mit diözesanem Recht und als Präfekt der Glaubenskongregation im Umgang mit den Normen zu den schweren Straftaten, vor allem im Bereich der Fälle von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, oft genug einen auch für die eigenen, fachwissenschaftlich ausgewiesenen Mitarbeiter eigenwilligen Umgang mit dem kirchlichen Recht gezeigt", so Schüller weiter.

Ausgebliebene Amtsverlängerung ohne Angabe von Gründen

Müller wurde im Jahr 2012 von Papst Benedikt XVI. vom Regensburger Bischofsstuhl an die römische Kurie berufen. Bis 2017 leitete er mit der Glaubenskongregation die wichtigste Behörde des Vatikan. Die Nicht-Verlängerung seiner Amtszeit erfolgte seinem eigenen Bekunden nach ohne Angabe von Gründen – "innerhalb einer Minute" habe Papst Franziskus ihm die Entscheidung mitgeteilt, ihn nicht im Amt zu belassen. "Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren", kritisierte Müller damals in der "Passauer Neuen Presse".

Vatikanexperten bezeichneten den Vorgang damals als eine Art Erdbeben im Vatikan – das Verhältnis zwischen Papst Franziskus und dem als konservativ geltenden Müller wurde immer wieder als schwierig beschrieben, inhaltliche Differenzen wurden besonders bei moraltheologischen Fragen deutlich.

Zuletzt äußerte sich der 73-Jährige kritisch zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt, wo Katholiken und Protestanten gemeinsam Abendmahl gefeiert haben. Dies sei "eine Provokation des Lehramtes der katholischen Kirche", teilte Müller der Deutschen Presse-Agentur mit. "Wer sich im Widerspruch zur katholischen Lehre und ihrer verbindlichen Auslegung durch das römische Lehramt verhält, ist nicht mehr katholisch."

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