BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Tom Weller
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Tom Weller

Neuer Pflegebonus stößt auf Skepsis (Symbolbild)

11
Per Mail sharen

    Neuer Pflegebonus geplant - aber nicht erwünscht

    Vergangenes Jahr erhielten viele Beschäftigte, vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, eine Corona-Prämie. Jetzt soll diese eine Neuauflage erfahren. In der Pflege stößt das aber nicht nur auf Zustimmung – im Gegenteil.

    11
    Per Mail sharen
    Von
    • Nikolaus Nützel

    "Klar, das war natürlich schön, wenn man zusätzlich Geld kriegt" - sagt eine Krankenschwester, die sich gefreut hat, als sie im vergangenen Jahr eine Einmalzahlung von 1.000 Euro als sogenannte "Corona-Prämie" erhielt.

    Aber das Geld habe nichts an den Überstunden und auch nicht am Personalmangel und vielem anderen geändert, was sich ihrer Ansicht nach verbessern müsste, meint sie. "Ich finde es einfach viel wichtiger, dass die Arbeitsbedingungen für die Pflege verbessert werden", so die Pflegerin.

    Kritik an Langfrist-Strategie

    Auch der Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, Georg Sigl-Lehner, findet: Hinter den vielen Millionen, die vergangenes Jahr für die Corona-Prämie ausgegeben wurden, stand keine langfristige Idee. "Rückblickend muss man schon sagen: die Boni sind ja sehr schnell verpufft, auch in der Wahrnehmung, und haben sicher nicht das gebracht, was die Pflege sich gewünscht hat, nämlich ganz nachhaltige Verbesserungen", so Sigl-Lehner.

    450 Millionen Euro für zweiten Corona-Bonus

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will aber nun 450 Millionen Euro für einen neuen Corona-Bonus in die Hand nehmen – mehr als doppelt so viel, wie beim ersten Bonus im vergangenen Jahr. Diesmal könnten beispielsweise auch etwa Reinigungskräfte Geld bekommen, die beim ersten Bonus außen vor geblieben sind.

    Viele könnten erneut leer ausgehen

    Viele Beschäftigte in den Kliniken würden sich sicher über die neuerliche Überweisung freuen, sagt Sigl-Lehner. Aber die Freude werde nicht lange vorhalten. Und es werde Enttäuschungen geben - so wie im vergangenen Jahr. "Es wird wieder eine ganze Reihe von Menschen im Gesundheitswesen geben, von Kolleginnen und Kollegen, die werden leer ausgehen," so Sigl-Lehner. "Und das wird wieder zu Unmut führen. Das haben wir ja leider auch schon in der ersten Boni-Auszahlung erlebt."

    In der Tat gab es 2020 viele Menschen, denen es so erging wie der Chef der Vereinigung der Pflegenden in Bayern es beschreibt. "Ich habe den Bonus damals nicht bekommen mit der Begründung, ich würde ja nicht mit Menschen arbeiten und hätte quasi mit dem Coronavirus keinen Kontakt, weil ich hätte ja schließlich einen technischen Beruf," erzählt eine Operationstechnischen Assistentin.

    OP-Assistentin: Bonuszahlung für mehr Beschäftigte

    Tatsächlich aber sei sie auch mit im Operationssaal, wenn Corona-Patienten operiert werden müssten, sagt die OP-Assistentin. Wenn es der Politik darum ginge, eine finanzielle Anerkennung zu zeigen, sollte sie den Kreis derjenigen, die eine Bonuszahlung bekommen, auf wesentlich mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen ausweiten, findet sie.

    "Ich wünsche mir, dass den alle bekommen", so die OP-Assistentin. "Ob das jetzt die Reinigungskraft ist oder jemand am Empfang oder auch eine medizinische Fachangestellte, die im OP arbeitet, oder auch in einer Art Praxis. Also wir haben ja alle im Gesundheitswesen Kontakt."

    Sigl-Lehner: Corona-Bonus "besser nicht"

    Reinigungskräfte dürften dieses Mal tatsächlich mit dabei sein. Medizinische Fachangestellte in Arztpraxen hingegen erneut nicht. Enttäuschungen sind also auch bei der neuen Corona-Prämie vorprogrammiert. Sigl-Lehner, sagt deshalb: Wenn der Bundesgesundheitsminister ihn nach seiner Meinung gefragt hätte, hätten ihm zwei Worte genügt: "Ich hätte ganz klar gesagt: 'Besser nicht'."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!