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Neuer Mobilfunkstandard: 5G-Lizenzvergabe für Industrie startet | BR24

© pa / dpa / Andrea Warnecke

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    Neuer Mobilfunkstandard: 5G-Lizenzvergabe für Industrie startet

    Selbstfahrende Lkw oder vernetzte Roboter: 5G weckt in der Industrie große Hoffnungen. Unternehmen können von heute an firmeneigene 5G-Netzwerke beantragen. Das ist nicht unumstritten.

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    Auf den ersten Blick sieht er wie ein ganz normaler Lkw aus. Doch dann fällt auf: Dieser Lastwagen hat gar kein Führerhaus. Der gigantische Transporter bewegt 75 Tonnen Chemikalien völlig autonom über das Werksgelände der BASF.

    "Automated guided vehicles" nennt das der Chemiekonzern. Sensoren und Kamerasignale machen das möglich. Auf dem Fabrikgelände in Ludwigshafen gibt es derzeit rund 600.000 solcher Sensoren und Aktoren. Durch die Digitalisierung erhofft sich das Unternehmen rund zehn Mal so viele.

    Ein Netzwerk fürs Firmengelände

    Deshalb will die BASF ein eigenes 5G-Netzwerk auf dem Firmengelände errichten - auch, um unabhängig von Netzbetreibern zu sein. So sollen aus den derzeit sechs autonomen Transportern in Ludwigshafen einmal 20 werden. Mit 5G lassen sich auch die Augmented-Reality-Brillen, mit denen BASF-Mitarbeiter schon jetzt in der Produktion arbeiten, weltweit am besten vernetzen.

    "Es wird sich für alle Beteiligten lohnen, 5G zielgerichtet und rasch auszubauen und entsprechende Lösungen zu entwickeln, die diese Technologie im industriellen Rahmen optimal nutzen." Michael Heinz, BASF-Vorstandsmitglied

    Hohe Datenrate, kurze Reaktionszeit

    5G ist für die Industrie deshalb interessant, weil sich nicht nur viel größere Datenmengen drahtlos übertragen lassen, sondern auch weil der Mobilfunkstandard der 5. Generation reaktionsschnell ist. Das ermöglicht Übertragungen nahe an der Echtzeit - eine Voraussetzung für autonomes Fahren, aber auch für Industrie 4.0-Kommunikation in der Fertigung oder Roboterinteraktion ohne Kabel.

    Auch die Automobilbranche scharrt deshalb schon mit den Hufen: "Die Koordination von perspektivisch vielen hundert Transportsystemen und intelligenten Robotern in der Fabrik der Zukunft setzt den kabellosen Austausch großer Datenmengen in Echtzeit voraus", schreibt Volkswagen auf ARD-Anfrage. Auch VW will deshalb 5G-Lizenzen bei der Bundesnetzagentur erwerben. Gespräche mit Netzausrüstern laufen derzeit. Doch es gibt bislang noch keine Pilotprojekte.

    BMW ist da in China schon weiter: Das Joint Venture "BMW Brilliance" betreibt bereits seit Juli 5G-Mobilfunknetze an allen Produktionsstandorten und ist nach eigenen Angaben der erste Automobilhersteller, der die Technik anwendet. Jetzt sollen auch die Werke in Deutschland folgen. So könnten etwa Fahrzeug-Updates mit großen Datenmengen und Echtzeit-Diagnosen künftig aus der Ferne durchgeführt werden.

    5G und Industrie: "Weltweite Vorreiterrolle"

    Dass der Staat Lizenzen für "Campusnetzwerke" für die Industrie möglich gemacht hat, hatte international eine große Signalwirkung. "Deutschland ist dadurch weltweit in einer Vorreiterrolle", sagt Professor Hans Schotten vom Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz. Er leitet in Kaiserslautern eines der sechs 5G-Modellregion-Projekte in Deutschland. In seinem Projekt will er nächstes Jahr unter anderem ein portables 5G-Campusnetz auf Rädern an den Start bringen.

    "Wir wollen Unternehmen die Möglichkeit bieten, 5G auf ihrem Gelände zu testen. Das Interesse ist groß." Hans Schotten, Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

    Streit über Gebührenhöhe

    Lange musste die Industrie auf den Start der Lizenzvergabe warten, denn die Politik stritt über die Höhe der Gebühren für die 5G-Industrielizenzen. Das Finanzministerium wollte Medienberichten zufolge gerne mehr Geld damit einnehmen.

    Die Gebühr richtet sich nun nach der Fläche des Netzwerkes, der Nutzungsdauer und der benötigten Bandbreite.

    "Für die Unternehmen, die lokale Campusnetze beantragen wollen, muss das Verfahren rasch umsetzbar und die Nutzung der Frequenzen planbar sein." Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie.

    Im Vergleich zum Mobilfunk billig

    Verglichen mit den rund 6,5 Milliarden Euro, die Mobilfunkbetreiber wie Telekom für die 5G-Lizenzen zahlen mussten, fallen die Gebühren für die Industrie gering aus. Die Kritik der Netzbetreiber, dass überhaupt rund ein Fünftel des 5G-Spektrums für die Industrie reserviert bleibt, war bereits bei der Mobilfunkversteigerung im März heftig: "Das bedeutet vor allem ein Fünftel weniger für die Bürger dieses Landes", kritisierte Telekom-Sprecher Philipp Schindera. "Wir finden, das ist ein sehr großer Teil."

    Der Digitalverband Bitkom verweist auf seine Umfrage, wonach nur sechs Prozent der Unternehmen Interesse an unternehmenseigenen 5G-Netzen haben.

    "Es liegt also viel wertvolles Spektrum brach und man hätte intelligentere Wege finden können, hochsichere Netze auf die Betriebsgelände zu bringen, ohne die öffentlichen Netze zu beschneiden." Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer

    Neue Rolle für Netzbetreiber?

    Die Kritik von damals möchte die Telekom heute so nicht wiederholen. Sie hofft nun auch bei den 5G-Industrienetzen mit zu verdienen, indem sie als Dienstleister solche Netze aufbaut. "Wir haben das Know-how, um die Industrie als Partner zu unterstützen und gemeinsam Lösungen umzusetzen. Die lokalen Frequenzen können dabei das umfangreiche Frequenzspektrum der Telekom ergänzen", schreibt die Telekom auf ARD-Anfrage.