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Neue Überflutungen: Venedig wieder unter Wasser | BR24

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Innerhalb einer Woche ist Venedig zum dritten Mal überflutet worden. Das Wasser stieg auf mindestens 150 Zentimeter über den Meeresspiegel. Damit waren rund 70 Prozent der Stadt unter Wasser.

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Neue Überflutungen: Venedig wieder unter Wasser

Innerhalb einer Woche ist Venedig zum dritten Mal überflutet worden. Das Wasser stieg auf mindestens 150 Zentimeter über den Meeresspiegel. Damit waren rund 70 Prozent der Stadt unter Wasser.

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Seit Tagen fluten Wassermassen Venedig. Heute stieg das Wasser auf 150 Zentimenter über den normalen Meeresspiegel, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Damit waren rund 70 Prozent der Unesco-Welterbestadt unter Wasser. Brugnaro hatte zur "maximalen Vorsicht" aufgerufen. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Die Menschen würden sich nicht entmutigen lassen. "Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie", sagte er.

Der Markusplatz als tiefster Punkt der Stadt wurde erneut geflutet und aus Sicherheitsgründen gesperrt. Städtische Museen waren geschlossen. Der öffentliche Verkehr war stark eingeschränkt.

Höchste Flut seit mehr als 50 Jahren

Am Dienstag hatte die höchste Flut seit mehr als 50 Jahren riesige Schäden in der UNESCO-Welterbestadt angerichtet. Das Wasser war auf bis zu 187 Zentimeter über Normal-Null gestiegen. Fast jede zweite Kirche wurde beschädigt.

Nur einmal seit Beginn der Aufzeichnungen hatte es ein schlimmeres Hochwasser gegeben: 1966 lag der Pegelstand bei 1,94 Metern.

Schäden von rund einer Milliarde Euro

Die italienische Regierung hatte deshalb am Donnerstag den Notstand in Venedig ausgerufen. Das Hochwasser sei "ein Stich in das Herz unseres Landes", hatte Ministerpräsident Guiseppe Conte erklärt.

Seine Regierung sagte 20 Millionen Euro "für die dringendsten Maßnahmen" in der Lagunenstadt zu. Privatleute sollen mit jeweils bis zu 5000 Euro für die Flutschäden entschädigt werden, Geschäftsleute mit bis zu 20.000 Euro. Bürgermeister Brugnaro schätzte den bisher entstandenen Schaden auf etwa eine Milliarde Euro.

Brugnaro sagte, auch aus dem Ausland komme viel Hilfe, darunter aus Russland. Der Bürgermeister will ein weltweites Zentrum für Klimawandel-Studien in Venedig einrichten, das sich auch mit der Wasserverschmutzung beschäftigen solle. "Ich will einen großen Appell an die Wissenschaftler richten: Kommt hierher."

UNESCO fordert schnelle Inbetriebnahme von Hochwasserschutzprojekt

Die UNESCO hatte Venedig aufgefordert, das Großbauprojekt Mose zum Schutz der Lagunenstadt voranzutreiben. Die Direktorin des Welterbezentrums der UN-Kulturorganisation in Paris, Mechtild Rössler, hatte am Freitag angeboten, Experten zu schicken, um das 2003 begonnene Großbauprojekt zum Abschluss zu bringen. Das Vorzeigeprojekt, das bereits 1984 geplant wurde, stockte unter anderem wegen Korruptions- und Geldwäschevorwürfen.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte kürzlich, der Bau sei mittlerweile zu 93 Prozent abgeschlossen und "wahrscheinlich" im Frühjahr 2021 fertig. Zuletzt hatten Ingenieure entdeckt, dass Teile der Konstruktion verrostet waren. Venedig gehört seit 1987 zum Welterbe.