BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Neue Proteste und Festnahmen in Belarus | BR24

© picture alliance/Valery Sharifulin/TASS/dpa

Proteste in Belarus, hier beim Sieges-Obelisken in Minsk

4
Per Mail sharen

    Neue Proteste und Festnahmen in Belarus

    Auch wenn der Ton schärfer wird, die Demonstranten in Belarus geben nicht auf. Wieder versammelten sich Oppositionsanhänger, um gegen Staatschef Lukaschenko zu protestieren. Und erneut gehen Sicherheitskräfte gegen sie vor.

    4
    Per Mail sharen
    Von
    • tagesschau.de

    In Belarus gibt es weiter Großdemonstrationen der Oppositionsanhänger. Sie protestieren gegen Staatschef Lukaschenko. Und erneut gehen Sicherheitskräfte gegen sie vor.

    Lukaschenko-Gegner lassen sich nicht aufhalten

    In Minsk strömen seit dem Mittag Menschen ins Stadtzentrum. Die Opposition in Belarus hat wie in den vergangenen Wochen wieder zu Demonstrationen gegen Staatschef Alexander Lukaschenko aufgerufen. Trotz der Drohungen durch Polizei und Regierung lassen sie sich nicht aufhalten. Auch in mehreren anderen Städten kam es zu erneuten Protesten.

    Bereits zu Beginn der Demonstrationen kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Das oppositionelle Portal Nexta zeigte Videos im Messengerdienst Telegram, auf denen zu sehen ist, wie Polizisten der OMON-Einheiten Menschen aus der Menge ziehen und wegbringen. Nach Berichten der russischen Nachrichtenagentur TASS wurden auch in der Hauptstadt Minsk bereits mehr als zehn Demonstranten festgenommen.

    Polizeiaufgebot und Drohungen

    Hundertschaften von Polizei und Armee sind im Einsatz. In Minsk wurde der Unabhängigkeitsplatz im Zentrum erneut abgesperrt und Straßen durch Sicherheitskräfte blockiert. Am Palast der Republik standen nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa Soldaten mit Sturmgewehren.

    Im Vorfeld hatte das Innenministerium wieder vor der Teilnahme an den nicht genehmigten Demonstrationen gewarnt. Von Behördenseite wurde auch mit Gewalt gedroht.

    Hunderte Festnahmen bei Frauenmarsch

    Beim Marsch der Frauen, der ebenfalls seit einigen Wochen regelmäßig in Minsk stattfindet, wurden gestern nach Angaben des Innenministeriums 415 Menschen festgenommen. 385 seien wieder freigelassen worden. Auch in weiteren Städten habe es Festnahmen gegeben.

    "Neue Phase der Eskalation"

    Der Koordinierungrat der Opposition sprach von einer "neuen Phase der Eskalation der Gewalt gegen friedlich Protestierende". Auch die Zahl der Festnahmen habe sich erhöht. Swetlana Tichanowskaja, eine der Oppositionsführerinnen, lobte den Mut der Frauen in einer Videobotschaft aus ihrem Exil in Litauen. "Sie demonstrieren obwohl sie ständig bedroht und unter Druck gesetzt werden".

    Aber auch die Opposition macht Druck. Auf Telegram veröffentlichte Nexta eine Liste mit Namen und Geburtsdaten von etwa 1000 Angehörigen der Sicherheitsorgane, die gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgehen. Eine Hackergruppe, die sich "Cyber-Partisanen" nennt, hatte die Liste demnach erstellt. Nexta erklärte, die Einsatzkräfte seien zuvor gewarnt worden, dass ihre Namen veröffentlicht würden, sollten sie "verbrecherische Befehle" der Staatsführung ausführen.

    Die Demonstranten in Belarus fordern den Rücktritt der Regierung um Präsident Alexander Lukaschenko und Neuwahlen, bei denen er nicht mehr als Kandidat zugelassen wird. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren im Amt zum Wahlsieger erklären lassen. Die Opposition hält dagegen Tichanowskaja für die wahre Siegerin.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!