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Neue Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln kommt: nur welche? | BR24

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Vier Kennzeichnungen für Lebensmittel stehen zur Auswahl

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Neue Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln kommt: nur welche?

Im Moment läuft eine repräsentative Verbraucherumfrage, um eine neue vereinfachte Kennzeichnung von Lebensmitteln zu finden. Vier verschiedene Labels stehen zur Auswahl. Für zwei gibt es schon mal erste Umfrageergebnisse des Forsa-Instituts.

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Zur Auswahl stehen der sogenannte Nutri-Score, der "Wegweiser Ernährung" (MRI-Modell), das Keyhole-Modell aus Skandinavien und das BLL-Modell vom Lebensmittelverband Deutschland. Die vereinfachte Nährwertkennzeichnung soll es dem Verbraucher erleichtern, zu erkennen, wie viel Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln enthalten ist.

Nutri-Score im Vergleich zum "Wegweiser Ernährung"

Welche Nährwertkennzeichnung wünschen sich die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher? Im Auftrag der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Verbraucherorganisation foodwatch, der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sowie weiteren medizinisch-wissenschaftlichen Organisationen führte das Forsa-Institut eine Umfrage unter 1.000 Verbraucherinnen und Verbraucher durch. Es wurden hier zwei Kennzeichnungsmöglichkeiten miteinander verglichen und bewertet: Der Nutri-Score und der "Wegweiser Ernährung". Damit liegt eine erste repräsentative Verbraucherforschung zu den vorgeschlagenen Kennzeichnungsmodellen des Bundesernährungsministeriums vor.

"Wir brauchen eine Nährwertkennzeichnung, die für Verbraucher auf den ersten Blick erkennbar und verständlich ist." Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU)

Nutri-Score liegt vorne

Nach der Auswertung des Forsa-Instituts würden 69 Prozent aller Befragten von den beiden vorgestellten Kennzeichnungssystemen persönlich den Nutri-Score bevorzugen. Nur 25 Prozent finden den "Wegweiser Ernährung" (MRI-Modell) gut. Er wurde vom Max-Rubner-Institut entwickelt und bildet neben den fünf Nährstoffen Energie, Zucker, Salz, Fett und gesättigten Fettsäuren ein großes Sechseck ab, das eine zusammenfassende Bewertung in Form von Sternen vornimmt.

"Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher einfach erkennen können, wie ein Lebensmittel hinsichtlich der Nährstoffe beschaffen ist, fällt die Orientierung leichter und die gesunde Wahl wird einfacher." Bundesernährungsministerium

Auch Verbraucherzentrale Bayern klar für Nutri-Score

Verbraucherschützer unterstützen insgesamt die Einführung einer einfachen Lebensmittelkennzeichnung. Der Käufer brauche Orientierung. Er habe jedoch nicht die Zeit beim täglichen Einkauf jede einzelne Packung umzudrehen und die Nährwerte zu studieren, so Daniela Kehr von der Verbraucherzentrale Bayern. Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich Käufer für gesündere Lebensmittel entscheiden, wenn eine einfache Kennzeichnung auf den Produkten zu finden ist. Von Anfang an sprachen sich die Verbaucherschützer für das Label Nutri-Score aus, da es wissenschaftlich bereits als sehr gut untersucht und bewertet wurde.

"Beim Nutri-Score wurden positive und negative Inhaltsstoffe zusammen berechnet, so dass es nicht eine reine Positivbewertung ist, sondern auch gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker mit berücksichtigt.“ Daniela Krehl, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung, Verbraucherzentrale Bayern

Nutri Score wurde 2017 in Frankreich eingeführt. Mehrere Hersteller haben damit begonnen, ihre Lebensmittel für den deutschen Markt bereits mit der fünfstufigen, farblichen Nährwertkennzeichnung zu bedrucken. Das Label wurde von Wissenschaftlern entwickelt. Es weist auf einer Farbskala verschiedene Nährwerte und Eigenschaften eines Lebensmittels aus und gibt dafür einen Wert von grün (A=gut) bis rot (E=weniger gut).

Die Umfrage-Ergebnisse im Detail

Nach der Umfrage des Forsa-Instituts ist das Nutri-Score auffallender (90 Prozent), sinnvoller in der Farbgestaltung (88 Prozent) und ist schneller erfassbar (87 Prozent). Die große Mehrheit von drei Vierteln aller Befragten sieht auch eher den Nutri-Score als leicht verständlich (78 Prozent) an und meint, er hebe sich von anderen Siegeln, Labels oder Kennzeichnungen ab (74 Prozent). Ebenfalls meinen mehr Befragte vom Nutri-Score (60 Prozent) als vom Wegweiser Ernährung, dass er die Auswahl gesunder Lebensmittel erleichtert.

Häufiger dem Wegweiser Ernährung als dem Nutri-Score wird zugeschrieben, dass er genügend Informationen liefert. Allerdings meinen auch deutlich mehr Befragte vom Wegweiser Ernährung als vom Nutri-Score, dass dieser verwirrend (60 Prozent) und kompliziert (65 Prozent) sei.

Das Bundesernährungsministerium kritisiert die Umfrage. Die Lebensmittelinformations-Verordnung und damit EU-Recht verlangt `fundierte und wissenschaftlich haltbare Erkenntnissen der Verbraucherforschung'. Foodwatch habe die Verbraucherbefragung jüngst kritisiert, so das Ministerium. "Wie passt das dazu, dass Foodwatch nun offenbar selbst eine Umfrage durchführt, deren Methodik vollkommen im Unklaren bleibt?“, schreibt das Ministerium auf Anfrage dem BR.

Warum noch ein Label?

Nach Zahlen des Bundesernährungsministeriums sind 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig.

"Zu viel Zucker, Fette, gesättigte Fettsäuren und zu viel Salz sind nicht die einzigen, aber wichtige Gründe für die Entstehung von ernährungsmitbedingten Krankheiten wie Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Bundesernährungsministerium

Die Verbraucherzentrale Bayern kritisiert den hohen Aufwand durch das Bundesernährungsministerium. Die Frage ist, ob es nicht besser gewesen wäre, schneller zu agieren als nun noch einmal aufwendige Befragungen durchzuführen, so Daniela Krehl. Es wären bereits Unternehmen bereit gewesen, den Nutri-Score auf den Verpackungen ihrer Produkte zu drucken. "Hier können wir nur neidisch auf Frankreich blicken, die deutlich schneller sind, wenn es um den Verbraucherschutz geht", so Krehl gegenüber dem BR. "Wir hoffen eigentlich auf eine gesamteuropäische Lösung", so die Verbraucherschützerin.

Suche nach dem richtigen Label

Nährwerttabellen auf Lebensmitteln sind seit Ende 2016 Pflicht. Seit mehreren Jahren stehen vereinfachte Modelle zur Nährwertkennzeichnung in der Diskussion, um Verbrauchern den Griff zu gesünderen Lebensmittelvarianten zu erleichtern. Nach EU-Recht können Hersteller vereinfachte Nährwertkennzeichnungen derzeit nur freiwillig und zusätzlich zur verpflichtenden Nährwerttabelle aufdrucken. Sie müssen dabei die Vorgaben der Lebensmittelinformationsverordnung beachten. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) plant, ein einheitliches System einzuführen, das eine möglichst breite Akzeptanz bei Herstellern, Händlern und Verbrauchern findet.

"Für die Konzipierung, Durchführung und Auswertung der Verbraucherforschung zur erweiterten Nährwertkennzeichnung sind derzeit Ausgaben von rund 130.000 EUR (brutto) vorgesehen." Bundesernährungsministerium

Deshalb will das BMEL die Verbraucher in die Entscheidung einbeziehen: Von Juli bis September 2019 führt ein Meinungsforschungsinstitut die qualitative und quantitative Verbraucherforschung durch. Dabei werden die folgenden vier Modelle BLL-Modell, Keyhole®, MRI-Modell sowie Nutri-Score einbezogen. Die Ergebnisse der Verbraucherbefragungen sollen im September 2019 vorliegen und werden maßgeblich für die weitere Entscheidung sein.

Keine einheitliche Lösung

Weltweit gibt es die verschiedensten Kennzeichnungen. Die britische Ampel beschreibt so zum Beispiel die Energie- oder Nährwertgehalte eines Produktes und bewertet sie. Das skandinavische Keyhole-Label, aber auch das australisch-neuseeländische Health Star Rating geben eine zusammenfassende Bewertung des Gesundheitswerts eines gesamten Produkts an.

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