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Neue Eskalationsstufe: Iran attackiert US-Stützpunkte im Irak | BR24

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Nach dem US-Luftangriff auf General Soleimani hat Iran US-Militärbasen im Irak bombardiert.

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Neue Eskalationsstufe: Iran attackiert US-Stützpunkte im Irak

Der Iran hat in der Nacht Raketen auf amerikanische Militärbasen im Irak gefeuert - als Rache für die Tötung des Generals Soleimani. Es gebe keine Verletzten, hieß es von US-Seite. Doch die Angst vor einer weiteren Verschärfung des Konflikts wächst.

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In der vergangenen Nacht hat der Iran US-amerikanische Ziele im Irak bombardiert. Nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums seien der Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad im Zentrum des Iraks und eine Militärbasis in der nördlichen Stadt Erbil betroffen. Es seien 22 Raketen abgefeuert worden, der Angriff habe eine halbe Stunde gedauert, berichteten Vertreter des irakischen Militärs.

Es gebe keine Verletzten, hieß es von amerikanischer Seite, der Angriff sei "glimpflich" verlaufen. Der TV-Sender Sky News Arabia berichtete doch, dass fünf irakische Soldaten bei dem Angriff verletzt worden seien. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür nicht.

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Die angegriffenen US-Militärstützpunkte liegen im Norden und Westen des Iraks.

Soldaten konnten sich rechtzeitig schützen

Einem Medienbericht zufolge wurden die US-Soldaten vor dem iranischen Raketenangriff gewarnt. Dank eines frühzeitigen Alarms hätten sie Zeit gehabt, sich in Schutzbunkern in Sicherheit zu bringen, berichtete CNN unter Berufung auf einen Angehörigen des US-Militärs.

US-Präsident Donald Trump will sich am Mittwochmorgen (Ortszeit) zu den Ereignissen der vergangenen Nacht äußern, das hatte er am Dienstagabend auf Twitter angekündigt. "Alles ist gut", versuchte Trump mit einem Tweet den Angriff herunterzuspielen.

Iran: Angriff war "Akt der Selbstverteidigung"

Die iranischen Revolutionsgarden teilten mit, der Luftwaffenstützpunkt Ain al-Assad sei "vollständig zerstört" worden. Die Angriffe gelten als Rache für die gezielte Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA. Die Regierung in Teheran hat die Angriffe als rechtmäßigen "Akt der Selbstverteidigung" bezeichnet.

"Wir streben nicht nach einer Eskalation oder Krieg, aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen", schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif in der ersten offiziellen Regierungsstellungnahme nach den Angriffen am Mittwoch auf Twitter. Der Iran habe "verhältnismäßige Maßnahmen zur Selbstverteidigung ergriffen und abgeschlossen." Die Raketenangriffe auf Ziele im Irak seien nur der erste Schritt gewesen, sagte ein Kommandeur der Revolutionsgarden im iranischen Fernsehen. Der Iran werde die Amerikaner nicht verschonen.

Direkter Angriff als neue Eskalationsstufe

Im Irak sind rund 5.000 US-Soldaten stationiert, die ein internationales Militärbündnis zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anführen. Zwar hatten örtliche schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt werden, die US-Stützpunkte im Irak zuletzt häufiger mit technisch einfacheren Raketen angegriffen. Ein direkter Angriff aus dem Iran markiert jedoch eine neue Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte als Reaktion auf die Angriffe für US-Fluggesellschaften vorübergehend den Luftraum über dem Irak, dem Iran, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Deutschen Soldaten geht es gut

International wurde der iranische Angriff scharf verurteilt: "Wir rufen den Iran dringend auf, solche rücksichtslosen und gefährlichen Angriffe nicht zu wiederholen", äußerte sich der britische Außenminister Dominic Raab. Auch die Bundesregierung in Berlin bezog Stellung zu den Geschehnissen. "Ich kann nur sagen (...), dass wir diese Aggression auf das Schärfste zurückweisen", sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt müsse alles getan werden, um die Lage zu beruhigen.

Martin Huth, der EU-Botschafter im Irak warnte nach den Bombardements der vergangenen Nacht vor einem Stellvertreterkrieg in diesem Staat. Mit den Angriffen verletze der Iran die Souveränität des Irak. Den deutschen Soldaten gehe es jedoch laut einem Sprecher des Einsatzführungskommandos gut. Man stünde in Kontakt mit ihnen, hieß es. In dem nordirakischen Kurdengebiet sind noch mehr als 100 deutsche Soldaten im Einsatz. Sie haben ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft.

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen in den Iran

Wegen der angespannten Lage warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in den Iran. Nicht erforderliche Reisen sollten nach Möglichkeit verschoben werden, heißt es auf der Website. Viele Fluggesellschaften streichen zudem vorübergehend ihre Verbindungen. Die Lufthansa erklärte am Mittwochmorgen, dass die tägliche Flugverbindung bis auf weiteres ausfalle. Auch der nächste, für Samstag vorgesehene Flug nach Erbil im Irak ist gestrichen. Im Laufe des Tages soll entschieden werden, wie weiter verfahren wird, erklärte ein Sprecher des Unternehmens.

Auch die französische Fluggesellschaft Air France und die niederländische KLM werden Iran und Irak zunächst nicht mehr überfliegen. Flüge mit Zielen in Südost-Asien und dem Mittleren Osten, die normalerweise über diese Länder fliegen, würden umgeleitet. Das verursache zehn bis zwölf Minuten Verspätung, zitierte der Rundfunksender NOS einen KLM-Sprecher.

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Der Iran hat in der Nacht Raketen auf US-Militärbasen im Irak gefeuert. Noch ist unklar, wie der Irak zu den Angriffen steht, sagte ARD-Bagdad-Korrespondent Stenzel in der Tagesschau.