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Neue "beste" Freunde? - Putin zu Gast in der Türkei | BR24

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Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei (l.) und Wladimir Putin (r.) bei einer Konferenz im vergangenen Oktober.

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Neue "beste" Freunde? - Putin zu Gast in der Türkei

Die Türkei und Russland haben in der letzten Zeit ein gutes Verhältnis gepflegt. Doch in Libyen stehen Moskau und Ankara auf unterschiedlichen Seiten. Das dürfte ein Topthema bei Wladimir Putins Staatsbesuch in der Türkei werden.

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Die Mittelmeer-Anrainer teilen die Bodenschätze unter sich auf und die Türkei bleibt auf der Strecke. Das ist der Eindruck, den der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen Landsleuten vermittelt: "Die regionalen Allianzen, die im östlichen Mittelmeerraum geschmiedet werden, und was die Machtkämpfe ergeben, das ist für unsere nahe Zukunft lebenswichtig", so Erdogan. "Da können wir nicht tatenlos zuschauen. Wir sind gezwungen, unseren eigenen Spielplan zu erarbeiten und umzusetzen."

Erdogan will Bodenschätze für die Türkei sichern

Bei den Gasfeldern vor Zypern hat er das gemacht. Er hat Bohr – und Forschungsschiffe in Begleitung der Marine geschickt. Jetzt ist Libyen dran. Auch dort hat Erdogan wirtschaftliche Interessen. Er will sich Gasvorkommen im Mittelmeer sichern. Er unterstützt die Einheitsregierung in Tripolis.

"Um von den Bodenschätzen des östlichen Mittelmeerraums zu profitieren und die miteinander zu teilen, kooperieren die Mittelmeer-Anrainer miteinander", sagt Faik Öztirak, Sprecher der Oppositionspartei CHP. "Darum tauschen sie sich diplomatisch aus, entsenden ihre Wirtschaftsreferenten, ihre Geschäftsleute. Aber die Führung von Herrn Erdoğan sieht sich gezwungen, Soldaten zu entsenden, um die Regierung in Libyen zu retten, um Präsenz im Mittelmeer zu zeigen." Diese Regierung steht unter Druck. Denn der abtrünnige General Haftar hat eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis gestartet.

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Russlands Präsident Putin ist zu einem Besuch in die Türkei gereist.

Aksay: Kein offener Konflikt zwischen Russland und Türkei in Libyen

Russland unterstützt Haftar. Der türkische Journalist Hakan Aksay war lange Korrespondent in Russland. Er glaubt nicht an eine offene Konfrontation der beiden Länder auf libyschem Boden: "Die Türkei weiß, dass sie Haftar nicht plötzlich besiegen kann und stellt sich deshalb, wie schon in Syrien auch in Libyen eher eine türkisch-russische Kooperation vor: gemeinsame Patrouillen zum Beispiel", erklärt Aksay. "Damit sollen dann die Türkei und Russland die Vorhut einer Friedensmission in Libyen werden. Dadurch, so denkt sich das die Türkei aus, könnte man innenpolitisch und außenpolitisch punkten."

Erdogan hatte im Herbst mit der Einheitsregierung in Tripolis, die international anerkannt wird, ein Abkommen über Seegrenzen geschlossen. Dadurch will er sich Bodenschätze im Mittelmeer sichern. Das könnte Teil von Verhandlungen werden, meint Aksay. Aber auch Nordsyrien könnte dabei Thema werden. In Idlib unterstützt die Türkei die Rebellen, Russland Machthaber Assad. Der ist auf dem Vormarsch. "In die Verhandlungsmasse könnte auch Syrien mit einfließen", meint Aksay. "Russland könnte einen Deal aushandeln, der natürlich zu seinen Gunsten ausfällt, aber daneben auch die Türkei in Schach hält. Aber klare Vorhersagen... dafür ist es noch zu früh."

Will Putin Türkei aus Nato herauslösen?

Erdogan dürfte durch das Mandat für Libyen versucht haben sich für die Verhandlungen mit Russland zu positionieren. Wie genau es ausgestaltet ist, da hält sich Regierungssprecher Ömer Celik bedeckt: "Bitte fragen Sie mich nicht nach Details. Wir können auf See oder an Land sein. Fragen zu Zahlen und Kontingenten unserer Verbände zu beantworten – das kann ich nicht machen. Zum einen, weil wir die Sicherheit unserer Soldaten nicht gefährden wollen; zum anderen, weil wir effektiv vorgehen wollen."

Experten unterstellen Putin schon länger, dass er die Türkei aus der Nato herauslösen will. Beispielsweise hat er ihr im Sommer das Raketenabwehrsystem S400 geliefert - gegen den Willen des Nato-Partners USA. Der Russland-Experte Aksay glaubt nicht an diese Theorie: "Putin will das gar nicht. Putin will einerseits die Türkei ausnützen und andererseits die Nato und das westliche Lager von innen heraus schwächen und polarisieren. Das soll die Position Russlands insgesamt und Putins Rolle innenpolitisch stärken. Und das gelingt ihm auch ganz gut; sei es durch das Vorgehen im Nahen Osten oder durch den Verkauf von S400. Aber ich bezweifle, dass Russland die Türkei darüber hinaus näher an sich binden will."

"Die Interessen der Türkei und Russlands decken sich nie komplett ab", beschreibt der frühere türkische General Ahmet Yavuz das Verhältnis der beiden Länder. "Man muss sich das wie zwei Kreise vorstellen, die sich teilweise überschneiden. Die gemeinsamen Interessen sind mal größer, mal kleiner, je nachdem, was gerade nationales Interesse ist." Aber auch er glaubt, dass Putin und Erdogan sich einigen werden, wie sie das auch schon im Herbst bei Nordsyrien nach der türkischen Offensive getan haben.