BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

"Netanjahu wollte den Eklat" | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Netanjahu wollte den Eklat"

Der frühere israelische Botschafter Avi Primor kritisiert Netanjahus Absage an Sigmar Gabriel. Hintergrund sei ein Machtkampf im rechten Lager. Gabriel habe sich richtig verhalten, betont Primor - und auch andere Politiker stärken ihm den Rücken.

Per Mail sharen
Teilen

Bei der Absage eines Treffens mit Bundesaußenminister Gabriel habe Netanjahu die "extreme Rechte" in seiner Regierungskoalition im Blick gehabt, so Primor im Interview mit der radioWelt am Morgen auf Bayern 2.

"Insofern wollte er den Eklat haben, weil das für ihn günstig ist in seinem Machtkampf gegen Konkurrenten innerhalb des rechten Lagers in Israel. Das hat wenig mit Deutschland zu tun." Avi Primor

"Gabriel hat sich richtig verhalten"

Die Gespräche Gabriels mit Nichtregierungsorganisationen verteidigte der Ex-Botschafter.

"Ich glaube, dass Sigmar Gabriel sich richtig verhalten hat. Es ging ja auch um seine Ehre und die Ehre Deutschlands. Ich glaube nicht, dass er sich anders verhalten konnte, und ich glaube auch nicht, dass Netanjahu es anders erwartet hat." Avi Primor

Auf die deutsch-israelischen Beziehungen werde der Vorfall wohl keine Auswirkungen haben, so Primor. Aber: "Natürlich ist das für Israel weltweit nicht sehr günstig, um es sehr milde zu sagen."

Enttäuschung bei Außenpolitik und Amnesty

Der SPD-Außenexperte Niels Annen sagte dem Bayerischen Rundfunk, es handele sich um "eine traurige Entwicklung im deutsch-israelischen Verhältnis". Eine solche Reaktion hätte er sich "eher in einem autoritär regierten Staat" erwartet.

Auch Außenpolitiker der Union stärkten Gabriel den Rücken. Dass Gespräche mit regierungskritischen Organisationen "mit Gesprächsverweigerung sanktioniert werden, sei sehr außergewöhnlich und sehr bedauerlich", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), der "Heilbronner Stimme". "Netanjahu hat hier einen Fehler gemacht", urteilte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter in der "Welt".

"Geht gar nicht"

Die Grünen-Rechtspolitikerin Renate Künast sagte der Nachrichtenagentur AFP, Treffen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen gehörten "zur freien Meinungsbildung dazu". Der grüne Vorsitzende der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck, erklärte: "Gesprächsverbote gehen gar nicht." Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte Netanjahus Entscheidung.