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Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten lässt sich laut der Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer zwar eindämmen, aber auf Dauer nicht lösen.

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Nahostkonflikt: Islamwissenschaftlerin Krämer ist pessimistisch

Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer sieht keine Lösung im Nahostkonflikt und bezeichnet im Interview mit Bayern 2 die israelische Siedlungspolitik als großes Problem.

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Von
  • Birgit Harprath
  • BR24 Redaktion

Der Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden Hamas hält trotz internationaler Vermittlungsversuche seit Tagen an. Militante Palästinenser beschießen Israel fortwährend mit Raketen - nach Angaben der israelischen Armee waren es zuletzt bereits rund 2.300. Israel reagiert mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet.

Laut Deutscher Presse-Agentur lehnte Israel ein Angebot Ägyptens zur Vermittlung einer Feuerpause ab. Derzeit bemühen sich die USA intensiv um Deeskalation.

Islamwissenschaftlerin: Es hakt am Willen der Entscheider

Der aktuelle Konflikt im Nahen Osten lässt sich laut der Islamwissenschaftlerin Gudrun Krämer zwar eindämmen, aber auf Dauer nicht lösen. Man habe nun Jahre und Jahrzehnte verhandelt und doch nichts Rechtes zu Stande gebracht, so Krämer im Interview mit Bayern 2.

"Es gibt für mich keinen Grund anzunehmen, dass sich die politischen Entscheider entsprechend entwickelt hätten, dass sie zu größeren Würfen in der Lage oder auch nur bereit sind." Gudrun Krämer

Extremisten lösen die Eskalationsspirale aus

Angesichts der angestauten Spannungen sei die Eskalation nur eine Frage der Zeit gewesen. Das Muster ist laut Krämer dabei ein vertrautes: "Es werden von palästinensischer Seite – aber nicht von irgendwelchen Palästinensern, sondern von radikalen Gruppen Raketen abgeschossen und Israel schlägt mit großer Härte zurück. Und da Israel ganz anders ausgerüstet ist militärisch als die Palästinenser, sind die Opfer immer sehr ungleich verteilt."

"Siedlungspolitik eines der größten Probleme"

Für die Islamwissenschaftlerin ist die israelische Siedlungspolitik eines der größten Probleme, "weil hier gegen das internationale Völkerrecht Land genommen wird". Für Gudrun Krämer ist "fast kein lebensfähiger palästinensischer Staat mehr vorstellbar". Um den zu schaffen, müssten ihrer Meinung nach einerseits Siedlungen wieder aufgelöst werden, andererseits müsste ein funktionstüchtiges, palästinensisches politisches System aufgebaut werden.

Denn dem einen oder dem anderen ausschließlich legitime oder ausschließlich illegitime Ansprüche auf das Land zuzuschreiben, sei historisch einfach falsch.

"Und hier liegt das nicht auflösbare Problem: Juden, die das durchgemacht haben, was sie in Europa durchleiden mussten, haben einen Anspruch darauf gehabt, selbstbestimmt so zu leben, wie sie das möchten. Dass das ausgerechnet auf arabischem Boden durchgesetzt wurde, ist ein historisches Problem, mit dem man sich arrangieren muss. Es gibt da kein Zurück. Man kann nicht diese Entscheidung des Sicherheitsrates zurückdrehen." Gudrun Krämer

Man könne aber das zurückdrehen, was seit 1948 geschehen ist, führt Krämer aus - die Besetzung etwa von Westbank und Gaza, und dort eine Lösung finden, die palästinensischen Ansprüchen entspricht. Da gebe es unterschiedliche Modelle, die theoretisch realisierbar wären, aber an den Realitäten bis auf Weiteres scheiterten.

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