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Nachtzüge boomen in Europa - doch ohne die Deutsche Bahn | BR24

© BR/Anton Rauch

Kein Nachtzug - nirgends. Während es in Europa einen Boom bei den Nachtzügen gibt, bleibt Deutschland beim Abschied vom Nachtzug. Die österreichische ÖBB nutzt die Marktlücke und baut ihr Programm aus - zum Beispiel von München nach Rom.

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Nachtzüge boomen in Europa - doch ohne die Deutsche Bahn

Während es in Europa einen Boom bei den Nachtzügen gibt, bleibt die Deutsche Bahn auch zum Fahrplanwechsel beim Nein zum Nachtzug. Die ÖBB nutzt die Marktlücke und baut ihr Programm aus - zum Beispiel von München nach Rom.

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Die Deutsche Bahn hat sich vor drei Jahren aus dem Geschäft mit den Nachtzügen verabschiedet. Demgegenüber investieren die europäischen Nachbarn in die Nachtzüge - wie Österreich, die Schweiz und die Niederlande. So gibt es zum Beispiel einen Nachtzug von München nach Rom, aber den betreibt die österreichische ÖBB.

Zug für viele komfortabler als Fliegen

Besuch am Gleis vor der Abfahrt des Nachtzugs nach Rom: Ein Pärchen aus Australien ist froh, dass es diesen Zug in die italienische Hauptstadt gibt, sie schätzen den Komfort und sind auch mit dem Preis zufrieden - denn den Sitzplatz gibt es schon ab 29 Euro. Außerdem müssten sie sich nicht mit dem aufwendigen Check-in am Flughafen herumärgern, sagen sie, sondern könnten direkt in der Stadt in den Zug steigen.

Doch ein richtiger Nachtzug hat Liege- und Schlafwagen. Auch im Schlafwagen ist es kurz nach 20 Uhr schon voll. Noch sind die Betten hochgeklappt, aber die Passagiere richten sich in ihrem Abteil schon ein. So auch eine Lehrerin aus Niederbayern, die mit ihrem Partner aus München die Reise antritt: "Ich hatte bei meiner letzten Flugreise einen schlimmen Flug und deswegen habe ich gesagt: Ich fliege nicht mehr", schildert sie. Der Nachtzug hat für sie gleich zwei Vorteile: "Man kommt ausgeruht an. Und nachhaltig ist es auch - wegen der besseren CO2-Bilanz."

ÖBB baut Geschäft mit Nachtzügen weiter aus

Tatsächlich sind die teuren Schlafwagenabteile am schnellsten ausgebucht, wie man bei der Verwaltung der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) in Wien erfährt. Die Nachfrage ist sogar noch gestiegen, seit die ÖBB vor drei Jahren die alten Nachtzüge der Deutschen Bundesbahn übernommen hat. Das Streckennetz der ÖBB umfasst Deutschland, die Schweiz und Italien. München ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Fahrten nach Venedig, Mailand, aber auch nach Düsseldorf und Hamburg.

Weil die "Nightjets" so gut laufen, baut die ÖBB das Nachtzuggeschäft noch aus: Im kommenden Jahr soll es von München aus wieder Schlafwagen nach Amsterdam und nach Brüssel geben. Dafür investiert die ÖBB mehr als 200 Millionen Euro in neue und modernere Züge. "Alle unsere Schlafwagenabteile haben eine private Dusche und Toilette, im Liegewagen gibt es nur noch Viererabteile, und für Alleinreisende gibt es sogenannte Mini-Suiten, wo man eine kleine abgeschlossene Einheit für sich zum Schlafen hat", sagt Bernhard Rieder von der ÖBB.

Deutsche Bahn bleibt beim Nein zum Nachtzug

Die Deutsche Bahn dagegen sieht das Potenzial bei Nachtzügen nicht und spricht von einer absoluten Nische mit etwa einem Prozent der Fernverkehrsreisenden. Das sei für die DB nicht wirtschaftlich darstellbar. Der Fernverkehr müsse Gewinne machen und "eigenwirtschaftlich" sein, da tue sich die ÖBB leichter.

Die Deutsche Bahn investiert deshalb in Hochgeschwindigkeit wie die Vier-Stunden-Strecke von München nach Berlin. Die Bahn verweist darauf, dass sie außerdem eine langsamere nächtliche ICE-Verbindung über Leipzig nach Berlin anbiete. Liege- oder Schlafwagen gibt es dort aber nicht.