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Ein Zapfhahn an einer Tankstelle mit dem Aufdruck "Diesel".
© picture alliance/imageBROKER
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Ein Zapfhahn an einer Tankstelle mit dem Aufdruck "Diesel".

Die deutschen Autohersteller sind bei der Nachrüstung von Dieselautos mit Abgas-Software noch immer im Verzug: Rund 1,2 Millionen Fahrzeuge sind noch nicht auf dem neusten Stand. Diese hätten eigentlich bis zum Jahresende 2018 umgerüstet werden sollen.

Die Automobilhersteller hatten 2017 für 5,3 Millionen Wagen zugesagt, den Stickoxid-Ausstoß um im Schnitt rund ein Viertel zu senken. In einer Antwort der Bundesregierung vom 29. März auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hieß es, davon seien inzwischen jedoch nur 4,1 Millionen umgerüstet worden.

Eine Million weitere Updates

Die übrigen Autos befänden sich "in der Umrüstung, stehen kurz davor oder sind in der konkreten Planung für die Umrüstung", teilte das Verkehrsministerium der ARD mit. In den zurückliegenden Wochen sei eine Vielzahl von Freigaben erteilt worden. "Daher ist von einem zügigen Anstieg der Umrüstzahlen auszugehen." Dass noch nicht alle 5,3 Millionen Fahrzeuge fertig umgerüstet wurden, liege daran, "dass die Hersteller zu ihren Anträgen auf Freigabe des Software-Updates zum Teil noch die notwendigen technischen Unterlagen an das Kraftfahrt-Bundesamt liefern müssen."

Seit 2017 hat sich die Zahl der umzurüstenden Dieselautos außerdem auf insgesamt 6,3 Millionen erhöht. Die eine Million zusätzliche Fahrzeuge seien teils auf verpflichtende Rückrufe für deutsche Autobauer, teils auf freiwillige Updates deutscher und ausländischer Hersteller zurückzuführen, so das Ministerium. Ihre Umrüstung erfolge im Anschluss an die der 5,3 Millionen Fahrzeuge.

Wie kann sich der Autofahrer gegenüber dem Hersteller durchsetzen?

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Kritik an Scheuer

Der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn kritisierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Er habe sich bei den freiwilligen Software-Updates "von der Autoindustrie vorführen lassen". Bei etlichen Automodellen seien auch verpflichtende Rückrufe angeordnet worden, diese seien aber teilweise bis heute nicht gestartet. Mit Diskussionen um Messstellen und Stickoxid-Grenzwerte habe der Verkehrsminister vom Nichtstun seiner Behörden erfolgreich abgelenkt, so Kühn. "Solange Scheuer bei den Rückrufen nicht aufs Tempo drückt, trägt er die Verantwortung für weitere Fahrverbote in unseren Städten."

Strengere Grenzwerte für Feinstaub?

Derweil berichtete die "Süddeutsche Zeitung", dass das Umweltbundesamt (UBA) auf strengere Grenzwerte für Feinstaub drängt. Behördenchefin Maria Krautzberger verwies demnach auf entsprechende Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "Auch wir im Umweltbundesamt sehen die Risiken durch zu hohe Feinstaubkonzentrationen", sagte sie. Daher halte ihre Behörde eine "Diskussion über schärfere Grenzwerte" für erforderlich.

Die Gefahren durch Feinstaub sind in Verbindung mit der Debatte um Dieselfahrverbote und den Stickoxidausstoß von Diesel-Fahrzeugen wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte am Dienstag in einem Gutachten zwar die Gefahren durch Stickoxide bestätigt, Feinstaub jedoch als das weitaus schwerwiegendere Problem eingestuft. Daher müsse es zusätzliche Anstrengungen geben, um die Feinstaubkonzentrationen in der Luft zu verringern, forderten die Wissenschaftler.

In Folge des Diesel-Abgasskandals haben die Gerichte in Deutschland mit einer Klageflut zu kämpfen.

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