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Nachhaltige Textilien? Fünf Antworten zum "Grünen Knopf" | BR24

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Wer Textilien schätzt, die unter fairen und umweltschonenden Bedingungen hergestellt wurden, kann sich nun an einem Siegel orientieren: Vergeben wird der grüne Knopf an Hersteller, die Mindestlöhne zahlen und auf Zwangs- und Kinderarbeit verzichten.

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Nachhaltige Textilien? Fünf Antworten zum "Grünen Knopf"

Nachhaltigkeit von Bangladesch bis Berlin – das ist das erklärte Ziel von Entwicklungsminister Müller (CSU): Der "Grüne Knopf" soll künftig fair produzierte Textilien kennzeichnen. Doch das neue Siegel wirft auch Fragen auf, die wir hier beantworten.

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Was ist der Grüne Knopf?

Mit dem neuen, freiwilligen Siegel werden Textilien gekennzeichnet, die sozial und ökologisch nachhaltig hergestellt wurden. Die Unternehmen, die den "Grünen Knopf" verwenden dürfen, müssen insgesamt 46 staatlich festgelegte Kriterien aus dem Sozial- und Umweltbereich erfüllen, wie etwa: Ist Kinder- und Zwangsarbeit verboten? Bekommen die Näherinnen den Mindestlohn? Wird auf die Verwendung gefährlicher Chemikalien verzichtet?

Das Unternehmen muss sich regelmäßigen Kontrollen von unabhängigen Prüfern, etwa des TÜV, unterziehen. Außerdem muss es sowohl seine Lieferketten als auch die Produktionsprozesse transparent machen.

Das sei das Besondere am "Grünen Knopf", betont Entwicklungsminister Müller:

"Das gesamte Unternehmen wird kontrolliert. Einzelne Vorzeigeprodukte reichen alleine nicht aus." Gerd Müller (CSU), Entwicklungshilfeminister

Der "Grüne Knopf", der nicht wirklich als Knopf, sondern als Etikett am Textil befestigt ist, wird für maximal drei Jahre vergeben, einmal im Jahr werden die Firmen stichprobenartig überprüft.

Ist alles an einem "Grünen Knopf"-Textil nachhaltig?

Nicht zwingend. Zum Start des Siegels werden nur die Produktionsprozesse in den Bereichen "Färben und Bleichen" und "Zuschneiden und Nähen" abgedeckt, jedoch nicht im Bereich "Spinnen und Weben" und am Anfang der Rohstoff-Lieferkette, also etwa bei der Ernte auf dem Baumwollfeld.

Was sagen Kritiker?

Genau dies bemängeln auch Menschenrechts- und Umweltorganisationen: Greenpeace kritisiert, dass auch Produkte aus Gentechnik-Fasern das Siegel bekommen könnten, weil die Überprüfung nicht bei der Faserproduktion beginne. Auch Terre des Hommes weist darauf hin, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass Kinderarbeit auf dem Baumwollfeld oder Sklaverei in Spinnereien stattfinde. Außerdem seien Mindestlöhne nicht gleichbedeutend mit existenzsichernden Löhnen. Medico International fordert gesetzliche Regelungen. Dass sich die Unternehmen freiwillig am "Grünen Knopf" beteiligen, mache das Label "praktisch wirkungslos".

Der Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie will kein Statement pro oder contra "Grünen Knopf" abgeben. Der Gesamtverband textil+mode machte aber deutlich: "Wir haben kein Vertrauen in das neue Siegel." Deshalb werde man es den rund 1.400 angehörenden Unternehmen nicht empfehlen. Als Begründung heißt es in einer Mitteilung:

"Wir können nicht zulassen, dass die international etablierten Siegel und Zertifizierungssysteme, in die unsere Unternehmen seit langem viel investieren, Schaden nehmen." Gesamtverband textil+mode

Entwicklungsminister Müller weiß um die Schwächen seines Siegels, betont aber, man mache immerhin einen Anfang.

"Faire Lieferketten sind möglich. Ab heute kann das keiner mehr in Frage stellen. Das beweisen alle Unternehmen, die mitmachen." Gerd Müller (CSU), Entwicklungshilfeminister

Wenn die Einführungsphase in zwei Jahren abgeschlossen ist, sollen weitere Produktionsschritte in den Prozess eingeschlossen werden – auch der Baumwollanbau und die -ernte.

Wer macht mit?

Zum Start des "Grünen Knopfes" beteiligen sich 27 Unternehmen, die die Anforderungen des Siegels erfüllen. Aus Bayern ist das Unternehmen "Manomama" dabei. 26 weitere befinden sich noch in der Überprüfung, darunter Hugo Boss und Otto.

Diese Firmen dürfen den "Grünen Knopf" verwenden:

Alma & Lovis, Aldi Nord, Aldi Süd, Brands Fashion, CharLe, Derbe, Dibella, Engel, Feuervogl, Hans Natur, hessnatur, Hopp, Kaufland, Kaya&Kato, Lidl, Manomama, Melawear, Millitomm, Modespitze Plauen, Phyne, Posseimo, Rewe Group, Schweickardt Moden, Tchibo, Trigema, Vaude, 3 Freunde.

Dabei geht es nicht nur um Kleidung, sondern auch um Sofakissen, Matratzen, Bettwäsche, Rucksäcke, Zelte und Spielzeug aus Stoff.

Wann und wo gibt es Textilien mit dem "Grünen Knopf"?

Die Unternehmen, die schon den "Grünen Knopf" verwenden dürfen, bringen quasi sofort Produkte mit dem Etikett auf den Markt. Im Sportgeschäft, im Supermarkt, im Discounter, in der Boutique – der "Grüne Knopf" dürfte überall im Handel zu finden sein.

Und nicht nur dort: Entwicklungsminister Müller will, dass auch die Uniformen der Bundeswehr und die Bettwäsche in Krankenhäusern das neue Siegel tragen. Er appellierte an die Kommunen, die Innenminister, die Polizei, die Verteidigungsminister, die Feuerwehren, "voranzugehen, um zu zeigen, dass man nicht nur will, sondern auch macht". Bei der öffentlichen Beschaffung solle der "Grüne Knopf" zum "Indikator" werden, so Müller.

Dabei könnte einem der "Grüne Knopf" in Zukunft auch im Ausland begegnen: Das globale Siegel erfüllt nach Angaben des Ministeriums weltweite Standards und kann so auch von Unternehmen in anderen Ländern verwendet werden.

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