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So geht es den ersten Impftestern gegen das Coronavirus | BR24

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Vor vier Wochen bekamen 45 Testpersonen in Seattle einen Impfstoff verabreicht, der möglicherweise die Erkrankung mit Covid-19 verhindern kann. Neal Browning ist einer der ersten, der die Impfung bekommen hat.

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So geht es den ersten Impftestern gegen das Coronavirus

Vor vier Wochen bekamen 45 Testpersonen in Seattle einen Impfstoff verabreicht, der möglicherweise die Erkrankung mit Covid-19 verhindern kann. Neal Browning ist einer der ersten Patienten, der damit geimpft wurde. Wie geht es ihm jetzt?

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Vor vier Wochen bekam Neal Browning als eine von 45 Testpersonen einen Impfstoff gegen das Coronavirus verabreicht. Er fühle sich gut, ganz normal, erzählt er im Videointerview. Browning gehört zu den ersten freiwilligen Testpersonen in den USA, die einen möglichen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 injiziert bekamen. Eine Gruppe von 45 Personen – alle zwischen 18 und 55 Jahre alt. In dieser Woche habe er die zweite Spritze erhalten. Nach den Spritzen sei der Arm ein bisschen taub gewesen, so wie auch bei der Grippeimpfung. Aber sonst habe er nichts weiter bemerkt, sagt Browning.

Tests mit Genmaterial des Coronavirus

Die Tests werden vom privaten Biotechnologieunternehmen Moderna gemeinsam mit Forschern der nationalen Gesundheitsbehörde entwickelt und in Seattle durchgeführt. Das Besondere an diesem Impfstoff: er besteht aus Teilen des genetischen Materials des Virus, die für die Entstehung eines Proteins sorgen, mit dem das Virus an menschliche Zellen andocken kann. Die Idee ist, dass der Körper mit den künstlich erzeugten Teilen dieses Protein selbst herstellt und die dazugehörigen Antikörper ebenfalls.

Fasziniert von technischen Errungenschaften

Browning bezeichnet sich selbst als "Geek", als jemanden, der technische Errungenschaften liebt und von ihnen fasziniert ist – das sei eine Motivation gewesen, bei den Tests mitzumachen:

"Ich finde es toll, Neues zu lernen und Herausforderungen anzunehmen – und nun so der Menschheit zu helfen, ich habe vorher aber viel gelesen und mich schlau gemacht, bevor ich den Tests zugestimmt habe, und ich bin überzeugt, dass die Risiken minimal gegenüber den Vorteilen sind." Neal Browning, Pestperson für Impfstoff gegen das Coronavirus

Die Tests an Menschen sind in der Fachwelt durchaus umstritten, denn normalerweise geben nationale Zulassungsbehörden erst ihre Zustimmung für Tests am Menschen, wenn sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit eines Stoffs an Labortieren wie zum Beispiel Mäusen nachgewiesen ist. Dies ist nun nicht der Fall.

Voraussichtlich eineinhalb Jahre bis zum Impfstoff

Rund 1.100 US-Dollar - umgerechnet gut 1.000 Euro - bekommen die Freiwilligen für ihren Einsatz. Sie dürfen in den nächsten anderthalb Jahren nicht aus den USA ausreisen oder Blut spenden. Außerdem führen sie Tagebuch über ihren Gesundheitszustand und lassen ihr Blut regelmäßig untersuchen. Nach dem zweiten Test dieser Woche mit einem stärkeren Stoff sollen in den kommenden Wochen mehr brauchbare Daten erhoben werden. Zusätzlich wurde die Testgruppe erweitert – nun erhalten auch Testpersonen über 70 Jahre einen möglichen Impfstoff.

Browning ist optimistisch, dass sich bald eine Lösung gegen das neuartige Coronavirus finden lässt. Doch trotz alledem: Der gesamte Prozess der Entwicklung eines Impfstoffes wird voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern.

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