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Nachdenkliche Töne bei den 30-Jahre-Einheitsfeiern | BR24

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Bei der zentralen Feier zum 30. Jahrestrag der Wiedervereinigung haben die Krichen zum Engagment für die Demokratie und die deutsche Einehit aufgerufen.

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Nachdenkliche Töne bei den 30-Jahre-Einheitsfeiern

Aus der zunächst geplanten großen Einheits-Party mit Hunderttausenden Besuchern wurde nichts - Corona-bedingt. Bundespräsident Steinmeier nutzte den Festakt, um zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Vereinigungsprozess aufzurufen.

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  • BR24 Redaktion

Wegen Corona müssen in diesem Jahr die großen Einheitsfeiern hierzulande ausfallen. Doch an vielen Orten wird heute trotzdem an die Wiedervereinigung erinnert. Bei dem offiziellen Festakt rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu auf, auch offen über Fehler und Ungerechtigkeiten der Deutschen Einheit zu sprechen.

Bundespräsident zieht insgesamt positive Bilanz

Zum Auftakt der zentralen Feierlichkeiten gab es in Potsdam einen ökumenischen Gottesdienst mit dem Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Danach ging es weiter zum Festakt nach Babelsberg.

Bei seiner dortigen Rede bezeichnete Steinmeier die Deutschen als die Glückskinder in der Mitte Europas, die keinen Grund zur Mutlosigkeit hätten. Deutschland habe sich zu einem wiedervereinten, freiheitlichen und demokratischen Land entwickelt.

"Was für ein Glück! Was für eine Leistung! Darauf sind wir an diesem Tag zu Recht stolz. Wir leben heute in dem besten Deutschland, das es jemals gegeben hat." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Allerdings fehlt seinen Worten nach immer noch eine gemeinsame Lesart der Vereinigungsgeschichte in Ost und West - gerade auch, was die Verwerfungen in Ostdeutschland betreffe. Als Beispiel nannte er die Treuhandanstalt, die mit der Privatisierung der DDR-Staatsbetriebe betraut war.

Bei der Aufarbeitung von Fehlentwicklungen gehe es nicht um Höflichkeit und Abstand, es gehe um unsere Demokratie. Denn wenn Menschen sich dauerhaft zurückgesetzt fühlten, dann bröckele der Zusammenhalt, dann steige das Misstrauen in die Politik, dann wachse der Nährboden für Populismus und extremistische Parteien.

Steinmeier warnt vor Extremisten

Der Bundespräsident rief dazu auf, die Demokratie gegenüber politischen Extremisten zu verteidigen. Er kritisierte Teilnehmer von Kundgebungen, die vor dem demokratisch gewählten Bundestag die schwarz-weiß-rote Flagge des Deutschen Reiches von 1871 oder gar die Reichs-Kriegsflagge schwenken.

Diese wollten einen anderen, einen autoritären und aggressiv-ausgrenzenden Staat, so Steinmeier, der dazu aufrief, gemeinsam weiter für Verbesserungen zu arbeiten und Missstände zu beseitigen. Außerdem regte er dazu an, sich gegenseitig zuzuhören und voneinander zu lernen, egal ob im Osten oder Westen, im Norden oder im Süden.

Bundespräsident für zentralen Gedenkort

In seiner Rede vor den Gästen der zentralen Gedenkfeier schlug der Bundespräsident die Errichtung eines Gedenkorts vor, der an die "friedlichen Revolutionäre" in der DDR erinnert. Ihm schwebe dabei ein Ort vor, der daran erinnere, dass die Ostdeutschen ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen und sich selbst befreit hätten.

Bundeskanzlerin Merkel würdigt Einsatz der Menschen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrer Rede daran erinnert, vor welchen Herausforderungen die Menschen damals vor 30 Jahren standen. Dafür sei viel Mut erforderlich gewesen, in Ostdeutschland ebenso wie in der alten Bundesrepublik. Auch die Partner in der Welt hätten den Mut aufgebracht, Deutschland zu vertrauen.

Mut ist ihrer Ansicht nach aber auch heute notwendig, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen. Dazu gehöre die Coronavirus-Pandemie ebenso wie die Überwindung der Unterschiede von Ost und West und die Förderung des Zusammenhalts in der Gesellschaft.

Gottesdienst zum Auftakt

Bei dem ökumenischen Gottesdienst rief der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, zur gegenseitigen Unterstützung auf. Wo geteilt werde, würden die Dinge nicht weniger, sie würden mehr.

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch appellierte an alle, sich gegenseitig zu achten. Leben brauche das Miteinander. Man ließe niemanden stehen, erst recht nicht Minderheiten. Gastgeber der Feiern unter dem Motto "Wir miteinander" ist Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) als amtierender Präsident des Bundesrats.

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Aus der zunächst geplanten großen Einheits-Party mit Hunderttausenden Besuchern wurde nichts - Corona-bedingt. Bundespräsident Steinmeier nutzte den Festakt, um zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Vereinigungsprozess aufzurufen.

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