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Diskussion um Benedikt

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Nach Zölibatsdebatte und Buchstreit: Diskussion um Benedikt

Benedikt XVI. distanzierte sich inzwischen von dem umstrittenen Buch - die Gemüter erhitzt es weiter. Denn es geht nicht nur um Benedikts Ja zum Zölibat, sondern auch um die Frage, ob sich ein emeritierter Papst in solche Fragen einmischen darf.

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Der katholische Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht in dem neuen Buch von Benedikt XVI. und Kardinal Robert Sarah einen Affront.

"Jetzt greift er in eine tagespolitische Entscheidung des amtieren Papstes ein. Das ist ein No Go, er hat die Grenze überschritten." Kirchenrechtler Thomas Schüller

Als ehemaliger Papst "reinzugrätschen" sei ein "übles Foulspiel" und beschädige den amtierenden Papst und damit das wichtigste Amt in der katholischen Kirche.

Franziskus prüft derzeit, ob in entlegenen Weltregionen wie etwa bestimmten Gebieten des Amazonas, in denen es einen großen Priestermangel gibt, den Geistlichen die Ehe erlaubt werden soll. Das umstrittene Buch enthält ein vehementes Plädoyer gegen eine Lockerung des Zölibats. Allerdings ging Benedikt inzwischen auf Distanz - er will nicht mehr als Co-Autor genannt werden.

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In Sachen Zölibat sind der emeritierte Papst Benedikt und Papst Franziskus uneins. Dass der Disput der beiden öffentlich ausgetragen wird, weil Benedikt einen Beitrag zu einem Buch verfasst hat, hat viele irritiert. Darf ein abgetretener Papst das?

Dogmatik-Professor: Benedikts Privatmeinung

Bei seinem Rücktritt vor sieben Jahren hatte Benedikt angekündigt, fortan zurückgezogen zu leben. Dass er sich jetzt quasi in das Tagesgeschäft von Franziskus einmischt, wirft Fragen auf. Wo sind die Grenzen des publizistischen Engagements des Altpapstes zu ziehen? Welche Rolle kommt Benedikt überhaupt zu? Welchen Status hat er? Der Münchner Dogmatiker Bertram Stubenrauch weist den Machtanspruch des Papstes in Grenzen. "Es ist kein Papst, der hier spricht, er war Papst." Josef Ratzinger sei nach wie vor Bischof, aber kein Papst mehr. Es handle sich hier um eine theologische Privatmeinung des ehemaligen Bischofs von Rom, des ehemaligen Papstes.

Peter Seewald: Benedikt ist kein Schattenpapst

Dazu kommt: Die weiße Soutane hat Benedikt nie abgelegt. Nach wie vor kleidet er sich weiß wie der Papst, das hat Symbolkraft. Von der Kleidung her sind Benedikt und Franziskus nicht zu unterscheiden. Dass Benedikt jedoch im Vatikan als Schattenpapst fungiert, dem widerspricht der Papstkenner und Biograph Peter Seewald. Benedikt sei ein Schriftsteller, der sich auch im hohen Alter von 92 Jahren immer wieder zu Wort meldet. Er sei ein Altpapst, der sich hinter seinen Nachfolger Franziskus stelle. Benedikt habe schon vor der Wahl seinem Nachfolger absoluten Gehorsam versprochen und sich entschieden, sich zurückzuziehen. Er wollte kein "Schattenpapst-Dasein" führen. Dass er sich hin und wieder als Schriftsteller betätige, wenn er gebeten werde, ein Gutachten zu schreiben, "da muss man ja froh sein, dass man einen Mann von so einer theologischen Qualität hat", so Seewald.

Was darf ein Ex-Papst?

Aus theologischer Sicht ist es klar: Benedikt hat nicht die lehramtliche Autorität wie Franziskus. In der öffentlichen Wahrnehmung sieht das anders aus. Und so zeigt die aktuelle Diskussion um das Buch über den Zölibat: auch sieben Jahre nach seinem Rücktritt ist der Status, den Benedikt hat, unklar. Was darf er? Wo sind die Grenzen zu ziehen? Was ist sein Titel? Das muss aus Sicht des Kirchenrechtlers Thomas Schüller dringend geklärt werden. "Der jetzige Titel ist eine freie Erfindung von Joseph Ratzinger und seiner Entourage, da müsste dringend die Frage gestellt werden, welche Kleidung trägt der. Es kann nicht angehen, dass gleichzeitig zwei Männer das nur dem Papst zustehende weiße Gewand tragen, da müsste auch eine Regelung getroffen werden."

Ex-Papst darf Nachfolger nicht das Leben schwer machen

Die Regelungen sind das eine, das andere ist und bleibt die öffentliche Wahrnehmung. Der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander sieht in dem Rücktritt vor sieben Jahren eine historische Leistung. In Publikationen wie dem jüngsten Buch sieht er aber auch eine Gefahr. "Ich fürchte, er wird als der Papst in Erinnerung bleiben, der seinem Nachfolger das Leben schwer gemacht hat und dass ist genau das, was sich für einen ehemaligen Papst verbietet. Ein emeritierter Papst darf seinem Nachfolger nicht das Leben schwer machen, weil er dann das Papstamt nachhaltig beschädigt."

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