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Nach Weinstein-Urteil: "Der Kampf ist noch nicht vorbei" | BR24

© pa / dpa / RW/MPI

Rosanna Arquette und Rose McGowan bei einem Pressestatement vor dem Gerichtsgebäude

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    Nach Weinstein-Urteil: "Der Kampf ist noch nicht vorbei"

    Der Vergewaltigungsprozess um Harvey Weinstein ist beendet, der Ex-Filmproduzent muss ins Gefängnis. Das Urteil löste in Hollywood Genugtuung aus. Einige zeigten sich aber auch enttäuscht.

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    Erleichterung, Genugtuung, Triumph - dies sind die ersten Reaktionen der Frauen, die Harvey Weinstein monatelang medienstark angeprangert haben. Eine Sprecherin der Gruppe, die sich die "Silence Breakers" nennt, also die Frauen, die das Schweigen gebrochen haben, äußerten sich in einer Telefonschalte gegenüber der Presse:

    "Dies ist der Tag, an dem die Wahrheit gewonnen hat. Heute hat gezeigt: Geld und Macht machen dich nicht unantastbar. Weinstein hat uns zu lange verfolgt - auch in unseren Albträumen. Jetzt bekommen wir unsere Macht zurück." Sprecherin der "Silence Breakers"

    "Nun kann ich endlich aufatmen"

    Zu der Gruppe gehören Schauspielerinnen wie Rosanna Arquette oder Mira Sorvino und Rose McGowan. Sie sei stolz auf die tapferen Frauen, die ausgesagt haben, twitterte McGowan. Sie hätten "ein Monster" zu Fall gebracht. Nun könne sie endlich aufatmen.

    In zwei von fünf Anklagepunkten wurde der ehemalige Filmproduzent schuldig gesprochen. Am 11. März soll das Strafmaß verkündet werden. So viel ist bereits jetzt klar: Es läuft auf eine Gefängnisstrafe zwischen fünf und 25 Jahren hinaus.

    Fall Weinstein verknüpft mit #MeToo-Bewegung

    Viele Frauen begrüßten, dass Weinstein bis zur Verkündung des Strafmaßes wieder in Haft muss. "Harvey Weinstein ist jetzt ein verurteilter Vergewaltiger", schrieb die Moderatorin Padma Lakshmi auf Twitter. Wenn es einen Mann gebe, der keine Kaution verdiene, dann sei er es.

    Der Fall Weinstein ist unmittelbar mit der #MeToo-Bewegung verknüpft, bei der vor allem Frauen ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt in sozialen Netzwerken teilten.

    Die Bewegung, an deren Spitze die Aktivistin Tarana Burke steht, bewerte das Urteil positiv. Gleichzeitig wurde an die Frauen erinnert, die nicht die Gelegenheit bekämen, ihre Peiniger vor Gericht zu bringen. Weiter heißt es:

    "Dieser Fall erinnert uns daran, dass sexuelle Gewalt von unkontrollierter Macht und Privilegien lebt. Die Auswirkungen wirken sich weit über Hollywood hinaus auf das tägliche Leben von uns allen im Rest der Welt aus." Verlautbarung der #MeToo-Bewegung

    Ronan Farrow, der Journalist, der die Vorwürfe gegenüber Weinstein recherchierte und zusammentrug, äußerte sich ebenfalls. Das Urteil gegen Weinstein sei das Ergebnis der Entscheidung mehrerer Frauen, "sich mit hohen persönlichen Kosten und Risiken an Journalisten und Staatsanwälte zu wenden", twitterte er.

    Die Frauen wollen weiter kämpfen

    Doch es gibt es auch Enttäuschung über das Jury-Urteil. Vor allem die Gruppe der "Silence Breakers" hätte sich gewünscht, dass Weinstein in allen Anklagepunkte verurteilt wird.

    Statt der schweren Vergewaltigung wurde er lediglich im Fall einer minder schweren Vergewaltigung schuldig gesprochen. "Der Kampf ist noch nicht vorbei", hieß es in einem Statement der Frauen.

    Auch Regisseur und Drehbuchautor Judd Apatow erinnerte in einem Tweet daran, dass der Weinstein-Fall noch nicht ganz zu Ende sei: "Vergessen Sie nicht - Harvey Weinstein steht in Los Angeles vor vier weiteren Anklagen." Dies sei nur der Anfang, ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

    Tatsächlich soll Weinstein sich schon bald auch vor einem Gericht in Los Angeles verantworten. Wann genau, ist noch unklar.