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Nach Wahl in Österreich: Schwierige Regierungsbildung erwartet | BR24

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Österreich hat gewählt. Sebastian Kurz ist der große Gewinner, auch die Grünen dürfen sich freuen. FPÖ und SPÖ haben einen Denkzettel verpasst bekommen. Mit wem wird Kurz also regieren?

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Nach Wahl in Österreich: Schwierige Regierungsbildung erwartet

Die fast eine Million Briefwahlstimmen werden im Lauf des Tages ausgezählt sein. Grundsätzlich wird sich aber nicht mehr viel ändern: Mit ÖVP und Grünen gibt es zwei klare Gewinner der Wahl in Österreich - und rechnerisch drei mögliche Koalitionen.

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Die Konservativen liegen mit rund 38 Prozent deutlich über den Umfragen. Parteichef und Spitzenkandidat Sebastian Kurz sagte am Morgen im ORF:

"Wir werden natürlich die Gespräche mit allen Parteien suchen und versuchen, festzustellen, mit welchen Parteien es eine gute Schnittmenge gibt." ÖVP-Chef Sebastian Kurz

Drei Koalitionen rechnerisch möglich

Und rechnerisch liegen gleich drei Koalitionsmöglichkeiten auf dem Tisch. Er wolle eine stabile Regierung bilden, so Kurz, und stelle sich auf zeitintensive Koalitionsverhandlungen ein.

"Koalitionsverhandlungen sind immer eine Herausforderung, können immer schwierig und manchmal auch zäh sein." ÖVP-Chef Sebastian Kurz

Reichen würde es mit dem bisherigen Partner, der rechten FPÖ. Doch diese stürzte ab auf etwa 16 Prozent und sieht in diesem Ergebnis keinen Auftrag zu regieren. Die Rechten wären für die ÖVP zudem ein riskanter Partner mit dem eher keine stabile Regierung möglich wäre.

Spesenskandal um Strache (FPÖ)

Denn in der Partei tobt ein ausgewachsener Machtkampf. Die Ibiza-Affäre kostete sie Stimmen und rund 250.000 Wähler wanderten zur ÖVP. Kurz vor der Wahl kam zudem eine Spesenaffäre rund um Ex-FPÖ Chef Heinz Christian Strache an die Öffentlichkeit. Er soll Privatausgaben über die Partei abgerechnet haben - die FPÖ-Wähler sind sauer.

"Wir stehen alle mit drinnen da, weil für alle ist dieses Ergebnis enttäuschend. Der Strache muss weg, das ist eindeutig." FPÖ-Wähler

In der Tat steht selbst ein Parteiausschluss von Ex FPÖ Chef Heinz Christian Strache im Raum, denn er hängt seiner Partei inzwischen wie ein Klotz am Bein. Ex-FPÖ Innenminister Herbert Kickl sagte dazu:

"Nichtsdestoweniger geht es jetzt darum, diese Vorwürfe aufzuklären. Entweder werden sie sich bestätigen oder sie lassen sich entkräften. Aber es sind auf jeden Fall dann Konsequenzen zu ziehen, in die eine oder andere Richtung." Innenminister Herbert Kickl

SPÖ: Schlechtestes Ergebnis seit Kriegsende

Rund fünf Prozentpunkte nach unten, das war die Richtung der Sozialdemokraten bei der Wahl. Sie liegen im vorläufigen Endergebnis bei nur rund 22 Prozent und bekamen das schlechteste Ergebnis seit Kriegsende. Richtige Themen, richtige Richtung, so verteidigte Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner den Kurs. Eine große Koalition als Juniorpartnerin der ÖVP, das fiele der SPÖ sicher schwer. Die Atmosphäre zwischen den Parteien ist vergiftet und Rendi-Wagner betonte:

"Wenn ich jetzt höre, dass wir von Sebastian Kurz die Mitte-Rechts-Politik vor ein paar Wochen noch gehört habe, die Zukunftspolitik die er anstrebt und welche Rolle wir auch in diesem Sinne spielen sollten. Dann kann ich nur sagen, auch in ihre Richtung Herr Kurz, mit uns wird es keine Mitte-Rechts Politik in Österreich geben." Pamela Rendi-Wagner (SPÖ)

Grüne kehren zurück ins Parlament

Auch mit den Grünen wäre das nicht drin. Trotzdem wird eine schwarz-grüne Koalition in Österreich ausgiebig diskutiert. Die Partei war bei der letzten Wahl an der vier Prozent Hürde gescheitert und kehrt mit rund 14 Prozent ins Parlament zurück. Ein Triumph für Parteichef Werner Kogler, der in Sachen Schwarz-Grün erst einmal bremst.

"Was mir und den Grünen erst mal wichtig ist, dass wir tatsächlich auf dem Gebiet etwas weiterbringen - das kann aber genauso im Nationalrat sein mit entsprechenden Gesetzesinitiativen und der Rest wird sich ergeben." Werner Kogler, Grüne

In Tirol und Vorarlberg regieren Grüne und Schwarze bereits zusammen. Doch von der Liste Sebastian Kurz im Bund trennen sie Welten, bei Klima, Umwelt- Sozial- oder Asylpolitik. Eine Koalition müsste auch die Grüne Basis absegnen, wo viele eine erste Regierungsbeteiligung im Bund mit der ÖVP kritisch sehen würden.