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Debatte nach Unfall in Berlin: Wie gefährlich sind SUVs? | BR24

© dpa-Bildfunk/Paul Zinken

Ein Teilnehmer der Mahnwache mit einem Schild mit der Aufschrift "SUV töten Kinder, Mütter, Väter, das Klima" an der Berliner Unfallstelle.

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    Debatte nach Unfall in Berlin: Wie gefährlich sind SUVs?

    Ein Stadtverbot für SUVs - das fordert die Deutsche Umwelthilfe. Ein Unfallforscher indes hält SUVs nicht zwingend für gefährlicher als andere Autos. Anlass der Debatte: Ein Unfall in Berlin, bei dem am Freitag vier Menschen ums Leben kamen.

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    Der schwere Verkehrsunfall in Berlin-Mitte am Freitagabend mit vier Toten und fünf Verletzten hat eine Debatte über die Zulässigkeit von SUVs in Innenstädten ausgelöst. Der zuständige Bezirksbürgermeister und die Deutsche Umwelthilfe fordern jetzt ein Verbot der Geländelimousinen.

    Deutsche Umwelthilfe fordert Umdenken der Autoindustrie

    Die Deutsche Umwelthilfe erklärte wörtlich: "SUVs haben in unseren Städten nichts zu suchen!" Der zuletzt mit einer Reihe von Klagen zu Diesel-Fahrverboten erfolgreiche Verband warf der Autoindustrie vor, nach ihren Zielen solle jeder zweite Neuwagen ein SUV sein. "Wir kämpfen dagegen an", erklärte die Umwelthilfe.

    Bezirksbürgermeister kritisiert "panzerähnliche Autos"

    Auch der Bezirksbürgermeister des betroffenen Stadtteils Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), stellte einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und der Art des Autos her. Das Geschehen wäre "so leicht vermeidbar gewesen", schrieb von Dassel auf Twitter. "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt!" SUVs seien "Klimakiller" und "auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige".

    Greenpeace bezeichnete die Fahrzeuge als erhöhtes Sicherheitsrisiko für andere Verkehrsteilnehmer. Wer als Autofahrer einen SUV als Unfallgegner habe, habe ein viermal höheres Risiko zu sterben als bei einem gewöhnlichen Pkw. Aufgrund der höheren Motorhaube steige das Risiko für einen tödlichen Unfall bei Fußgängern um die Hälfte an.

    Unfallforscher: SUVs nicht unbedingt gefährlicher

    Der renommierte Unfallforscher Siegfried Brockmann widersprach in einem Gespräch mit der dpa dieser Darstellung: Schwere Sportgeländewagen seien im Straßenverkehr nicht unbedingt gefährlicher als Kleinwagen.

    "Man kann nicht einfach sagen: SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart." Siegfried Brockmann, Unfallforscher der Versicherungswirtschaft

    Entscheidend sei die Geschwindigkeit. Brockmann: "Alles was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug."

    Porsche Macan in Passanten gefahren

    Der Sportgeländewagen vom Typ Porsche Macan war in Berlin-Mitte von der Fahrbahn abgekommen und hatte anschließend vier Menschen sowie mehrere Poller und einen Ampelmast überfahren. Das Fahrzeug mit drei Insassen kam erst zum Stehen, nachdem es einen Baustellenzaun durchbrochen hatte. Neben einem drei Jahre alten Kind starben bei dem Unfall zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren sowie eine 64-jährige Frau. Der Fahrer erlitt Kopfverletzungen. Die genaue Ursache für den Unfall ist noch unklar. Die Polizei ermittelt zu einem möglichen medizinischen Notfall des 42 Jahre alten Fahrers.

    500 Menschen beteiligen sich an Mahnwache in Berlin

    An einer Mahnwache für die Getöteten beteiligten sich am Samstagabend an der Unfallstelle nach Angaben der Polizei rund 500 Menschen. Dazu aufgerufen hatte unter anderem der Verein Fuss e.V., ein Interessensverband für Fußgänger. Dieser forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf, innerorts ein grundsätzliches Tempo 30 einzuführen.

    Die bei Autokäufern beliebten SUVs stehen schon länger in der Kritik, allerdings wegen des Vorwurfs der Klimaschädlichkeit.