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Nach Tod von Migranten: Schleuser zu 27 Jahren Haft verurteilt | BR24

© ARD/Udo Schmidt

Wegen des qualvollen Tods von 39 vietnamesischen Migranten in einem Lastwagen in Großbritannien sind vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die zwei Anführer einer Schleuserbande müssen für 27 beziehungsweise 20 Jahre ins Gefängnis.

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Nach Tod von Migranten: Schleuser zu 27 Jahren Haft verurteilt

Wegen des qualvollen Tods von 39 vietnamesischen Migranten in einem Lastwagen in Großbritannien sind vier Männer zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die zwei Anführer einer Schleuserbande müssen für 27 beziehungsweise 20 Jahre ins Gefängnis.

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  • BR24 Wirtschaft

Nach dem Tod von 39 Vietnamesen in einem Kühllastwagen in Großbritannien hat ein Londoner Gericht vier Angeklagte zu Haftstrafen von bis zu 27 Jahren verurteilt. Die beiden Hauptangeklagten wurden wegen fahrlässiger Tötung und Menschenhandels verurteilt. Der Fahrer des Lkw erhielt eine Haftstrafe von 13 Jahren und vier Monaten und ein viertes Bandenmitglied muss für 18 Jahre ins Gefängnis.

Langjährige Verschwörung der Schleuserbande

"Ich habe keine Zweifel daran (...), dass es sich um eine raffinierte, langjährige und profitable Verschwörung handelte, um hauptsächlich vietnamesische Migranten über den Kanal zu schmuggeln", sagte der Richter. Die Vietnamesen seien einen qualvollen Tod gestorben. Zugleich betonte Sweeney: "Die Bereitschaft der Opfer, illegal ins Land einzureisen, ist keine Entschuldigung für das, was ihnen widerfahren ist."

39 Menschen in einem Kühllaster erstickt

Die acht Frauen und 31 Männer aus Vietnam waren in einem luftdichten Kühllaster erstickt und im Oktober 2019 auf einem Parkplatz östlich von London entdeckt worden. Experten zufolge stieg die Temperatur in dem versiegelten Container während der Überfahrt von Belgien nach England auf bis zu 40 Grad. Die Migranten hätten keine Überlebenschance gehabt.

Vor Gericht Sprachnachrichten der Sterbenden vorgespielt

Die zum Teil jugendlichen Opfer sollen dem Menschenhändlerring jeweils mehr als 10.000 Euro gezahlt haben, um nach Großbritannien geschleust zu werden. Bei einer Anhörung vor zwei Wochen waren im Gerichtssaal Sprachnachrichten vorgespielt worden, die die sterbenden Frauen und Männer an ihrer Angehörigen verschickt hatten.

Der Fall erinnert an die Tragödie von 2015, als in Österreich nahe der Grenze zu Ungarn ein Kühllaster mit den Leichen von 71 erstickten Menschen, unter ihnen vier Kinder, entdeckt wurde.

Opfer hatten ein besseres Leben gesucht

Alle Opfer wollten mehr verdienen als in der Heimat, hofften auf gutes Geld in Großbritannien, als Maurer, Kellner oder im Nagelstudio. Einige hatten ihr Glück zuvor in Deutschland versucht - aber sie fanden keine Arbeit und zogen weiter. Für die Reise in den Westen nahmen ihre Familien hohe Schulden auf. Nun haben viele Familien ihren Haupternährer verloren und bleiben dennoch auf den Schulden sitzen. Deshalb wurde der Prozess auch in Vietnam genau verfolgt.

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