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Nach Spitzelvorwürfen: Bußgeldverfahren gegen H&M eingeleitet | BR24

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Der Hamburgische Datenschutzbeauftragte hat nach einem gravierenden Datenvorfall nun ein Bußgeldverfahren gegen H&M eingeleitet.

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    Nach Spitzelvorwürfen: Bußgeldverfahren gegen H&M eingeleitet

    Dem Modekonzern H&M droht ein Bußgeld von bis zu 20 Millionen Euro. Der BR hatte aufgedeckt, dass im Nürnberger H&M-Call-Center private Informationen über die Mitarbeiter gesammelt wurden. Datenschützern zufolge hat sich dieser Verdacht nun erhärtet.

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    Nach einem gravierenden Datenvorfall im deutschen Kundencenter von H&M hat die zuständige Hamburger Datenschutzbehörde ein Bußgeldverfahren gegen den Modekonzern eingeleitet. Nach Ansicht der Datenschützer habe sich der massive Verstoß im Nürnberger Call-Center erhärtet: "Die ausgewerteten Daten enthalten detaillierte und systematische Aufzeichnungen von Vorgesetzten über ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar auf Nachfrage des BR und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es sei ein beispielloser Vorfall der letzten Jahre in "gigantischer Dimension".

    Mögliches Bußgeld in Millionenhöhe

    Man habe nach Auswertung von insgesamt 66 Gigabyte an Daten "hinreichende Anhaltspunkte für eine Ordnungswidrigkeit". H&M habe nun zunächst 14 Tage Zeit zu den Vorwürfen der Behörde Stellung zu nehmen. Im Anschluss entscheidet dann die Datenschutzbehörde, ob sie ein Bußgeld verhängt.

    Sollten sich die Datenschützer dafür entscheiden, könnte es teuer für H&M werden: Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) legt bei einem gravierenden Verstoß ein Bußgeldrahmen bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes des Unternehmens fest.

    Aus Mitarbeiterkreisen ist zu hören, dass auch die Center-Leitung heute Nachmittag die rund 700 Mitarbeiter am Nürnberger Standort über das eingeleitete Bußgeldverfahren informiert hat.

    "Gesprächsnotizen" über Medikamente, Urlaub und Beziehung

    Im vergangenen Oktober wurde der Vorfall öffentlich, nachdem ein Netzwerkordner mit den gesammelten Informationen einem Großteil der Nürnberger Belegschaft zugänglich war. Diesen Vorfall bestätigte H&M auf Nachfrage. Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks wurden dabei jedoch sensibelste Daten über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesammelt.

    Betroffene berichteten von umfassenden Krankheitsverläufen, Vermutungen über Beziehungsprobleme oder Urlaubsberichte, die über sie gesammelt wurden. Nach BR-Recherchen haben Vorgesetzte diese Informationen in Pausen und gezielten Gesprächen aufgegriffen, die laut den Mitarbeitenden eigentlich in freundschaftlicher Atmosphäre ausgetauscht wurden. Danach landeten die Daten jedoch in sogenannten "Gesprächsnotizen" im H&M-Netzwerk. Warum die Informationen gesammelt wurden, ist unklar. H&M hat sich auf eine BR-Anfrage dazu bislang nicht geäußert.

    Verdacht von manipulierten Datensätzen

    Recherchen des BR-Studio Franken und des BR-Politikmagazins Kontrovers haben zudem Unstimmigkeiten in der Aufarbeitung des Vorfalls ergeben. Mehrere Mitarbeitende berichteten von angeblichen Fristversäumnissen. Auch sollen manche Daten nachträglich manipuliert worden sein, obwohl diese seit Bekanntwerden des Falls Unternehmensangaben zufolge nicht geändert werden dürfen. Den Vorwurf der Manipulation von Daten wies H&M auf BR-Anfrage zurück. Es könnten keine Änderungen an den Daten vorgenommen werden, erklärte die Pressestelle des Unternehmens.

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