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Natascha Kohnen
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Arne Wilsdorff
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Natascha Kohnen

Mit nur noch 9,7 Prozent bei der Landtagswahl vor einer Woche hat die SPD in Bayern gut die Hälfte ihrer Wähler verloren. Bei der Landesvorstandssitzug geht es jetzt um die Aufarbeitung des Wahldebakels.

Rinderspacher zog schon Konsequenzen

Vor einer Woche war Markus Rinderspacher noch SPD-Fraktionschef im Bayerischer Landtag. Mittlerweile hat er sein Amt zur Verfügung gestellt. Bayern-SPD Generalsekretär Uli Grötsch stellte sich nach der Niederlage breit vor Spitzenkandidatin Natascha Kohnen: "Niemand in der Bayern SPD hätte am heutigen Tag ein besseres Ergebnis holen können als Natascha Kohnen."

Harsche Kritik an Kohnen kam zuerst von Christian Ude, dem SPD-Spitzenkandidaten bei der letzten Landtagswahl, und seinem Parteifreund und Münchner Bundestagsabgeordneten Florian Post. Nicht die Berliner Politik und die Groko seien schuld an der Niederlage, sondern Natascha Kohnens personalisierter Wahlkampf. Der war für Post nur "esoterisches Stuhlkreisgequatsche".

Kohnen will Landesvorsitzende bleiben

Noch am Wahlabend hat Natascha Kohnen auf die Kritik reagiert und angekündigt – über "alles, wirklich alles" zu diskutieren – aber im dafür zuständigen Gremium, dem SPD-Landesvorstand, an diesem Sonntag in Nürnberg. Auch weil ihre persönlichen Werte für Kompetenz und Glaubwürdigkeit laut Wahlanalysen gut seien, will Kohnen als Landesvorsitzende gerne weiter machen. Für den Fraktionsvorsitz im Landtag möchte sie sich aber nicht bewerben.

"Und dann müssen wir diesen sehr, sehr harten Schlag auch mal verkraften, es ist natürlich ein Ergebnis, das jedem sehr, sehr weh tut – und klar, das geht auch nach ein paar Tagen nicht weg." Natascha Kohnen, SPD-Landesvorsitzende Bayern

Im SPD Landesvorstand wird es Gegenwind geben für Natascha Kohnen. Auch vom in der Mitgliederbefragung um den Landesvorsitz gegen Kohnen unterlegenen Münchner Landtags-Abgeordneten Florian von Brunn, der als erster seine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz im Landtag angekündigt hat. Er legt allerdings Wert darauf, nie Natascha Kohnens Rücktritt gefordert zu haben: "Ich habe nur gesagt, ich als Mitglied des Vorstands der Bayern-SPD fühle mich nicht mehr legitimiert. Ich denke, es wäre gut, wenn der Vorstand sich neuen Wahlen auf einem vorgezogenen Parteitag stellen würde."

Die Frage nach der Schuld treibt die SPD um

In der SPD gibt es viele Stimmen, jetzt die Schuld nicht allein auf Natascha Kohnen zu schieben. Etwa von den Landtagsabgeordneten Ruth Waldmann und Margit Wild: "Seh ich jetzt ehrlich gesagt nicht so, dass wir jetzt eine Person austauschen und dann wird auf einmal alles anders und besser." - "Das ist nicht immer die Lösung und wenn, dann richtet sich viel Grant eher in Richtung Berlin."

Der Ruf nach einem Raus aus der Groko wird sicher ernsthaft diskutiert beim SPD Landesvorstand. Aber auch die Zukunftsfragen der Bayern-SPD, meint Arif Tasdelen, Landtagsabgeordneter aus Nürnberg und selbst auch beratendes Mitglied im Landesvorstand.

"Das Wahlergebnis war ja nicht besonders gut für uns und jetzt schauen wir mal, was die nächsten Tage bringen. Vielleicht schaffen wir es auch noch, das neue, frische Lebensgefühl der jungen Menschen hier in Bayern besser anzusprechen." Arif Tasdelen, SPD-Landtagsabgeordneter