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Bayerischer Schulgipfel: Drei-Stufen-Plan außer Kraft gesetzt | BR24

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Bei einem virtuellen Schulgipfel besprechen derzeit Vertreter der Staatsregierung, Lehrer, Schüler und Eltern die Situation an Schulen. Schon im Vorfeld hatte es teils harsche Kritik der Verbände an der Schulpolitik in der Corona-Pandemie gegeben.

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Bayerischer Schulgipfel: Drei-Stufen-Plan außer Kraft gesetzt

Wie kann der Schulalltag mit Corona verbessert werden? Um das zu klären, hatte die Staatskanzlei am Mittwoch zum Schulgipfel geladen. Ein Ergebnis: Künftig entscheiden örtliche Gesundheitsämter, ob Präsenzunterricht stattfindet, nicht Inzidenzwerte.

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Von
  • Xaver Scheffer
  • BR24 Redaktion

Über zweieinhalb Stunden haben Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern und Direktoren vor dem Bildschirm gesessen und ihre Forderungen vorgetragen - etwa weniger Notenerhebungen, mehr Luftfilteranlagen oder mehr Schulbusse. Ministerpräsident Markus Söder, Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hörten vor allem zu. Zum Beispiel Michael Schwägerl, dem Chef des Bayerischen Philologenverbands: "Ich hatte mir etwas mehr erhofft, etwas Konkreteres, für den Moment müssen wir uns zufrieden geben, dass weiterhin Gespräche stattfinden", sagte Schwägerl im Anschluss an das Treffen.

Schulen sollen möglichst lang offen bleiben

Zumindest in einem Punkt waren sich die Teilnehmer einig: Die Schulen in Bayern sollen möglichst lange offen bleiben. Laut Kultusminister Piazolo soll künftig erst dann auf Präsenzunterricht verzichtet werden, wenn ein Infektionsgeschehen an der Schule stattfindet. "Also nicht für einen ganzen Landkreis oder eine ganze Stadt, sondern, dass wir die Schule im Einzelnen betrachten", so Piazolo.

Der bisherige Drei-Stufen Plan der Staatsregierung für Bayerns Schulen ist damit praktisch ad acta gelegt. Laut diesem sollten eigentlich ab einem Inzidenzwert von 50 Klassen in der Regel geteilt werden. Schon in den vergangenen Wochen war diese Vorgabe allerdings praktisch nicht umgesetzt worden. Nun sollen also die örtlichen Gesundheitsämter entscheiden dürfen, ob Schulen geöffnet bleiben.

Gesundheitsämter sollen vor Ort über Vorgehen entscheiden

Bislang galten bei mehr als 35 beziehungsweise 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche offiziell noch klare Vorgaben bezüglich Maskenpflicht, Mindestabstand und dem daraus folgenden Wechsel in den Distanzunterricht, von denen nur unter bestimmten Bedingungen Abstand genommen werden sollte. Doch nachdem die Inzidenzwerte in weiten Teilen Bayerns inzwischen weit über 100 liegen, sollen nun die Gesundheitsämter vor Ort nach einer einheitlichen, aber an die örtlichen Gegebenheiten angepassten Linie entscheiden, wie in der jeweilige Infektionslage vorzugehen ist.

Breiter Konsens in der Runde war nach Teilnehmerangaben, dass dies kein normales Schuljahr sein könne und der Lehrplan entsprechend angepasst werden müsse. Auch müsse der Leistungsdruck durch Notenerhebungen abgefedert werden.

Zu viele Probleme für einen kurzen Schulgipfel

Die Staatsregierung hatte zuvor die Erwartungen an den Gipfel gesenkt. Kultusminister Piazolo nannte das digitale Treffen ein "Arbeitsgespräch in einem größeren Kreis". Es gehe um ein "Update" und die Frage "Wo drückt der Schuh?"

Der Schuh drückt offensichtlich an ganz vielen Stellen. Schüler- und Elternvertreter hatten das noch vor dem Schulgipfel in offenen Briefen an Piazolo deutlich gemacht. Dort ist die Rede von "Eltern als Ersatzlehrern", "digitalem Chaos", einer "Notenjagd" mit "ungeheurem Leistungsdruck", Benachteiligungen von Schülern in Quarantäne und jenen aus "sozial schwachen Familien", fehlender Koordinierung der Lehrkräfte, diffus umgesetzten Lüftungsregeln und vollen Schulbussen.

Mit dpa-Material

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