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Nach Randalen in Frankreich sitzt der Schock tief | BR24

© dpa-Bildfunk/ Foto: Thibault Camus

Der Schock sitzt tief in Paris

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    Nach Randalen in Frankreich sitzt der Schock tief

    Am Tag nach den Gewaltexzessen bleibt es in Frankreich ruhig. Trotzdem bleibt die Verunsicherung. Präsident Macron setzt vorerst auf Dialog. Doch die Voraussetzungen dafür sind schlecht.

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    Am Sonntag nach dem schwarzen Samstag ist Frankreich von Gewalt verschont geblieben. Aber der Schock sitzt tief. Am Abend waren auf allen Fernsehsendern noch einmal die unfassbaren Szenen der Gewalt im Zentrum von Paris und etlichen anderen Städten zu sehen.

    Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo zeigte sich angesichts der schwersten Ausschreitungen in ihrer Stadt seit Jahrzehnten erschüttert: "Wir sind schockiert, dass Randalierer sich derart an Menschen, Gütern und auch am Arc de Triomphe vergangen haben, einem der großen Symbole der Republik", sagte sie.

    Krisensitzung des Kernkabinetts

    Der Triumphbogen war geplündert und mit Graffiti beschmiert worden. In angrenzenden Straßen wurden Hunderte Autos angezündet und Läden demoliert, Polizeikräfte mit Pflastersteinen und Hämmern attackiert.

    Präsident Macron hatte am Sonntagnachmittag das Kernkabinett zu einer Krisensitzung einbestellt. Man ging ohne jede öffentliche Äußerung auseinander. Erst später teilte der Elysée-Palast schriftlich die Anweisungen des Präsidenten mit.

    Premierminister Philippe soll heute schon die Chefs der Oppositionsparteien und gemäßigte Vertreter der Protestbewegung der Gelben Westen treffen und der Innenminister soll Maßnahmen prüfen, wie eine Wiederholung der Gewaltexzesse am nächsten Samstag verhindert werden kann. Dann soll es den vierten Protesttag der Gelbwesten geben.

    Rücktrittsforderung an die Regierung

    Über einen Ausnahmezustand wurde dem Vernehmen nach nicht gesprochen. Unter anderem Vertreter der Polizei hatten zuvor dessen Verhängung gefordert. Macron setzt also auf Dialog und verzichtet - vorerst - auf Härte.

    Aber der Dialog steht unter denkbar schlechten Vorzeichen. Bei den Gelben Westen fehlen legitimierte Ansprechpartner, viele von denen, die sich derzeit für die Bewegung äußern, lehnen Treffen mit der Regierung ab. Eingeladen wurden daher einige Sprecher, die sich für einen "konstruktiven Zorn" ausgesprochen haben und helfen wollen, einen Ausweg aus der Krise zu suchen.

    Aber auch die fordern, so wie Christophe Chalencon, dass die Politik komplett geändert wird: "Also fordern wir den Rücktritt der Regierung", sagt er. Und auch die politische Opposition hat vor allem Forderungen im Angebot. Marine Le Pen von ganz rechts fordert Neuwahlen, ebenso wie Jean-Luc Melenchon von ganz links.

    "Dann gibt es Bürgerkrieg"

    Und auch die rechten Republikaner treten Macron vors Schienbein. Ihr Chef Laurent Wauquiez will ein Referendum über Macrons Steuerpolitik. "Weil wir einen Präsidenten haben, der Frankreich nicht mehr versteht und Franzosen, die wütend und gewaltbereit sind", so seine Begründung.

    Die Gelbwestenproteste hatten sich an der geplanten Erhöhung der Spritsteuern entzündet. Emmanuel Macron steht vor seiner wohl schwersten Belastungsprobe. Am Sonntag hat er im Wesentlichen geschwiegen, keine Ansprache an die Franzosen. Allerdings besuchte er die Orte der größten Verwüstungen in Paris, sprach mit Einsatzkräften und mit den Angestellten eines Cafés. Von Seiten der Passanten gab es sowohl Buhrufe als auch Beifall.

    Sehr aufgebracht waren etliche Anhänger der Gelbwesten. Stéphanie, eine junge Krankenpflegerin, ist ausgesprochen wütend auf Macron und das System, die Leute würden gewissermaßen zur Gewalt getrieben: "Wenn das so weiter geht, dann wird das mit Waffen ausgetragen, wirklich, denn wir haben keine andere Wahl. Am nächsten Wochenende wird es eine Katastrophe geben und wir sind auf dem Weg in den Bürgerkrieg", warnt sie.

    Frankreich ist gespalten. Die gilets jaunes mit ihren Forderungen nach mehr Kaufkraft, höheren Löhnen und Renten können sich durchaus auf viele Sympathien stützen. Aber die Gewalt - die schreckt viele ab.